Alles zur Versicherung: Unfallversicherung
Zahlt die AUVA bei einem Freizeitunfall?
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Kurz gesagt
Die Gliedertaxe ist die Tabelle in Ihrer Polizze, die jedem Körperteil einen festen Prozentsatz zuordnet. Verlust oder volle Funktionsunfähigkeit ergeben den ganzen Satz, eine teilweise Beeinträchtigung einen Bruchteil. Invaliditätsgrad mal Versicherungssumme ist die Leistung: ein Daumen zählt üblich 20 Prozent, aus 150.000 Euro werden 30.000 Euro. Bessere Polizzen setzen bis zu 45 Prozent an.
Öffentlich genannte Prämien für Österreich und die daraus gerechneten Auszahlungen, Stand 2026.
| Beispiel | Richtwert |
|---|---|
| Student, 25 Jahre, 100.000 Euro Summe, 500 Prozent Progression | ab etwa 7 Euro im Monat |
| Büroberuf, 32 Jahre, 150.000 Euro Summe, 600 Prozent Progression, 600 Euro Unfallrente | ab etwa 18 Euro im Monat |
| Familie, Eltern 35 und 40 Jahre, zwei Kinder, 150.000 Euro Summe | ab etwa 20 Euro im Monat |
| Gesamte Spanne für Erwachsene | etwa 7 bis 50 Euro im Monat |
| Sprung von 100.000 auf 125.000 Euro Versicherungssumme | Aufschlag meist unter 5 Euro im Monat |
| Daumenverlust bei 150.000 Euro Summe | 30.000 Euro mit üblicher, 67.500 Euro mit besserer Tabelle |
| Mehrprämie für eine bessere Gliedertaxe | etwa 10 bis 25 Prozent |
Prämien Stand September 2026 aus öffentlich genannten Beispielen. Die Auszahlungen sind mit den Prozentwerten der Tabelle selbst gerechnet. Die Mehrprämie für eine bessere Gliedertaxe ist ein Richtwert aus der Angebotspraxis und hängt vom Versicherer ab; das genaue Angebot holen wir ein.
Rechenbeispiel
Gleicher Unfall, gleiche Versicherungssumme, nur die Gliedertaxe unterscheidet sich. So groß wird der Unterschied.
| Versicherungssumme in beiden Polizzen | 150.000 Euro |
| Übliche Tabelle: Daumen 20 Prozent | 30.000 Euro |
| Bessere Tabelle: Daumen 45 Prozent | 67.500 Euro |
| Unterschied bei gleicher Summe | 37.500 Euro |
| Mehrprämie für die bessere Tabelle | etwa 10 bis 25 Prozent, Richtwert aus der Angebotspraxis |
Die zweite Polizze zahlt mehr als das Doppelte. Dazu kommt: 20 Prozent liegen unter der Progressionsschwelle von 26 Prozent, 45 Prozent darüber. Die Progression wirkt also nur in der besseren Polizze und vergrößert den Abstand weiter.
Die Gliedertaxe ist der Rechenkern der privaten Unfallversicherung. Sie ordnet Körperteilen, Sinnesorganen und einigen inneren Organen einen Prozentsatz zu. Geht das Teil ganz verloren oder kann es dauerhaft überhaupt nicht mehr arbeiten, gilt der volle Satz. Bleibt eine Restfunktion, gilt der Bruchteil: eine Hand, die nur noch zur Hälfte brauchbar ist, ergibt die Hälfte des Handsatzes.
Dieser Prozentsatz ist der Invaliditätsgrad, und Grad mal Versicherungssumme ergibt die Leistung für Dauerinvalidität. Es gibt in Österreich keine einheitliche Gliedertaxe. Jedes Haus schreibt seine eigene Tabelle in die Polizze, und genau dort unterscheiden sich zwei Angebote, die auf dem Deckblatt gleich aussehen. Auffallend: Der Arm wird je nach Haus mit 70 oder mit 80 Prozent bewertet, das Gehör auf einem Ohr oft mit 35 statt 30 Prozent.
