Hilft die Rechtsschutzversicherung bei einer Kündigung durch den Arbeitgeber in Österreich?
Kurz gesagt
Ja, wenn der Baustein Arbeitsrecht eingeschlossen ist und die Wartezeit abgelaufen war, bevor der Streit begann. Sie ist im Arbeitsrechtsschutz meist drei bis sechs Monate lang. Wichtiger als die Police ist die Frist: Eine Kündigung müssen Sie in der Regel binnen zwei Wochen beim Arbeits- und Sozialgericht anfechten, sonst bleibt sie bestehen.
Prämien aus einem veröffentlichten Vergleich der Arbeiterkammer und aus öffentlich genannten Modellrechnungen für Österreich, Stand 2026.
Beispiel
Richtwert
Familie, umfassender Rechtsschutz mit Kfz und Privat, 12 verglichene Produkte
etwa 233 bis 484 Euro im Jahr
Einzelperson, Basisschutz ohne Kfz
ab etwa 6 Euro im Monat
Üblicher Bereich für ein Paket mit Arbeitsrecht
etwa 15 bis 40 Euro im Monat
Selbstbehalt von 150 auf 500 Euro erhöhen
etwa 10 bis 25 Prozent weniger Prämie
Versicherungssummen im Vergleich der Arbeiterkammer
etwa 140.000 bis 400.000 Euro, zwei Produkte ohne Grenze
Eigener Anwalt in einem Anfechtungsverfahren vor dem Erstgericht
Richtwert etwa 2.000 bis 4.000 Euro
Richtwerte, Stand September 2026,
aus einem veröffentlichten Vergleich der Arbeiterkammer und aus öffentlich genannten
Modellrechnungen.
Die Anwaltskosten im Anfechtungsverfahren und die Zahlen im Rechenbeispiel sind Richtwerte aus der
Angebotspraxis, denn sie hängen vom Streitwert, vom Aufwand und von der Kanzlei ab.
Ihre Prämie hängt von Alter, Beruf, Wohnort, Selbstbehalt und Bausteinen ab;
das genaue Angebot holen wir ein.
Rechenbeispiel
Angestellte in Wien, 3.000 Euro brutto, Kündigung nach fünf Jahren
So rechnet sich eine Kündigungsanfechtung vor dem Erstgericht, mit und ohne Polizze.
Bruttomonatsgehalt
3.000 Euro
Prämie für ein Paket mit Arbeitsrecht
etwa 20 Euro im Monat, rund 240 Euro im Jahr
Eigener Anwalt im Anfechtungsverfahren
Richtwert etwa 2.000 bis 4.000 Euro
Kostenersatz bei Erfolg vor dem Erstgericht
keiner
Pauschalgebühr des Gerichts
nach dem Streitwert, vom Kläger im Voraus zu zahlen
Mit Polizze selbst zu zahlen
nur der Selbstbehalt, meist 150 bis 500 Euro
Ohne Polizze tragen Sie die Anwaltskosten selbst, auch wenn Sie gewinnen. Mit Polizze bleibt der Selbstbehalt. Wer über die Arbeiterkammer vertreten wird, zahlt für dieses Verfahren nichts extra. Zahlen sind Richtwerte.
Zwei Wochen, und die Frist hängt am Betriebsrat
Die wichtigste Zahl dieser Seite ist die Anfechtungsfrist. Besteht kein Betriebsrat oder hat er keine Stellungnahme abgegeben, können Sie die Kündigung binnen zwei Wochen nach ihrem Zugang selbst beim Arbeits- und Sozialgericht anfechten. Das regelt § 105 Arbeitsverfassungsgesetz.
Hat der Betriebsrat der Kündigung ausdrücklich widersprochen, kann er selbst binnen einer Woche anfechten. Erst wenn diese Woche ungenutzt verstreicht, läuft für Sie eine eigene Frist von zwei Wochen. Wer das falsch rechnet, verliert das Recht zur Anfechtung. Fragen Sie deshalb am Tag der Kündigung bei der Arbeiterkammer oder einer Kanzlei nach, welche Frist in Ihrem Betrieb gilt.
