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Welche Krankenversicherung brauchen Selbstständige in Österreich?

Kurz gesagt

Selbstständige in Österreich brauchen zuerst die Pflichtversicherung bei der SVS: 6,8 Prozent vom Gewinn, 2026 mindestens 37,48 und höchstens 549,78 Euro im Monat. Wichtiger als die Sonderklasse ist oft die Absicherung bei Krankheit, denn ohne Zusatzversicherung gibt es Geld erst ab dem 43. Tag. Eine private Zusatzversicherung kostet mit 35 etwa 99 bis 155 Euro für die Sonderklasse.

Welche Krankenversicherung brauchen Selbstständige in Österreich?

Was es kostet

Gesetzliche Werte 2026 und öffentlich genannte Prämien für Österreich.

BeispielRichtwert
SVS-Krankenversicherung, Mindestbeitrag37,48 Euro im Monat
SVS-Krankenversicherung, Höchstbeitrag549,78 Euro im Monat
Unterstützungsleistung bei langer Krankheit40,04 Euro am Tag, höchstens 20 Wochen
SVS-Zusatzversicherung Krankengeld2,5 Prozent der Beitragsgrundlage
Sonderklasse mit Selbstbehalt, 25 bis 35 Jahre, Wienetwa 80 bis 99 Euro im Monat
Privates Krankentaggeld 50 Euro am Tag ab dem 4. Tagetwa 20 bis 40 Euro im Monat

Gesetzliche Werte Stand 2026, Prämien Stand Oktober 2026 aus öffentlich genannten Beispielen.

Die Prämie für das private Krankentaggeld ist ein Richtwert aus der Angebotspraxis.

Ihre Prämie hängt von Alter, Beruf und Gesundheit ab.

Rechenbeispiel

Grafikerin, 35, Einzelunternehmerin in Linz, 4.000 Euro Gewinn im Monat

Sie hat keine Mitarbeiter und kaum Rücklagen. Wichtig ist ihr Geld im Krankenstand, die Sonderklasse ist ein Wunsch.

SVS-Krankenversicherung, 6,8 Prozent272 Euro
SVS-Zusatzversicherung Krankengeld, 2,5 Prozent100 Euro
Sonderklasse mit Selbstbehaltetwa 99 Euro
Wahlarztversicherungetwa 35 bis 50 Euro

Mit Krankengeld-Zusatz zahlt sie rund 372 Euro, mit Sonderklasse und Wahlarzt etwa 505 bis 520 Euro im Monat. Reicht das Budget nicht für alles, sollte sie mit dem Krankengeld beginnen.

Pflicht bei der SVS, keine Wahl

Gewerbetreibende, Freiberufler und neue Selbstständige sind bei der Sozialversicherungsanstalt der Selbständigen (SVS) kranken-, pensions- und unfallversichert. Eine private Vollversicherung statt der SVS gibt es nicht.

Der Krankenversicherungsbeitrag beträgt 6,8 Prozent der Beitragsgrundlage, also im Kern Ihres Gewinns. 2026 zählen mindestens 551,10 und höchstens 8.085 Euro im Monat. Neue Selbstständige mit Einkünften unter 6.613,20 Euro im Jahr sind nicht pflichtversichert, können sich aber freiwillig versichern.

Die SVS-Beiträge sind Betriebsausgaben und senken Ihren steuerpflichtigen Gewinn.

Gewinn im MonatSVS-Krankenversicherung, 6,8 ProzentKrankengeld-Zusatz, 2,5 Prozent
bis 551,10 Euro37,48 Euroetwa 14 Euro
2.000 Euro136 Euro50 Euro
4.000 Euro272 Euro100 Euro
ab 8.085 Euro549,78 Euroetwa 202 Euro

Die eigentliche Lücke: Einkommen bei Krankheit

Wer krank ist, verdient als Selbstständiger nichts. Die SVS zahlt ohne Zusatz nur die Unterstützungsleistung, und auch die nur, wenn Sie weniger als 25 Mitarbeiter haben, Ihre Arbeit für den Betrieb nötig ist und Sie länger als 42 Tage arbeitsunfähig sind. Dann gibt es 40,04 Euro am Tag, rückwirkend ab dem 4. Tag, höchstens 20 Wochen.

Wer früher Geld braucht, kann bei der SVS eine Zusatzversicherung für Krankengeld abschließen. Sie kostet 2,5 Prozent der Beitragsgrundlage und zahlt ab dem 4. Tag. Alternativ gibt es private Krankentaggeldtarife mit frei wählbarem Tagessatz.

