Vertrauensschadenversicherung in Österreich: Schutz, wenn Vertrauen missbraucht wird
Betriebshaftpflicht, Sachversicherung und Cyberpolizze helfen bei Unfällen, Fehlern und Hackerangriffen. Bei Vorsatz bleiben sie meist stumm: Veruntreut ein Dienstnehmer Geld aus der Kassa oder überweist die Buchhaltung nach einem gefälschten Anruf der Geschäftsführung einen großen Betrag, steht der Betrieb allein da. Die Vertrauensschadenversicherung ersetzt solche Vermögensschäden durch eigene Mitarbeiter und, je nach Polizze, durch Betrüger von außen.
Reicht meine Cyberpolizze nicht auch gegen Betrug per E-Mail?
Oft nicht. Die Cyberversicherung zahlt, wenn Ihre IT angegriffen wird. Gibt eine Mitarbeiterin eine Überweisung selbst frei, weil sie getäuscht wurde, liegt kein Angriff auf das System vor, und viele Cyberpolizzen leisten dann gar nicht oder nur mit einer kleinen Sublimite. Untreue eigener Dienstnehmer ist in der Cyber üblicherweise überhaupt nicht versichert. Lassen Sie beide Polizzen gemeinsam prüfen.
Wer als Vertrauensperson gilt
Klassisch versichert sind Dienstnehmer, die Zugriff auf Kassa, Lager oder Bankkonten haben. Gute Polizzen zählen auch Lehrlinge, überlassene Arbeitskräfte, freie Dienstnehmer und angestellte Geschäftsführer dazu. Gesellschafter, die den Betrieb beherrschen, sind dagegen oft ausgenommen.
Zusätzlich lassen sich Täter von außen einschließen: Personen, die sich Zugang zum Zahlungsverkehr verschaffen, und Betrüger, die sich als Chef, Lieferant oder Hausbank ausgeben. Gerade dieser Teil hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen.
Fake President: die Täuschung per Mail und Telefon
Das Muster ist immer ähnlich: Eine vermeintliche Geschäftsführung meldet sich, schildert eine vertrauliche Übernahme oder ein dringendes Geschäft und drängt auf eine sofortige Überweisung. Eine Spielart ist die gefälschte Lieferantennachricht mit neuer Kontoverbindung, nach der die nächste reguläre Rechnung beim Betrüger landet.
Versichert ist das nur, wenn die Polizze Social Engineering ausdrücklich nennt. Achten Sie auf die Sublimite: Sie liegt häufig deutlich unter der Versicherungssumme und entscheidet im Ernstfall darüber, wie viel zurückkommt.
Cyberversicherung und Vertrauensschaden sauber trennen
Die Cyberpolizze trägt die Kosten rund um einen Angriff auf die Technik: Krisenhotline, Forensik, Datenwiederherstellung, Betriebsunterbrechung und Ansprüche Dritter nach einer Datenschutzverletzung. Die Vertrauensschadenversicherung ersetzt das Geld oder die Ware, die durch die Tat verloren ging.
Beim Zahlungsbetrug überschneiden sich beide. Wichtig ist, dass die Grenzen aufeinander abgestimmt sind und kein Fall zwischen zwei Polizzen durchfällt.
Entdeckung, Rückwärtsdeckung und Anzeige
Viele Polizzen knüpfen daran an, dass der Schaden während der Laufzeit entdeckt wird. Taten aus der Zeit davor sind über eine vereinbarte Rückwärtsdeckung versichert, sofern sie Ihnen nicht schon bekannt waren. Beim Wechsel des Versicherers darf diese Zeit nicht verloren gehen.
Im Schadenfall verlangen Versicherer in aller Regel eine Anzeige bei Polizei oder Staatsanwaltschaft und Ihre Mitwirkung bei der Aufklärung. Nach der Zahlung gehen die Ansprüche gegen den Täter auf den Versicherer über.
