Firmenrechtsschutz in Österreich: Prozesskosten planbar machen
Wer in Österreich einen Prozess verliert, zahlt die eigenen Anwaltskosten, die Gerichtsgebühren und die Kosten der Gegenseite. Der Firmenrechtsschutz übernimmt dieses Kostenrisiko für die Rechtsbereiche, die im Vertrag stehen. Welche das sind, entscheidet der Betrieb über die Bausteine, und dort liegen die Unterschiede.
Welche Bausteine braucht ein Betrieb im Rechtsschutz?
Für Betriebe mit Mitarbeitern ist der Arbeitsgerichts-Rechtsschutz der wichtigste, dazu Schadenersatz- und Straf-Rechtsschutz. Wer Liegenschaften oder Geschäftslokale nutzt, ergänzt den Liegenschafts-Rechtsschutz, wer Firmenfahrzeuge hat, den Fahrzeug-Rechtsschutz. Der Vertrags-Rechtsschutz für den Betriebsbereich, also Streit mit Kunden und Lieferanten, ist ein eigener Baustein, meist mit Streitwertgrenze. Welche Kombination passt, hängt davon ab, wo der Betrieb tatsächlich Konflikte hat.
Warum Prozesse in Österreich teurer sind, als sie aussehen
Im österreichischen Zivilprozess ersetzt die unterlegene Partei der obsiegenden die Kosten, bei teilweisem Erfolg im Verhältnis. Die Anwaltshonorare richten sich nach dem Rechtsanwaltstarifgesetz und steigen mit dem Streitwert. Ein Betrieb, der über zwei Instanzen einen Streit verliert, trägt also drei Rechnungen: die eigene, die gegnerische und die Gerichtsgebühren.
Dazu kommen Sachverständigengutachten, die in Bau- und Gewährleistungsstreitigkeiten oft den größten Posten ausmachen. Der Rechtsschutz trägt diese Kosten bis zur Versicherungssumme, vorausgesetzt der Streit fällt in einen versicherten Baustein und ist nach Ablauf der Wartezeit entstanden.
Arbeitsgericht: der Baustein für jeden Betrieb mit Personal
Streit mit Dienstnehmern landet vor dem Arbeits- und Sozialgericht. Typische Fälle sind Entlassung und Kündigung, offene Überstunden, Konkurrenzklauseln und Schadenersatz nach dem Dienstnehmerhaftpflichtgesetz. Der Arbeitsgerichts-Rechtsschutz übernimmt die Kosten des Betriebs in diesen Verfahren.
Wichtig ist die Wartezeit. Ein Konflikt, der sich vor Vertragsbeginn oder in den ersten drei Monaten abgezeichnet hat, ist nicht gedeckt. Wer den Rechtsschutz erst abschließt, wenn eine schwierige Trennung ansteht, zahlt für genau diesen Fall selbst.
Vertrags-Rechtsschutz: selten im Paket, oft der eigentliche Bedarf
Die meisten Streitigkeiten eines Betriebs drehen sich um Verträge: die Rechnung, die nicht bezahlt wird, das Werk mit angeblichen Mängeln, der Lieferant, der zu spät liefert. Der allgemeine Vertrags-Rechtsschutz für den Betriebsbereich deckt solche Konflikte, ist aber ein eigener Baustein und wird oft nur mit Streitwertgrenze und Selbstbehalt angeboten.
Nicht versicherbar sind in der Regel Streitigkeiten aus dem Gesellschaftsverhältnis, aus Kauf und Verkauf von Unternehmen, aus dem Bau eigener Gebäude und aus Immaterialgüterrechten wie Marken und Patenten. Für das reine Eintreiben unbestrittener Forderungen ist ein Inkassobüro oder das Mahnverfahren meist günstiger.
Was versichert ist
Arbeitsgerichts-Rechtsschutz für den Betrieb als Dienstgeber
Schadenersatz-Rechtsschutz für eigene Forderungen
Straf-Rechtsschutz für Inhaber, Geschäftsführer und Mitarbeiter
Sozialversicherungs-Rechtsschutz, etwa in Beitragsstreitigkeiten
Liegenschafts-Rechtsschutz für Geschäftslokal, Büro oder Werkstatt, wenn vereinbart
Fahrzeug-Rechtsschutz für Firmenfahrzeuge, wenn vereinbart
Vertrags-Rechtsschutz für den Betriebsbereich, wenn vereinbart
Beratungs-Rechtsschutz für eine anwaltliche Erstberatung, je nach Tarif
Was nicht versichert ist
Streitigkeiten, die vor Beginn oder in der Wartezeit entstanden sind
Streit zwischen Gesellschaftern und mit Organen der eigenen Gesellschaft
Abwehr von Schadenersatzansprüchen, das ist Aufgabe der Haftpflichtversicherung
Marken-, Patent-, Urheber- und Wettbewerbsrecht
Kauf, Verkauf und Umgründung von Unternehmen
Errichtung oder Umbau eigener Gebäude
Wer sie braucht
Betriebe mit Dienstnehmern
Geschäftsführer und Inhaber in Branchen mit Straf- und Verwaltungsstrafrisiko
Betriebe mit Firmenfahrzeugen
Gewerbliche Mieter und Eigentümer von Betriebsliegenschaften
Betriebe mit vielen Kundenverträgen, wenn Vertrags-Rechtsschutz angeboten wird
Wer sie nicht braucht
Ein-Personen-Unternehmen, deren Konflikte fast nur Zahlungsstreit mit Kunden sind und für die kein Vertrags-Rechtsschutz verfügbar ist
Pech-Rad
Drehen Sie am Rad des Pechs
Sechs Schäden, die wirklich passieren: Das Rad wählt Ihren und zeigt, wer zahlt.
