Was leistet eine private Unfallversicherung in Österreich?
Kurz gesagt
Kernleistung ist die Kapitalleistung bei Dauerinvalidität: Versicherungssumme mal Invaliditätsgrad nach der Gliedertaxe, verstärkt durch die Progression. Bei 150.000 Euro Summe und 50 Prozent Invalidität sind das ohne Progression 75.000 Euro. Dazu kommen Unfallkosten, Bergungskosten, Taggeld, Spitalgeld und Unfalltod, und nur ein Teil davon ist seine Prämie wert.
Öffentlich genannte Prämien und Kostenbeträge für Österreich, Stand 2026.
Beispiel
Richtwert
Guter Schutz für eine erwachsene Person
etwa 150 bis 300 Euro im Jahr
Einfacher bis umfangreicher Tarif mit Unfallrente
etwa 7 bis 50 Euro im Monat
Nachlass bei zehn Jahren Laufzeit
oft etwa 20 Prozent
Hubschrauberbergung, rund 40 Flugminuten
etwa 5.000 Euro, Flugminute rund 130 Euro
Dokumentierter Einzelfall Bergung nach Mountainbikeunfall
6.600 Euro
Übliche Deckung für Bergungskosten in der Polizze
15.000 bis 30.000 Euro
Auszahlung bei 50 Prozent Invalidität, 150.000 Euro Versicherungssumme, ohne Progression
75.000 Euro einmalig
Richtwerte, Stand September 2026.
Prämien aus öffentlich genannten Beispielen,
die Bergungskosten und der Einzelfall aus den genannten Quellen.
Die Angaben zu üblichen Deckungssummen und zum Aufschlag einzelner Bausteine sind Richtwerte aus
der Angebotspraxis.
Ihre Prämie hängt von Beruf, Summe, Progression und Bausteinen ab;
das genaue Angebot holen wir ein.
Rechenbeispiel
Sturz bei einer Skitour, Bergung per Hubschrauber und steifes Knie
Ein Freizeitunfall im Gelände. Der Verletzte wird ausgeflogen, das Knie bleibt dauerhaft eingeschränkt. So entsteht daraus eine Zahl.
Versicherungssumme Dauerinvalidität
150.000 Euro
Gliedertaxe für ein Bein
70 Prozent
Ärztlich festgestellte Einschränkung
fünf Siebtel davon, also 50 Prozent Invaliditätsgrad
Kapitalleistung ohne Progression
75.000 Euro
Kapitalleistung mit Progression, je nach Progressionstabelle
Richtwert etwa 150.000 bis 225.000 Euro
Bergungskosten Hubschrauber
etwa 5.000 Euro, ersetzt bis zur vereinbarten Summe
Ohne Bergungskostenbaustein bleiben die rund 5.000 Euro für den Flug beim Verunfallten, denn die gesetzliche Krankenversicherung zahlt sie nach einem Sportunfall im Gelände nicht.
Dauerinvalidität ist die eigentliche Leistung
Das Wort Unfallversicherung sagt nichts darüber, was ausgezahlt wird. Arzt, Spital und Therapie zahlt die gesetzliche Krankenversicherung. Die private Unfallversicherung zahlt dafür, dass nach einem Unfall etwas dauerhaft bleibt. Die Rechnung ist immer dieselbe: Versicherungssumme mal Invaliditätsgrad, und der Grad kommt aus der Gliedertaxe, einer Tabelle mit einem Prozentsatz je Körperteil.
In der einfachen Form steht ein Arm mit 70 Prozent, ein Daumen mit 20 Prozent in der Tabelle. Bessere Bedingungswerke heben diese Werte deutlich an. Die Progression setzt oben noch etwas drauf: bei hohen Invaliditätsgraden steigt die Leistung überproportional, viele österreichische Anbieter gehen bis 500 oder 600 Prozent der Versicherungssumme. Bei niedrigen Graden wirkt sie fast nicht, deshalb ist eine hohe Grundsumme wichtiger als eine spektakuläre Progressionszahl.
Die Bausteine einzeln, und was sie zahlen
Jede Polizze ist ein Bündel. Was wirklich drin ist, sehen Sie erst, wenn Sie die Bausteine einzeln durchgehen. Die Tabelle nennt für jeden, was er zahlt und für wen er sich rechnet.
Faustregel: Alles, was bei einem schweren Unfall einen großen Betrag bringt, ist gut angelegt. Alles, was kleine Beträge bei kleinen Schäden zahlt, ist ein teurer Sparvertrag mit Versicherungsaufschlag.