Was versichert ist
Untreue, Veruntreuung und Diebstahl durch eigene Dienstnehmer
Betrug und Urkundenfälschung zum Nachteil des Betriebs
Fake President und gefälschte Lieferantenmails, wenn in der Polizze genannt
Manipulation des Zahlungsverkehrs durch externe Täter
Schäden bei Kunden durch Ihre Mitarbeiter, als Zusatzbaustein
Kosten für Sachverständige zur Ermittlung der Schadenhöhe
Taten vor Vertragsbeginn über eine Rückwärtsdeckung
Was nicht versichert ist
Taten beherrschender Gesellschafter, je nach Polizze
Fälle, die bei Abschluss schon bekannt waren
Entgangener Gewinn und Folgeschäden, soweit nicht eingeschlossen
Kosten der IT-Wiederherstellung, die gehören in die Cyberpolizze
Der vereinbarte Selbstbehalt
Beträge über der Sublimite für Social Engineering
Wer sie braucht
Betriebe, in denen eine Person allein Zahlungen freigeben kann
Unternehmen mit vielen Überweisungen ins Ausland
Reinigungs-, Pflege- und Sicherheitsfirmen, deren Personal beim Kunden arbeitet
Hausverwaltungen, Vermögensberater und alle, die Fremdgeld führen
Handel und Lager mit wertvoller, leicht verkäuflicher Ware
Vereine mit ehrenamtlicher Kassaführung
Wer sie nicht braucht
Ein-Personen-Unternehmen, die jede Zahlung selbst veranlassen
Betriebe ohne Kassa und Fremdgeld, deren Cyberpolizze Zahlungsbetrug mit ausreichender Summe abdeckt
Pech-Rad
Drehen Sie am Rad des Pechs
Sechs Schäden, die wirklich passieren: Das Rad wählt Ihren und zeigt, wer zahlt.
Kosten:
Billigtarif Starker Tarif
Alle sechs Fälle ansehen
Kassier zweigt über Jahre Geld ab, oft fünf- bis sechsstellig. Billigtarif: zahlt, Starker Tarif: zahlt. Der klassische Vertrauensschaden. Entscheidend ist, dass die Jahre vor Vertragsbeginn über eine Rückwärtsdeckung mitversichert sind.
Falscher Chef will Eilüberweisung, der überwiesene Betrag. Billigtarif: zahlt teilweise, Starker Tarif: zahlt. Einfache Polizzen zahlen Social Engineering nur bis zu einer kleinen Sublimite, starke mit nennenswerter Summe.
Lieferant schickt neue Kontodaten, eine oder mehrere echte Rechnungen. Billigtarif: zahlt nicht, Starker Tarif: zahlt. Rechnungsbetrug zahlen nur Polizzen, die die Täuschung von außen ausdrücklich einschließen.
Reinigungskraft stiehlt beim Kunden, Wert der Beute, dazu Ärger mit dem Kunden. Billigtarif: zahlt nicht, Starker Tarif: zahlt. Kundenschäden sind ein eigener Baustein. Die Haftpflicht zahlt bei Vorsatz nicht.
Mehrheitsgesellschafter räumt Konto, das entnommene Geld. Billigtarif: zahlt nicht, Starker Tarif: zahlt nicht. Wer den Betrieb beherrscht, ist in vielen Polizzen keine versicherte Vertrauensperson. Schutz bieten hier nur Kontrollrechte im Gesellschaftsvertrag.
Erpressersoftware legt Server lahm, Wiederherstellung und Stillstand. Billigtarif: zahlt nicht, Starker Tarif: zahlt teilweise. Ein Fall für die Cyberpolizze. Werden dabei Zahlungen umgeleitet, kann der Vertrauensschaden den abgeflossenen Betrag ersetzen.
Was sie kostet
Die Prämie hängt von der Zahl der Mitarbeiter, dem Umsatz, der Branche und der Versicherungssumme ab. Spürbar wirken auch die internen Kontrollen, etwa das Vier-Augen-Prinzip und der Rückruf bei geänderten Kontodaten. Unabhängige, veröffentlichte Prämienvergleiche für Österreich gibt es nicht, deshalb nennen wir keine Beträge.
Wovon der Beitrag abhängt
Zahl der Dienstnehmer und Vertrauenspersonen
Umsatz und Höhe der üblichen Überweisungen
Branche, Bargeld und Zugriff auf Fremdgeld
Kontrollen im Zahlungsverkehr
Versicherungssumme und Sublimite für Social Engineering
Selbstbehalt und Vorschäden
Die Prämie steht erst fest, wenn der Versicherer den Fragebogen zu Ihren Zahlungsabläufen ausgewertet hat.