Wartezeit und Anlassfall: rückwirkend gibt es nichts
Im Arbeits- und Vertragsrechtsschutz gilt üblicherweise eine Wartezeit von drei bis sechs Monaten. Fälle, deren Ursache in diese Zeit fällt, sind nicht gedeckt. Für Erb- und Familienrecht sind es in manchen Bedingungen bis zu zwölf Monate.
Entscheidend ist nicht der Tag, an dem Sie zum Anwalt gehen, sondern der Anlassfall, also der erste Verstoß. Wer nach dem Personalgespräch über die Trennung noch schnell eine Polizze abschließt, bekommt für diese Kündigung nichts. Versicherer prüfen das bei Arbeitsrechtsfällen genau und fragen nach Vorgesprächen, Verwarnungen und Aktennotizen.
Was gedeckt ist und was nicht
Gedeckt sind Beratung, die Anfechtung der Kündigung vor dem Arbeits- und Sozialgericht, ein Verfahren über offene Ansprüche wie Überstunden oder Urlaubsersatzleistung, ein Vergleich und in der Regel auch die höhere Instanz.
Nicht gedeckt ist, was keinen Anlass im Arbeitsverhältnis hat oder zu früh begann. Eine einvernehmliche Auflösung ohne vorherige Kündigung fällt je nach Tarif nur unter die Beratung. Ein Streit allein um die Höhe einer freiwilligen Abschlagszahlung bleibt außen vor, und für ein Strafverfahren wegen einer vorsätzlichen Tat gibt es keine Deckung.
Fall
Gedeckt?
Voraussetzung
Anfechtung wegen Sozialwidrigkeit
ja
Baustein Arbeitsrecht, Wartezeit abgelaufen, sechs Monate beschäftigt
Anfechtung wegen eines verpönten Motivs
ja
Wartezeit abgelaufen, Frist eingehalten
Klage gegen eine Entlassung
ja
Kündigung oder Entlassung kam nach der Wartezeit
Offene Ansprüche wie Überstunden oder Urlaubsersatzleistung
ja
Streit begann nach der Wartezeit
Höhere Instanz nach einem Urteil
ja
Versicherungssumme reicht aus
Einvernehmliche Auflösung ohne Kündigung
je nach Tarif
meist nur Beratung, keine Vertretung
Streit nur um eine freiwillige Abschlagszahlung
nein
ohne Kündigung fehlt der Anlassfall
Strafverfahren wegen einer vorsätzlichen Tat
nein
Vorsatz ist im Straf-Rechtsschutz ausgeschlossen
Anlassfall in der Wartezeit
nein
der erste Verstoß lag zu früh
Kein Kostenersatz: darum zählt der Baustein hier besonders
Eine Kündigungsanfechtung gehört zu den betriebsverfassungsrechtlichen Streitigkeiten. Für diese sieht das Arbeits- und Sozialgerichtsgesetz einen Kostenersatzanspruch erst im Verfahren vor dem Obersten Gerichtshof vor. Vor dem Erstgericht zahlt also jede Seite ihren eigenen Anwalt selbst, auch wer gewinnt.
Genau das macht den Baustein Arbeitsrecht wertvoll. Ohne ihn tragen Sie Ihre Anwaltskosten, obwohl das Gericht Ihnen Recht gibt. Dazu kommt die Pauschalgebühr des Gerichts, die sich nach dem Streitwert richtet und beim Einbringen der Klage zu zahlen ist. Wir nennen hier keine Zahl dafür, weil sie mit dem Streitwert stark schwankt.
Arbeiterkammer und Gewerkschaft: wann sich der Baustein nicht lohnt
Arbeitnehmer sind in Österreich fast alle Mitglied der Arbeiterkammer. Die AK berät im Arbeits- und Sozialrecht kostenlos und vertritt Mitglieder in geeigneten Fällen auch vor Gericht. Auch die Gewerkschaft bietet ihren Mitgliedern Rechtsschutz. Wer diesen Weg geht, braucht für eine Kündigungsanfechtung meist keine eigene Polizze.