| Körperteil | Üblicher Satz | Bessere Polizzen |
|---|---|---|
| Ein Arm | 70 bis 80 Prozent | bis 100 Prozent |
| Arm bis zum Ellenbogen | 65 Prozent | bis 75 Prozent |
| Eine Hand | 55 bis 60 Prozent | bis 90 Prozent |
| Daumen | 20 Prozent | bis 45 Prozent |
| Zeigefinger | 10 Prozent | bis 30 Prozent |
| Anderer Finger | 5 Prozent | bis 15 Prozent |
| Ein Bein | 70 Prozent | bis 100 Prozent |
| Ein Fuß | 40 Prozent | je nach Polizze höher |
| Große Zehe | 5 Prozent | je nach Polizze höher |
| Andere Zehe | 2 Prozent | je nach Polizze höher |
| Ein Auge | 50 Prozent | bis 80 Prozent |
| Beide Augen | 100 Prozent | 100 Prozent |
| Gehör auf einem Ohr | 35 Prozent | je nach Polizze höher |
| Gehör auf beiden Ohren | 70 Prozent | je nach Polizze höher |
| Stimme | 30 Prozent | je nach Polizze höher |
| Geruchssinn | 10 Prozent | je nach Polizze höher |
| Geschmackssinn | 10 Prozent | je nach Polizze höher |
| Eine Niere | 20 Prozent | je nach Polizze höher |
| Milz | 10 Prozent | je nach Polizze höher |
Manche Polizzen setzen deutlich höhere Prozentwerte an als üblich. In Ratgebern steht das meist in einem Nebensatz, gerechnet wird es kaum, obwohl hier das Geld liegt: Bei gleicher Versicherungssumme und gleichem Unfall zahlt die eine Polizze ein Vielfaches der anderen. Wie stark verbessert wird, legt jedes Haus selbst fest.
Der zweite Effekt wird fast immer übersehen. Die Progression greift in vielen Bedingungen erst ab einem Invaliditätsgrad von 26 Prozent. Eine bessere Tabelle hebt manche Verletzung über diese Schwelle, und dann wirkt die Progression zusätzlich. Ein Daumen mit 20 Prozent bleibt darunter, derselbe Daumen mit 45 Prozent liegt darüber.
| Körperteil | Übliche Tabelle | Bessere Tabelle |
|---|---|---|
| Daumen | 30.000 Euro | 67.500 Euro |
| Zeigefinger | 15.000 Euro | 45.000 Euro |
| Eine Hand | 82.500 Euro | 135.000 Euro |
| Ein Bein | 105.000 Euro | 150.000 Euro |
| Ein Auge | 75.000 Euro | 120.000 Euro |
Sind mehrere Körperteile betroffen, werden die Sätze addiert. Nach oben ist bei 100 Prozent Schluss: Ein Arm mit 80 und ein Ohr mit 35 Prozent ergeben zusammen 115, gezahlt werden aber höchstens 100 Prozent. Betrifft alles denselben Arm, bildet der Versicherer einen Gesamtgrad für dieses Glied statt zu addieren.
Körperteile ohne Eintrag, etwa Rücken, Kopf oder innere Organe, werden im Schadenfall einzeln bewertet. Maßstab ist, wie stark die körperliche oder geistige Leistungsfähigkeit insgesamt beeinträchtigt ist. War ein Glied schon vor dem Unfall eingeschränkt, wird diese Vorinvalidität abgezogen. Haben Krankheiten oder Gebrechen am Dauerschaden mitgewirkt, kürzt der Versicherer entsprechend; gute Bedingungen rechnen das erst ab einem hohen Anteil an.
Die Tabelle fragt nicht nach Ihrem Beruf. Eine Pianistin und ein Buchhalter erhalten für denselben Finger denselben Prozentsatz, obwohl der Verlust für die eine das Berufsleben beendet. Der Beruf wirkt nur auf die Prämie, nicht auf die Leistung.
Und sie gilt nur für Unfälle. Krankheiten lösen keine Leistung aus, egal wie hoch die Sätze sind. Dazu kommen Fristen: Die Dauerinvalidität muss innerhalb der in der Polizze genannten Monate ärztlich festgestellt und gemeldet sein. Rechnen Sie neben der Tabelle auch die Bergungskosten nach: Ein Hubschraubereinsatz im Gelände kostet schnell mehrere tausend Euro, und dafür gibt es einen eigenen Höchstbetrag.
Fragen und Antworten
Jeder Versicherer selbst, in seinen Bedingungen. Eine einheitliche Tabelle oder ein Gesetz dafür gibt es in Österreich nicht.
Prozentsatz laut Tabelle mal Versicherungssumme. Liegt der Grad über der Progressionsschwelle, meist 26 Prozent, kommt die Progression dazu.
Nein. Die gesetzliche Unfallversicherung arbeitet mit der Minderung der Erwerbsfähigkeit und zahlt eine Rente, und nur bei Arbeits- und Schulunfällen.
Dann gilt der entsprechende Bruchteil. Eine Hand, die nur noch halb arbeitet, ergibt die Hälfte des Handsatzes.
Nein. Der Beruf wirkt auf die Prämie, nicht auf den Prozentsatz. Pianistin und Buchhalter bekommen für denselben Finger dasselbe.
Ja. Eine Vorinvalidität am selben Glied wird abgerechnet, und Krankheiten, die am Dauerschaden mitgewirkt haben, kürzen die Leistung.
Nein. Wenn Sie dafür die Versicherungssumme senken müssten, ist das ein schlechtes Geschäft: die Summe wirkt bei jedem Grad, die bessere Tabelle nur bei bestimmten Verletzungen.
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