Selbstbehalt und private Zusatzversicherung

Beim Kassenarzt zahlen SVS-Versicherte 20 Prozent der Kosten selbst. Wer an den Gesundheitsprogrammen der SVS teilnimmt und vereinbarte Ziele erreicht, senkt das auf 10 oder sogar 5 Prozent.

Eine private Sonderklasse kostet für eine gesunde Person in Wien mit 25 Jahren etwa 80 Euro mit Selbstbehalt und 123 Euro ohne, mit 35 Jahren etwa 99 und 155 Euro. Eine Wahlarztversicherung gibt es ab etwa 35 Euro. Beides ist Komfort, die Absicherung des Einkommens sollte zuerst kommen.

Wann Sie keine private Zusatzversicherung brauchen

Wenn Ihr Gewinn knapp ist, gehen SVS-Beitrag und Rücklagen vor. Mit Kassenärzten und der allgemeinen Klasse sind Sie medizinisch gut versorgt.

Wer Mitarbeiter hat, die den Betrieb im Krankheitsfall weiterführen, oder genug Rücklagen für zwei Monate ohne Einkommen, braucht auch kein zusätzliches Krankengeld. Rechnen Sie das ehrlich durch, bevor Sie Prämien auf Jahre festlegen.

Schritt für Schritt

  1. Gewinn realistisch schätzen und den SVS-Beitrag mit 6,8 Prozent rechnen.
  2. Rücklage für schwache Monate und Nachzahlungen der SVS bilden.
  3. Ausrechnen, wie lange Sie ohne Einkommen auskommen.
  4. Krankengeld über die SVS oder ein privates Krankentaggeld vereinbaren.
  5. Gesundheitsprogramm der SVS nutzen, um den Selbstbehalt zu senken.
  6. Erst danach entscheiden, welche Zusatzversicherung Sie wollen: Sonderklasse, Wahlarzt oder beides.

Checkliste

  • SVS-Beitrag in der Liquiditätsplanung
  • Rücklage für Nachbemessung der Beiträge
  • Einkommen ab dem 4. Krankheitstag abgesichert
  • Selbstbehalt von 20 Prozent eingeplant oder gesenkt
  • Zusatzversicherung nur mit leistbarer Prämie
  • Gesundheitsfragen vollständig beantwortet

Häufige Fehler

  • Sich auf die Unterstützungsleistung verlassen und übersehen, dass sie erst nach 42 Tagen greift
  • Eine teure Sonderklasse abschließen, aber kein Krankengeld haben
  • Die Nachzahlung der SVS nach dem Steuerbescheid nicht einplanen
  • Den Selbstbehalt beim Kassenarzt vergessen und die Rechnungen unterschätzen

Fragen und Antworten

Häufig gefragt

Welche Absicherung sollte ich zuerst abschließen?

Zuerst das Einkommen bei Krankheit, also Krankengeld über die SVS oder ein privates Krankentaggeld. Sonderklasse und Wahlarzt kommen danach.

Kann ich mich als Selbstständiger in Österreich nur privat versichern?

Nein. Die Versicherung bei der SVS ist Pflicht, sobald Sie über der Versicherungsgrenze liegen oder einen Gewerbeschein haben. Private Tarife ergänzen sie.

Wie viel kostet die SVS-Krankenversicherung 2026?

6,8 Prozent der Beitragsgrundlage, mindestens 37,48 und höchstens 549,78 Euro im Monat.

Ab wann bekomme ich als Selbstständiger Krankengeld?

Ohne Zusatz nur über die Unterstützungsleistung, wenn Sie länger als 42 Tage krank sind. Mit der Zusatzversicherung der SVS ab dem 4. Tag.

Was kostet die Zusatzversicherung für Krankengeld?

2,5 Prozent der Beitragsgrundlage. Bei 4.000 Euro Gewinn im Monat sind das 100 Euro.

Muss ich beim Arzt etwas zahlen?

Ja, 20 Prozent Selbstbehalt beim Kassenarzt. Mit den Gesundheitsprogrammen der SVS sinkt er auf 10 oder 5 Prozent.

Sind die Beiträge absetzbar?

Die SVS-Beiträge sind Betriebsausgaben. Private Krankenversicherungen aus Verträgen ab 2016 sind nicht mehr als Sonderausgaben absetzbar, zu Ihrem Fall fragen Sie Ihre Steuerberatung.

Quellen

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