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Betriebliche Krankenversicherung in Österreich: Sonderklasse und Privatarzt für die Belegschaft

Die gesetzliche Krankenversicherung über die ÖGK, BVAEB oder SVS deckt die medizinische Grundversorgung, aber keine Sonderklasse, keine freie Arztwahl ohne Selbstkosten und oft lange Wartezeiten auf Termine. Mit einer Gruppenkrankenversicherung schließt der Dienstgeber diese Lücken für seine Mitarbeiter. Bis 300 € im Jahr je Dienstnehmer kann das als Zukunftssicherung steuerfrei geschehen.

Betriebliche Krankenversicherung (Gruppenkrankenversicherung)

Die Frage, die hier fast jeder zuerst stellt

Ist eine Gruppenkrankenversicherung für Mitarbeiter in Österreich steuerfrei?

Bis 300 € pro Dienstnehmer und Jahr, wenn der Dienstgeber die Prämie zusätzlich zum Gehalt für alle Mitarbeiter oder eine bestimmte Gruppe zahlt. Grundlage ist die Zukunftssicherung nach § 3 Abs. 1 Z 15 lit. a EStG. Der Betrag ist dann lohnsteuer- und sozialversicherungsfrei. Achtung: Die 300 € gelten für alle Zukunftssicherungen zusammen, also auch für Lebens- oder Unfallversicherungen. Wird die Prämie durch Gehaltsumwandlung finanziert, entfällt die Beitragsfreiheit in der Sozialversicherung.

Die Zukunftssicherung nach § 3 EStG

Das österreichische Steuerrecht erlaubt dem Dienstgeber, bis 300 € im Jahr pro Mitarbeiter steuerfrei für Kranken-, Unfall- oder Lebensversicherungen seiner Dienstnehmer aufzuwenden. Voraussetzung ist, dass die Leistung allen Dienstnehmern oder einer sachlich abgegrenzten Gruppe zukommt. Der Mitarbeiter ist versicherte Person, der Dienstgeber zahlt die Prämie direkt.

Die Grenze ist knapp, eine vollwertige Sonderklassepolizze kostet meist mehr. Viele Betriebe nutzen die 300 € deshalb als steuerfreien Sockel und zahlen den Rest als steuerpflichtigen Vorteil, oder sie bieten den Gruppenvertrag an und die Mitarbeiter zahlen den Mehrbetrag selbst zu den besseren Gruppenkonditionen.

Was die Belegschaft davon hat

Der größte Wert der Sonderklasse ist nicht das Einbettzimmer, sondern die freie Wahl des Arztes und des Operationstermins. Wer als Facharbeiter oder Führungskraft ausfällt, kommt schneller zurück, wenn die Operation nicht monatelang auf einen Termin wartet.

Ambulante Bausteine ersetzen Rechnungen von Wahlärzten und Privatärzten, Therapien, Heilbehelfe und Brillen teilweise. Sie werden im Alltag deutlich öfter genutzt als die Sonderklasse und machen die Leistung für die Mitarbeiter sichtbarer.

Worauf Dienstgeber vorab achten

Gruppenverträge verzichten ab einer gewissen Gruppengröße auf die Gesundheitsprüfung oder vereinfachen sie. Bei kleinen Gruppen können Vorerkrankungen zu Ausschlüssen führen. Klären Sie außerdem, ob Mitarbeiter beim Austritt den Vertrag ohne neue Gesundheitsfragen als Einzelpolizze weiterführen dürfen und ob Familienangehörige zu Gruppenkonditionen mitversichert werden können.

Arbeitsrechtlich sollte schriftlich festgehalten sein, dass es sich um eine freiwillige Leistung handelt, damit kein Anspruch aus betrieblicher Übung entsteht, wenn der Betrieb die Leistung später ändern möchte.