Baustein
Was er zahlt
Rechnet sich für wen
Dauerinvalidität
Kapitalleistung, Versicherungssumme mal Invaliditätsgrad
für alle, das ist der Kern der Polizze
Progression
erhöht die Leistung bei hohen Invaliditätsgraden überproportional
für alle, sie kostet wenig und wirkt im schweren Fall
Unfallrente
monatlich, meist ab 50 Prozent Invalidität
wer keine Berufsunfähigkeitsvorsorge bekommt
Unfalltod
Kapitalleistung an die Angehörigen bei Tod durch Unfall
selten sinnvoll, eine Ablebensversicherung zahlt auch bei Krankheit
Unfallkosten
Heilkosten, die die Krankenversicherung nicht trägt, etwa Zahnersatz oder Privatarzt
sinnvoll, weil hier echte Rechnungen liegen
Bergungskosten
Suche, Bergung und Transport bis zur vereinbarten Summe
in Österreich für jeden, der wandert, Ski fährt oder am Berg unterwegs ist
Spitalgeld
Tagessatz für jeden Tag im Krankenhaus
meist überflüssig, der Betrag bleibt klein
Taggeld und Genesungsgeld
Tagessatz während und nach der Behandlung
fast nie, es erhöht nur die Prämie
Knochenbruchpauschale
fixer Betrag je Bruch
nett bei Kindern, aber kein Grund für einen Tarif
Kosmetische Operationen
Narbenbehandlung und Zahnersatz nach einem Unfall
sinnvoll, mindestens 10.000 Euro, besonders für Kinder
Kur- und Rehabeihilfe
Zuschuss zu Rehabilitation oder Kur nach schwerem Unfall
angenehme Ergänzung, nicht entscheidend
Serviceleistungen
Hilfe im Haushalt, Einkauf, Pflegeorganisation nach einem Unfall
Pensionisten und Alleinlebende, dort wertvoller als jedes Taggeld
Bergungskosten sind in Österreich kein Nebenposten
Eine Hubschrauberbergung mit rund 40 Flugminuten kostet etwa 5.000 Euro, die Flugminute liegt bei rund 130 Euro ohne ärztliche Versorgung. Die Arbeiterkammer Oberösterreich hat einen Fall mit 6.600 Euro für einen Flug nach einem Mountainbikeunfall dokumentiert. Die gesetzliche Krankenversicherung zahlt die Bergung nach einem Freizeit- oder Sportunfall im alpinen Gelände nicht, die Rechnung geht an den Verunfallten.
Deshalb ist die Summe für Bergungskosten in Österreich eine der wichtigsten Zahlen der Polizze. Übliche Deckungen liegen bei 15.000 bis 30.000 Euro, das reicht auch für einen längeren Einsatz mit Suche. Wer ohnehin Mitglied bei Alpenverein, Naturfreunden oder der Bergrettung ist, hat einen Teil davon schon: eine Fördermitgliedschaft bei der Bergrettung beginnt bei etwa 36 Euro im Jahr und deckt Such- und Bergungskosten bis 25.000 Euro. Prüfen Sie das, bevor Sie dieselbe Leistung zweimal zahlen.
Drei Fristen, an denen Leistungen scheitern
Die häufigste Ablehnung hat nichts mit dem Unfall zu tun, sondern mit dem Kalender. Drei Fristen laufen ab dem Unfalltag: die Invalidität muss innerhalb einer bestimmten Zeit eingetreten sein, sie muss ärztlich festgestellt und beim Versicherer geltend gemacht werden. Wird eine davon versäumt, gibt es keine Kapitalleistung.
Die Zeiträume unterscheiden sich je Bedingungswerk. Üblich sind zwölf bis 15 Monate für den Eintritt und 15 Monate für Feststellung und Meldung, gute Tarife geben 18 oder 24 Monate. Melden Sie den Unfall also sofort und lassen Sie einen bleibenden Schaden schriftlich festhalten, auch wenn der Grad noch nicht feststeht.