Die Tariflinien am Markt
01
Einstiegspolizze für Kleinbetriebe
Pauschale Summe, eigene Dienstnehmer versichert, Social Engineering nur mit kleiner Sublimite. Kurzer Antrag.
02
Polizze für den Mittelstand
Höhere Summen, externe Täter und Fake President eingeschlossen, Rückwärtsdeckung und Sachverständigenkosten. Für Betriebe mit eigener Buchhaltung meist die richtige Wahl.
03
Internationale Crime-Deckung
Für Gruppen mit Tochtergesellschaften im Ausland: weltweite Geltung, hohe Summen, abgestimmt auf Cyber und D&O.
Woran Sie einen guten Tarif erkennen
Kriterium
Mindeststandard
Starker Tarif
Warum das zählt
Täter von außen
nur Dienstnehmer
auch Dritte ohne Mitwirkung von Mitarbeitern
Zahlungsbetrüger sitzen meist außerhalb des Betriebs.
Social Engineering
ausgeschlossen oder kleine Sublimite
ausdrücklich versichert, mit spürbarer Summe
Gefälschte Chef- und Lieferantenmails treffen auch gut geführte Betriebe.
Rückwärtsdeckung
keine
mehrere Jahre
Veruntreuung fällt oft erst spät auf.
Nachmeldefrist
kurz
ausreichend lang nach Vertragsende
Manche Fälle kommen erst nach einem Wechsel ans Licht.
Kreis der Vertrauenspersonen
nur Angestellte
auch Leiharbeit, freie Dienstnehmer und Organe
Täter sind nicht immer fest angestellt.
Kundenschäden
nicht versichert
als Baustein eingeschlossen
Bei Diebstahl beim Kunden zahlt die Haftpflicht wegen Vorsatz nicht.
Sachverständigenkosten
nicht versichert
eingeschlossen
Die Schadenhöhe muss oft aus Buchhaltung und Belegen rekonstruiert werden.
Anbieter im Überblick
In Österreich bieten unter anderem Allianz Trade und R+V die Sparte an, daneben sind internationale Firmenkundenversicherer am Markt. Ob ein Haus ein bestimmtes Risiko zeichnet, klären wir im Einzelfall. Die Liste ist ein Überblick ohne Wertung und sagt nichts darüber, mit wem wir zusammenarbeiten.
Versicherer
Einordnung
R+V
deutscher Versicherer der Genossenschaftsbanken, Vertrauensschadenversicherung auch für österreichische Betriebe
Allianz Trade
Kreditversicherer der Allianz-Gruppe, früher Euler Hermes, mit Vertrauensschadenversicherung im Angebot
Chubb
internationaler Industrie- und Spezialversicherer für Firmenkunden
AIG
internationaler Versicherer für Firmenkunden
Zurich
Zurich Versicherungs-AG, Firmenkundengeschäft der Zurich-Gruppe in Österreich
Produkte und Bausteine am Markt
Vertrauensschadenpolizze für KMU
Eigene Dienstnehmer und externe Täter in einer Polizze, Social Engineering mit eigener Sublimite.
Crime-Polizze für Konzerne
Internationale Deckung für Unternehmensgruppen mit Gesellschaften in mehreren Ländern.
Zusatz in der Cyberpolizze
Zahlungsbetrug als Baustein der Cyberversicherung, meist mit niedriger Summe. Eine Ergänzung, kein Ersatz.
Kundenschadendeckung
Für Dienstleister im Kundenobjekt: ersetzt Diebstahl durch das eigene Personal beim Auftraggeber.
Vertrauensschaden für Vereine
Schlanke Polizze für Kassiere und Vorstände, die Mitgliedsbeiträge und Förderungen verwalten.
Mythos oder Wahrheit
Was stimmt, was nicht?
Fünf Sätze, die man über diese Versicherung hört. Tippen Sie zuerst, dann lösen wir auf.
Diebstahl durch eigenes Personal zahlt die Betriebshaftpflicht.
Das stimmt nicht.
Falsch. Die Haftpflicht deckt Ansprüche Dritter, keinen eigenen Verlust, und Vorsatz ist ausgeschlossen.
Die Cyberpolizze zahlt jeden Fake President Fall.
Das stimmt nicht.
Nein. Hat eine Mitarbeiterin selbst überwiesen, wurde kein System angegriffen. Viele Cyberpolizzen leisten dann nicht oder nur mit kleiner Sublimite.