Was versichert ist

  • Sonderklasse im Spital mit freier Arztwahl
  • Einbett- oder Zweibettzimmer
  • Privatarzt- und Wahlarztkosten, soweit die Kasse nicht zahlt
  • Heilbehelfe, Therapien und Brillen als Baustein
  • Zahnbehandlung und Zahnersatz als Baustein
  • Vorsorgeuntersuchungen
  • Weltweiter Reiseschutz bei Krankheit, je nach Polizze
  • Tagegeld im Spital, je nach Polizze

Was nicht versichert ist

  • Ersatz der gesetzlichen Krankenversicherung
  • Kosmetische Eingriffe ohne medizinische Notwendigkeit
  • Bei kleinen Gruppen teils bekannte Vorerkrankungen
  • Leistungen außerhalb des vereinbarten Tarifs
  • Kuraufenthalte ohne medizinische Indikation

Wer sie braucht

  • Dienstgeber, die Fachkräfte binden und gewinnen wollen
  • Betriebe mit Schlüsselkräften, deren Ausfall teuer ist
  • Unternehmen, die den steuerfreien Rahmen der Zukunftssicherung noch nicht nutzen
  • Firmen mit Mitarbeitern in ländlichen Regionen, wo Kassenärzte knapp sind

Wer darauf verzichten kann

  • Betriebe, die den 300-Euro-Rahmen schon für eine Lebens- oder Pensionsvorsorge ausschöpfen und keine Mehrkosten tragen wollen

Pech-Rad

Drehen Sie am Rad des Pechs

Sechs Schäden, die wirklich passieren. Das Rad entscheidet, welcher Sie trifft, und zeigt, wer zahlt.

Alle sechs Fälle ansehen
  1. Knie-OP mit Wunschtermin und Wunscharzt, mehrere tausend € bis fünfstellig. Billigtarif: zahlt nicht, Starker Tarif: zahlt. Freie Arzt- und Terminwahl im Spital gibt es nur mit der Sonderklasse. Eine reine Ambulanzpolizze zahlt hier nichts.
  2. Hautarzt als Wahlarzt, rund 100 bis 200 € je Besuch. Billigtarif: zahlt teilweise, Starker Tarif: zahlt teilweise. Die Kasse ersetzt einen Teil nach ihrem Tarif, die Polizze einen weiteren. Ganz ohne Eigenanteil geht es auch im starken Tarif selten.
  3. Brille beim Skifahren zerbrochen, rund 300 bis 800 €. Billigtarif: zahlt teilweise, Starker Tarif: zahlt teilweise. Sehbehelfe werden meist mit einem Höchstbetrag je Zeitraum ersetzt, egal ob die Brille verloren oder zerbrochen ist.
  4. Physiotherapie nach Bandscheibe, rund 60 bis 100 € je Einheit beim Wahltherapeuten. Billigtarif: zahlt teilweise, Starker Tarif: zahlt. Kassenplätze haben oft lange Wartezeiten. Gute ambulante Bausteine ersetzen den Wahltherapeuten weitgehend.
  5. Zweibettzimmer nach Blinddarm-OP, rund 200 bis 400 € je Tag. Billigtarif: zahlt nicht, Starker Tarif: zahlt. Die Unterbringung in der Sonderklasse zahlt nur der stationäre Baustein.
  6. Wellnesswoche als Kur deklariert, rund 1.000 bis 2.000 €. Billigtarif: zahlt nicht, Starker Tarif: zahlt nicht. Ohne medizinische Indikation ist ein Kuraufenthalt Urlaub, und den zahlt keine Polizze.

Was sie kostet

Die Prämie hängt vom Alter der Versicherten, der Region und dem Umfang ab. Sonderklassetarife sind deutlich teurer als ambulante Bausteine. Veröffentlichte, unabhängige Preisvergleiche für Gruppenverträge gibt es in Österreich nicht, daher nennen wir keine Beträge.

Wovon der Beitrag abhängt

  • Altersstruktur der Belegschaft
  • Bundesland, weil Spitalstarife regional verschieden sind
  • Sonderklasse, ambulanter Baustein oder beides
  • Selbstbehalt
  • Gruppengröße
  • Mitversicherung von Angehörigen

Die Prämie steht erst im Angebot fest, auf Basis der Mitarbeiterliste.

