E-Scooter in Österreich: keine Versicherungspflicht, aber eine echte Lücke
Ein E-Scooter bis 25 km/h und 600 Watt ist in Österreich rechtlich ein Fahrrad. Kennzeichen und Pflichtversicherung gibt es deshalb nicht. Wer jemanden verletzt, haftet trotzdem, und gezahlt wird nur, wenn die Privathaftpflicht der Haushaltsversicherung den Roller einschließt. Gegen Diebstahl hilft eine eigene Kasko.
Muss ich meinen E-Scooter in Österreich versichern?
Nein, eine gesetzliche Versicherungspflicht gibt es nicht. Elektroroller mit höchstens 600 Watt und 25 km/h Bauartgeschwindigkeit fallen unter die Bestimmungen für Fahrräder. Versichern sollten Sie ihn trotzdem: Wer mit dem Roller einen Fußgänger niederstößt, zahlt Heilungskosten und Schmerzengeld selbst, wenn keine Haftpflicht einspringt. In vielen Haushaltsversicherungen ist die Privathaftpflicht für E-Scooter enthalten. Prüfen Sie das in Ihrer Polizze.
Warum es in Österreich kein Kennzeichen gibt
Anders als in Deutschland behandelt die Straßenverkehrsordnung den E-Scooter wie ein Fahrrad. Voraussetzung ist, dass der Motor höchstens 600 Watt leistet und der Roller bauartbedingt nicht schneller als 25 km/h fährt. Dann braucht er weder Zulassung noch Kennzeichen noch Pflichtversicherung.
Das heißt nicht, dass nichts passieren kann. Wer einen Unfall verschuldet, haftet für den ganzen Schaden. Die Versicherer sprechen deshalb selbst von einer Versicherungslücke, die jeder Fahrer über seine Haftpflicht schließen sollte.
Die 600-Watt-Falle
Der ÖAMTC hat zehn handelsübliche E-Scooter getestet. Alle lieferten zeitweise mehr als 600 Watt, viele Hersteller geben selbst 1.000 Watt oder mehr an. Streng genommen ist ein solcher Roller kein Fahrrad mehr, sondern ein Kraftfahrzeug ohne Zulassung.
Für die Versicherung ist das heikel. Die Privathaftpflicht der Haushaltsversicherung deckt in der Regel keine Kraftfahrzeuge. Nach einem Unfall mit einem zu starken Roller kann der Versicherer die Zahlung verweigern oder Regress nehmen. Sehen Sie vor dem Kauf ins Datenblatt und heben Sie es auf.
Was die 36. StVO-Novelle geändert hat
Seit 1. Mai 2026 gelten für E-Scooter strengere Regeln: Blinker an den Lenkerenden, Klingel und Beleuchtung, Helmpflicht bis zum 16. Geburtstag und eine Alkoholgrenze von 0,5 Promille. Mitfahrer und Gegenstände am Lenker sind verboten. Roller ohne Blinker dürfen nicht mehr auf die Straße.
Wer gegen diese Regeln verstößt, riskiert nicht nur eine Strafe. Fährt ein Roller ohne vorgeschriebene Ausstattung oder fährt jemand alkoholisiert, kann die Haftpflicht im Schadenfall leichter Regress nehmen oder die Leistung kürzen.
Was versichert ist
Personenschäden bei anderen, samt Schmerzengeld und Verdienstentgang
Sachschäden bei anderen, etwa am parkenden Auto
Abwehr unberechtigter Ansprüche
Kasko: Diebstahl des Rollers, je nach Polizze mit Schloss als Bedingung
Kasko: Brand und Kurzschluss des Akkus
Kasko: Sturz und Vandalismus, je nach Tarif
Was nicht versichert ist
Roller über 600 Watt oder 25 km/h, die als Kraftfahrzeug gelten
Eigene Verletzungen des Fahrers
Schäden am eigenen Roller ohne Kasko
Gewerbliche Nutzung, etwa für Zustelldienste
Fahrten unter Alkohol, je nach Bedingungen mit Regress
Wer sie braucht
Jeder, der einen eigenen E-Scooter fährt und keine Haushaltsversicherung mit Privathaftpflicht hat
Studierende und Pendler, die ohne eigene Wohnungsversicherung leben
Besitzer teurer Roller, die Diebstahl und Akkuschäden absichern wollen
Eltern, deren Kinder mit dem Roller zur Schule fahren
Wer sie nicht braucht
Eine eigene Haftpflicht, wenn Ihre Haushaltsversicherung E-Scooter ausdrücklich einschließt
Kasko für einen alten Roller, dessen Wert kaum über dem Selbstbehalt liegt
Pech-Rad
Drehen Sie am Rad des Pechs
Sechs Schäden, die wirklich passieren: Das Rad wählt Ihren und zeigt, wer zahlt.