Frist
Üblicher Zeitraum ab dem Unfall
Worauf Sie achten
Die Invalidität muss eingetreten sein
12 bis 15 Monate, gute Tarife 18 bis 24 Monate
je länger, desto besser, spät erkannte Schäden fallen sonst heraus
Ein Arzt muss sie schriftlich feststellen
15 Monate, gute Tarife 24 bis 36 Monate
ein Befund allein reicht nicht, der Dauerschaden muss benannt sein
Sie muss beim Versicherer geltend gemacht sein
15 Monate, gute Tarife 18 bis 24 Monate
schriftlich, auch wenn der Invaliditätsgrad noch offen ist
Wo die Grenzen liegen
Geleistet wird nur, wenn ein Unfall die Ursache war: ein plötzliches Ereignis von außen, unfreiwillig. Ein Bandscheibenvorfall beim Heben, ein Herzinfarkt oder ein Schlaganfall sind das in der Regel nicht. Die AUVA deckt Arbeits- und Schulunfälle samt Weg dorthin, für die Freizeit gibt es keine gesetzliche Invaliditätsleistung, und Krankheiten deckt die private Unfallversicherung nicht.
Zweite Grenze: die Mitwirkung. Hat eine vorhandene Krankheit zum Ergebnis beigetragen, kürzen viele Polizzen um diesen Anteil. Gute Bedingungen rechnen das erst ab einem hohen Anteil an, oft ab 50 Prozent. Und achten Sie auf die Laufzeit: ein Nachlass von etwa 20 Prozent für zehn Jahre Bindung ist verlockend, kostet aber Beweglichkeit, wenn sich Ihre Lage ändert.
Schritt für Schritt
Versicherungssumme für Dauerinvalidität festlegen, Richtwert ist ein Mehrfaches des Jahresbruttoeinkommens.
Progression einschließen, sie kostet wenig und wirkt bei schweren Unfällen.
Gliedertaxe der Angebote nebeneinander legen, sie entscheidet über die Höhe.
Bergungskosten prüfen und gegen eine bestehende Mitgliedschaft bei Alpenverein oder Bergrettung abgleichen.
Taggeld, Spitalgeld und hohe Unfalltodsummen streichen und das Geld in die Grundsumme stecken.
Checkliste
Versicherungssumme am Einkommen ausgerichtet
Progression eingeschlossen
Verbesserte Gliedertaxe statt der einfachen Tabelle
Bergungskosten mindestens 15.000 Euro, im Gebirge mehr
Unfallkosten für Zahnersatz und Heilbehelfe enthalten
Lange Fristen für Eintritt, Feststellung und Meldung
Laufzeit und Nachlass bewusst gewählt, nicht wegen der Prämie allein
Häufige Fehler
Kleine Versicherungssumme wählen und dafür Taggeld und Spitalgeld einschließen
Bergungskosten niedrig ansetzen, obwohl man regelmäßig am Berg ist
Bergungskosten doppelt zahlen, weil eine Mitgliedschaft sie schon deckt
Den bleibenden Schaden zu spät feststellen lassen und die Frist verpassen
Fragen und Antworten
Häufig gefragt
Zahlt die Unfallversicherung die Behandlung im Spital?
Die eigentliche Behandlung trägt die gesetzliche Krankenversicherung.
Der Baustein Unfallkosten übernimmt, was dort nicht gedeckt ist, etwa Zahnersatz,
Heilbehelfe oder einen Privatarzt.
Wer zahlt die Hubschrauberbergung nach einem Skiunfall?
Nicht die gesetzliche Krankenversicherung.
Es zahlt der Baustein Bergungskosten in Ihrer Polizze oder eine Mitgliedschaft bei Alpenverein,
Naturfreunden oder Bergrettung, sonst Sie selbst.
Ab welchem Invaliditätsgrad wird gezahlt?
Meist ab einem niedrigen Grad, manche Tarife setzen eine Untergrenze.
Die Progression wirkt erst bei hohen Graden, nachzulesen in der Progressionstabelle Ihres Vertrags.
Was ist der Unterschied zur AUVA?
Die AUVA deckt Arbeits- und Schulunfälle samt Weg dorthin.
Für Unfälle in Freizeit, Haushalt und Sport gibt es dort keine Invaliditätsleistung,
dafür ist die private Polizze da.
Lohnt sich Spitalgeld?
Selten.
Bei 20 Euro am Tag bringen zwei Wochen Spital rund 280 Euro.
Dasselbe Geld in der Versicherungssumme wirkt im schweren Fall um ein Vielfaches stärker.
Zahlt die Polizze auch im Ausland?
Gute Tarife gelten weltweit und rund um die Uhr.
Achten Sie besonders auf die Summe für Bergung und Rücktransport,
in den Alpen und in Übersee sind das die teuren Posten.
Was bringen die Serviceleistungen?
Hilfe beim Einkauf, im Haushalt und bei der Organisation von Pflege nach einem Unfall.
Für Pensionisten und Alleinlebende ist das oft der nützlichste Baustein neben der Kapitalleistung.