Die Tariflinien am Markt

01

Ambulanter Baustein

Wahlarzt, Therapien, Brille und Vorsorge. Oft innerhalb des 300-Euro-Rahmens darstellbar.

02

Sonderklasse mit Selbstbehalt

Spitalsleistungen mit freier Arztwahl, durch einen Selbstbehalt günstiger.

03

Vollpaket

Sonderklasse ohne Selbstbehalt und ambulanter Schutz. Liegt deutlich über dem steuerfreien Betrag.

Woran Sie einen guten Tarif erkennen

KriteriumMindeststandardStarker TarifWarum das zählt
Gesundheitsprüfung vereinfachte Fragen keine Prüfung ab kleiner Gruppengröße Mitarbeiter mit Vorerkrankungen sollen nicht draußen bleiben.
Wartezeiten üblich drei Monate, bei Entbindung länger entfallen Die Leistung soll ab dem ersten Tag wirken.
Weiterführung nicht vorgesehen Einzelvertrag ohne neue Gesundheitsfragen Schafft Vertrauen und ist ein Argument bei der Einstellung.
Angehörige nicht möglich zu Gruppenkonditionen mitversicherbar Erhöht den Wert für Mitarbeiter mit Familie.
Spitalsauswahl nur Vertragsspitäler im Bundesland österreichweit, auch Privatkliniken Mitarbeiter lassen sich nicht immer im eigenen Bundesland behandeln.
Ambulante Leistungen keine Wahlarzt, Therapie, Heilbehelfe Sie werden im Alltag am häufigsten genutzt.

Anbieter im Überblick

Gruppenkrankenversicherungen bieten in Österreich die großen Krankenversicherer an. Die Liste ist ein Marktüberblick ohne Wertung.

VersichererEinordnung
UNIQAgrößter privater Krankenversicherer Österreichs, Firmenkunden über Außendienst und Makler
Merkur VersicherungGrazer Versicherer mit Schwerpunkt Krankenversicherung
Wiener StädtischeTeil der Vienna Insurance Group
Generali Versicherungösterreichische Gesellschaft der Generali-Gruppe
Allianz Elementarösterreichische Tochter des Allianz-Konzerns
Donau VersicherungTeil der Vienna Insurance Group

Produkte und Bausteine am Markt

Sonderklasse-Gruppenvertrag

Spitalsleistungen für die ganze Belegschaft oder eine Gruppe.

Ambulanter Gruppenvertrag

Wahlarzt, Therapien, Heilbehelfe, oft innerhalb des steuerfreien Rahmens.

Rahmenvertrag mit Eigenzahlung

Der Betrieb stellt nur die Gruppenkonditionen, die Mitarbeiter zahlen selbst.

Kombination mit Gruppenunfall

Ein Teil der 300 € für Krankheit, ein Teil für Unfallschutz in der Freizeit.

Mythos oder Wahrheit

Was stimmt, was nicht?

Fünf Sätze, die man über diese Versicherung hört. Tippen Sie zuerst, dann lösen wir auf.

Als Kassenpatient bekommt man beim Wahlarzt Geld zurück.

Das stimmt.

Ja. Die Krankenkasse ersetzt 80 Prozent dessen, was sie einem Vertragsarzt für dieselbe Leistung gezahlt hätte. Das ist oft deutlich weniger als die Rechnung, die Differenz kann eine Zusatzpolizze übernehmen.

Wer privat zusatzversichert ist, muss keine e-card-Beiträge mehr zahlen.

Das stimmt nicht.

Falsch. Die Pflichtversicherung nach dem ASVG bleibt unverändert, auch der Dienstnehmeranteil. Die Zusatzversicherung kommt obendrauf.

Eine Gruppenpolizze ist oft günstiger als dieselbe Einzelpolizze.