Der Baustein lohnt sich vor allem, wenn Sie eine Kanzlei Ihrer Wahl wollen, wenn der Fall komplizierter ist als ein Standardverfahren oder wenn Sie ohnehin Privat- und Kfz-Rechtsschutz brauchen. Für Selbstständige und freie Dienstnehmer greift der Arbeitsrechtsschutz für Arbeitnehmer nicht, dort braucht es einen eigenen Firmenrechtsschutz.
Schritt für Schritt
Zugangsdatum der Kündigung notieren und prüfen, ob ein Betriebsrat besteht.
Am selben Tag bei der Arbeiterkammer, der Gewerkschaft oder einer Kanzlei nachfragen, welche Frist gilt.
Polizze prüfen: Baustein Arbeitsrecht vorhanden, Beginn des Vertrags, Selbstbehalt, Versicherungssumme.
Deckungsanfrage mit Kündigungsschreiben und Zugangsdatum stellen, die Kanzlei übernimmt das meist.
Ohne Deckung den Weg über die Arbeiterkammer oder die Gewerkschaft gehen, weiter innerhalb der Frist.
Checkliste
Baustein Arbeitsrecht ist in der Polizze eingeschlossen
Der Vertrag lief länger als die Wartezeit, bevor der Streit begann
Die Anfechtung ist fristgerecht beim Arbeits- und Sozialgericht
Freie Anwaltswahl im Tarif
Versicherungssumme reicht für mehrere Instanzen
Selbstbehalt bekannt und bezahlbar
Häufige Fehler
Die Frist erst nach dem Wochenende prüfen und damit die zwei Wochen verlieren
Nach dem Trennungsgespräch noch eine Polizze abschließen und auf Rückwirkung hoffen
Auf die Deckungszusage warten, statt die Anfechtung fristgerecht einzubringen
Annehmen, dass der Verlierer die Anwaltskosten der Gegenseite trägt: im Anfechtungsverfahren gilt das vor dem Erstgericht nicht
Fragen und Antworten
Häufig gefragt
Zahlt die Rechtsschutzversicherung die Kündigungsanfechtung?
Ja, wenn der Baustein Arbeitsrecht eingeschlossen ist und der Anlassfall nach der Wartezeit lag.
Gedeckt sind Beratung, Vertretung, Verfahren und in der Regel die höhere Instanz,
abzüglich Selbstbehalt.
Wie lange habe ich Zeit für die Anfechtung?
In der Regel zwei Wochen.
Besteht ein Betriebsrat und hat er widersprochen, verschiebt sich die Frist,
weil zuerst er anfechten kann.
Lassen Sie die Frist am Tag der Kündigung prüfen.
Brauche ich die Versicherung, wenn mich die Arbeiterkammer vertritt?
Für eine Kündigungsanfechtung meist nicht.
Die AK berät kostenlos und vertritt Mitglieder in geeigneten Fällen vor Gericht.
Für Miete, Verkehr und Verträge hilft sie nicht.
Bekomme ich meine Anwaltskosten zurück, wenn ich gewinne?
Im Anfechtungsverfahren vor dem Erstgericht nicht.
Einen Kostenersatzanspruch sieht das Gesetz dort erst im Verfahren vor dem Obersten Gerichtshof
vor.
Ist eine einvernehmliche Auflösung gedeckt?
Je nach Tarif nur als Beratung.
Ohne Kündigung fehlt vielen Bedingungen der Anlassfall für eine volle Vertretung.
Lassen Sie den Entwurf trotzdem ansehen.
Gilt der Arbeitsrechtsschutz auch für Selbstständige?
Nein.
Der Baustein für Arbeitnehmer deckt Streit aus dem Dienstverhältnis.
Selbstständige und freie Dienstnehmer brauchen einen eigenen Rechtsschutz für den Betrieb.
Was kostet ein Paket mit Arbeitsrecht?
Üblich sind etwa 15 bis 40 Euro im Monat.
Im Vergleich der Arbeiterkammer lagen Familienprodukte mit Kfz und Privat bei etwa 233 bis 484