Kosten:
Billigtarif Starker Tarif
Alle sechs Fälle ansehen
Roller streift parkendes Auto, rund 300 bis 2.000 €. Billigtarif: zahlt, Starker Tarif: zahlt. Die Privathaftpflicht der Haushaltsversicherung zahlt den Schaden, wenn E-Scooter eingeschlossen sind und der Roller den Fahrradregeln entspricht.
Fußgängerin am Gehsteig niedergestoßen, Heilungskosten und Schmerzengeld, schnell fünfstellig. Billigtarif: zahlt, Starker Tarif: zahlt. Personenschäden sind das große Risiko. Starke Tarife haben eine Versicherungssumme von mehreren Millionen Euro.
Roller vor der Uni gestohlen, Preis des Rollers, oft 400 bis 1.000 €. Billigtarif: zahlt nicht, Starker Tarif: zahlt. Die Haftpflicht zahlt nie den eigenen Roller. Eine Kasko ersetzt ihn, wenn er so versperrt war, wie es die Polizze verlangt.
Unfall mit 1.000-Watt-Roller, der ganze Schaden bei Dritten. Billigtarif: zahlt nicht, Starker Tarif: zahlt teilweise. Über 600 Watt gilt der Roller als Kraftfahrzeug, die Haushaltsversicherung ist dann oft raus. Nur Tarife mit eigener Regel für Spitzenleistung zahlen.
Akku brennt beim Laden durch, Akku oder ganzer Roller, dazu Schäden in der Wohnung. Billigtarif: zahlt teilweise, Starker Tarif: zahlt. Den Brandschaden an der Einrichtung trägt die Haushaltsversicherung, den Roller selbst nur eine Kasko mit Akkudeckung.
Eigener Sturz mit Armbruch, Krankenstand und bleibende Folgen. Billigtarif: zahlt nicht, Starker Tarif: zahlt nicht. Eigene Verletzungen zahlt keine Haftpflicht und keine Kasko. Dafür gibt es die private Unfallversicherung.
Was sie kostet
Die Haftpflicht für den E-Scooter ist meist schon in der Haushaltsversicherung enthalten und kostet dann nichts extra. Eigene Polizzen und Kasko kosten mehr, je nach Wert des Rollers und Umfang.
Wovon der Beitrag abhängt
Einschluss in der Haushaltsversicherung oder eigene Polizze
Kaufpreis und Alter des Rollers für die Kasko
Umfang: nur Diebstahl oder auch Sturz und Vandalismus
Selbstbehalt
Wohnort, weil Diebstahlrisiken stark schwanken
Für Österreich gibt es keine belastbaren veröffentlichten Marktvergleiche, deshalb nennen wir keine Spannen. Ihre Prämie steht erst im Angebot fest.
Die Tariflinien am Markt
01
Einschluss in der Haushaltsversicherung
Die Privathaftpflicht deckt Schäden, die Sie mit dem Roller anderen zufügen. Kein Schutz für den Roller selbst.
02
Eigene Haftpflicht für E-Scooter
Für alle ohne Haushaltsversicherung oder mit einem Tarif, der E-Scooter ausschließt.
03
Haftpflicht plus Kasko
Zusätzlich Diebstahl, Akkuschäden und je nach Tarif Sturz und Vandalismus. Für neue und teure Roller.
Woran Sie einen guten Tarif erkennen
Kriterium
Mindeststandard
Starker Tarif
Warum das zählt
Einschluss E-Scooter
Fahrräder ohne Nennung von Elektrorollern
E-Scooter ausdrücklich genannt
Nur was in der Polizze steht, ist im Streitfall sicher gedeckt.
Versicherungssumme
Pauschalsumme eines alten Haushaltstarifs
mehrere Millionen Euro pauschal
Ein schwer verletzter Fußgänger kann lebenslange Kosten auslösen.
Leistungsgrenze des Motors
nur Roller bis 600 Watt
klare Regel auch für Spitzenleistung über 600 Watt
Fast jeder Roller im Handel überschreitet zeitweise die 600 Watt.
Diebstahlschutz
keiner
Kasko mit Neuwert in den ersten Jahren
Klappbare Roller sind leicht wegzutragen.
Akku
nur Brand
Brand, Kurzschluss und Überspannung beim Laden
Der Akku ist oft das teuerste Einzelteil.
Mitversicherte Personen
nur der Polizzeninhaber
alle im Haushalt lebenden Personen
Kinder und Partner fahren denselben Roller.
Anbieter im Überblick
E-Scooter versichern in Österreich vor allem die großen Sachversicherer über die Haushaltsversicherung, einige bieten eigene Kasko für E-Bikes und E-Scooter an. Die Liste ist ein Marktüberblick und sagt nichts darüber, mit wem wir zusammenarbeiten.
Versicherer
Einordnung
Wiener Städtische
Teil der Vienna Insurance Group, Kasko für E-Bikes und Elektroroller