Solche Betrugsmaschen treffen nur große Konzerne.
Das stimmt nicht.
Falsch. Täter suchen gezielt Betriebe mit kurzen Wegen und wenigen Kontrollen, auch kleine und mittlere Unternehmen.
Gute Kontrollen im Zahlungsverkehr verbessern die Konditionen.
Das stimmt.
Ja. Vier-Augen-Prinzip und Rückruf bei neuen Kontodaten werden im Fragebogen abgefragt und wirken sich auf Summe und Prämie aus.
Im Schadenfall ist meist eine Anzeige nötig.
Das stimmt.
Stimmt. Die Anzeige gehört zu den üblichen Obliegenheiten. Nach der Zahlung kann der Versicherer selbst gegen den Täter vorgehen.
Häufige Fehler beim Abschluss
Glauben, die Betriebshaftpflicht zahle bei Diebstahl durch das eigene Personal
Die Cyberpolizze für ausreichend halten, ohne die Klausel zu Zahlungsbetrug zu lesen
Nur auf die Versicherungssumme schauen und die Sublimite übersehen
Beim Versichererwechsel die Rückwärtsdeckung aufgeben
Neue Kontodaten eines Lieferanten ohne Rückruf unter bekannter Nummer übernehmen
Einen Verdacht still intern klären, statt den Versicherer früh einzubinden
Häufig gefragt
Fragen und Antworten
Was versteht man unter einem Vertrauensschaden?
Einen Vermögensschaden, den eine Vertrauensperson des Betriebs vorsätzlich verursacht,
etwa durch Untreue, Veruntreuung oder Betrug.
Viele Polizzen erfassen auch externe Täter, die sich als Vertrauensperson ausgeben.
Warum hilft die Betriebshaftpflicht nicht?
Sie zahlt Ansprüche Dritter, nicht Ihren eigenen Verlust.
Vorsätzlich herbeigeführte Schäden sind in der Haftpflicht außerdem ausgeschlossen.
Ist der Fake President gedeckt?
Nur, wenn die Polizze Social Engineering einschließt.
Meist gilt dafür eine Sublimite.
Fragen Sie nach deren Höhe und ob gefälschte Lieferantenmails mitversichert sind.
Muss ich Anzeige erstatten?
In der Regel ja.
Versicherer verlangen eine Anzeige bei Polizei oder Staatsanwaltschaft.
Stimmen Sie den Zeitpunkt mit dem Versicherer ab, damit Beweise gesichert werden.
Was gilt, wenn die Tat lange zurückliegt?
Entscheidend ist die Rückwärtsdeckung.
Viele Polizzen versichern Taten aus der Zeit vor Vertragsbeginn,
wenn sie erst während der Laufzeit entdeckt werden und vorher nicht bekannt waren.
Sind Schäden bei meinen Kunden versichert?
Nur mit einem eigenen Baustein.
Für Reinigungs-, Pflege- und Sicherheitsfirmen ist er wichtig,
weil Auftraggeber ihn häufig in Ausschreibungen fordern.
Ist der Geschäftsführer mitversichert?
Angestellte Geschäftsführer meist ja, beherrschende Gesellschafter in vielen Polizzen nicht.
Bei Familienbetrieben lohnt ein genauer Blick in die Bedingungen.
Was fragt der Versicherer vor Abschluss?
Umsatz, Mitarbeiterzahl und vor allem die Kontrollen:
wer Zahlungen freigibt, ob das Vier-Augen-Prinzip gilt und wie geänderte Kontodaten geprüft werden.
Gute Kontrollen bringen bessere Bedingungen.
Warum über einen Makler?
Weil die Polizzen sich beim Täterkreis,
bei der Sublimite für Social Engineering und bei der Rückwärtsdeckung stark unterscheiden und auf
die Cyber abgestimmt sein müssen.
Wir vergleichen, holen Angebote ein und begleiten den Schadenfall.
Die Vergütung trägt der Versicherer.
NAMMERT Versicherungsmakler
Angebote für Vertrauensschaden anfordern
Wir holen Angebote ein und melden uns mit einem Vergleich, kostenlos: Es zahlt der Versicherer.
Danke, Ihre Anfrage ist bei uns.
Wir melden uns innerhalb eines Werktags. Wenn etwas eilt: +49 3375 29 12 77.