Das stimmt.

Ja. Versicherer rechnen bei Gruppen mit einem gemischten Risiko und geringerem Vertriebsaufwand. Deshalb sind Gruppenprämien häufig niedriger und Gesundheitsfragen einfacher.

Private Zusatzversicherung zahlt jede Wahlarztrechnung voll.

Das stimmt nicht.

Nein. Die meisten ambulanten Tarife ersetzen einen Prozentsatz oder bis zu Jahreshöchstbeträgen. Ein Rest bleibt fast immer beim Patienten.

Eine Zahnspange fürs Kind zahlt in Österreich immer die Familie selbst.

Das stimmt nicht.

Nicht mehr. Seit Juli 2015 übernimmt die Krankenkasse bei schweren Zahnfehlstellungen von Kindern und Jugendlichen die festsitzende Spange. Bei leichten Fehlstellungen bleibt es bei einem Zuschuss oder Eigenleistung.

Häufige Fehler beim Abschluss

  • Den 300-Euro-Rahmen mehrfach verplanen, etwa für Lebens- und Krankenversicherung zugleich
  • Die Prämie per Gehaltsumwandlung finanzieren und die Sozialversicherungspflicht übersehen
  • Nur einzelne Mitarbeiter ohne sachliche Gruppenbildung versichern
  • Keine Freiwilligkeitsklausel vereinbaren

Fragen und Antworten

Häufig gefragt

Wie hoch ist der steuerfreie Betrag in Österreich?

300 € pro Dienstnehmer und Jahr für alle Zukunftssicherungen zusammen. Was darüber liegt, ist ein steuer- und beitragspflichtiger Sachbezug.

Muss ich allen Mitarbeitern die Versicherung anbieten?

Für die Steuerfreiheit muss die Leistung allen Dienstnehmern oder einer sachlich begründeten Gruppe zukommen, etwa allen Angestellten eines Standorts. Einzelne Personen herauszugreifen reicht nicht.

Sind laufende Erkrankungen versichert?

Bei größeren Gruppen häufig ja, weil auf die Gesundheitsprüfung verzichtet wird. In kleinen Gruppen können bestehende Leiden ausgeschlossen sein. Das steht im Angebot.

Was passiert beim Austritt eines Mitarbeiters?

Der Gruppenschutz endet. Gute Verträge erlauben die Weiterführung als Einzelpolizze ohne neue Gesundheitsprüfung, dann zum Einzeltarif und auf eigene Kosten.

Kann der Mitarbeiter die Prämie selbst zahlen?

Ja, über einen Rahmenvertrag zu Gruppenkonditionen. Steuerlich begünstigt ist dann aber nichts, und bei Gehaltsumwandlung fällt Sozialversicherung an.

Ist das auch für kleine Betriebe möglich?

Ja, viele Versicherer bieten Gruppenverträge schon ab wenigen Mitarbeitern an, meist mit vereinfachten Gesundheitsfragen.

Wie lange bindet ein Gruppenvertrag?

Üblich sind jährliche Verträge mit automatischer Verlängerung. Der Dienstgeber kann als Versicherungsnehmer nach den Fristen der Polizze kündigen; vorher sollte geklärt sein, ob die Mitarbeiter dann in Einzelverträge wechseln können.

Warum über einen Makler?

Weil Spitalsauswahl, Weiterführungsrecht und Wartezeiten zwischen den Anbietern stark abweichen. Wir holen Angebote ein und helfen bei der Einführung im Betrieb. Die Vergütung zahlt der Versicherer.

NAMMERT Versicherungsmakler

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Wir holen Angebote ein und melden uns mit einem Vergleich. Kostenlos und ohne Verpflichtung, die Vergütung zahlt der Versicherer.

1Für wen?
2Welche Versicherungen?

Mehrere möglich. Zu jeder gewählten Sparte erscheinen die Angaben, die ein Versicherer für ein Angebot braucht.

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Das gehört oft dazu

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