Kosten:
Billigtarif Starker Tarif
Alle sechs Fälle ansehen
Dienstnehmer klagt Überstunden ein, Anwaltskosten, meist einige tausend Euro. Billigtarif: zahlt, Starker Tarif: zahlt. Der Arbeitsgerichts-Rechtsschutz trägt die Kosten des Verfahrens. Werden die Überstunden geschuldet, zahlt sie der Betrieb.
Kunde zahlt die Rechnung nicht, je nach Streitwert vier- bis fünfstellig. Billigtarif: zahlt nicht, Starker Tarif: zahlt. Vertragsstreit ist ein eigener Baustein. Ohne ihn bleibt der Betrieb auf den Prozesskosten sitzen.
Anzeige wegen überladenem Lieferwagen, Anwaltskosten, meist einige hundert Euro. Billigtarif: zahlt teilweise, Starker Tarif: zahlt. Die Verteidigung im Verwaltungsstrafverfahren deckt der Fahrzeug-Rechtsschutz. Die Strafe selbst zahlt der Betrieb.
Streit mit dem Mitgesellschafter, fünf- bis sechsstellig. Billigtarif: zahlt nicht, Starker Tarif: zahlt nicht. Auseinandersetzungen unter Gesellschaftern sind ausgeschlossen. Sie gehören in den Gesellschaftsvertrag, nicht in die Polizze.
Strafverfahren nach Arbeitsunfall, Verteidigung vier- bis fünfstellig. Billigtarif: zahlt, Starker Tarif: zahlt. Der Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung ist im Straf-Rechtsschutz gedeckt. Das gilt für Inhaber und Mitarbeiter.
Nachbar klagt wegen Lärm der Werkstatt, vier- bis fünfstellig. Billigtarif: zahlt nicht, Starker Tarif: zahlt teilweise. Nachbarstreit fällt unter den Rechtsschutz für Grundstück und Miete. Den muss man eigens einschließen.
Was sie kostet
Die Prämie ergibt sich aus Betriebsart, Zahl der Mitarbeiter und den gewählten Bausteinen. Der Vertrags-Rechtsschutz ist oft der teuerste Teil. Ein höherer Selbstbehalt senkt die Prämie merklich.
Wovon der Beitrag abhängt
Betriebsart und Branche
Zahl der Dienstnehmer
Umsatz, besonders beim Vertrags-Rechtsschutz
Bausteine: Liegenschaft, Fahrzeuge, Vertrag
Selbstbehalt
Vorschäden
Für den Firmenrechtsschutz gibt es keine belastbaren öffentlichen Vergleichswerte, deshalb nennen wir keine Beispielprämien. Ihre Prämie steht erst im Angebot fest.
Die Tariflinien am Markt
01
Basis
Arbeitsgerichts-, Schadenersatz-, Straf- und Sozialversicherungs-Rechtsschutz. Der sinnvolle Kern für Betriebe mit Personal.
02
Erweitert
Zusätzlich Liegenschaft, Fahrzeuge und Beratungs-Rechtsschutz. Für Betriebe mit eigenem Standort und Fuhrpark.
03
Umfassend
Mit Vertrags-Rechtsschutz für den Betriebsbereich, höheren Summen und erweitertem Straf-Rechtsschutz für Führungskräfte.
Woran Sie einen guten Tarif erkennen
Kriterium
Mindeststandard
Starker Tarif
Warum das zählt
Versicherungssumme
100.000 € je Fall
300.000 € oder mehr
Mehrere Instanzen mit Gutachten übersteigen kleine Summen schnell.
Vertrags-Rechtsschutz
nicht enthalten
enthalten mit ausreichender Streitwertgrenze
Hier liegen die häufigsten Konflikte im Betriebsalltag.
Straf-Rechtsschutz
nur Fahrlässigkeitsdelikte
auch Vorsatzvorwürfe bis zur rechtskräftigen Verurteilung
Nach Arbeitsunfällen und Betriebsprüfungen wird schnell ermittelt.
Mitversicherte Personen
Betriebsinhaber
auch Geschäftsführer, Prokuristen und Dienstnehmer in betrieblicher Eigenschaft
Oft trifft das Verfahren die handelnde Person, nicht die Firma.
Wartezeit beim Wechsel
neue Wartezeit
Anrechnung der Vorversicherung
Ein Wechsel darf keine Lücke erzeugen.
Beratungs-Rechtsschutz
nicht enthalten
anwaltliche Erstberatung ohne Selbstbehalt
Früher Rat verhindert oft den teuren Prozess.
Anbieter im Überblick
Firmenrechtsschutz bieten spezialisierte Rechtsschutzversicherer und die großen österreichischen Versicherer. Die Aufzählung zeigt den Markt, nicht unsere Vertragspartner.
Versicherer
Einordnung
D.A.S. Rechtsschutz
auf Rechtsschutz spezialisiert, Teil der ERGO Group
ARAG
Zweigniederlassung des deutschen Rechtsschutzversicherers ARAG SE
UNIQA
börsennotierte Versicherungsgruppe mit Sitz in Wien