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Wie funktioniert das Bonus-Malus-System in Österreich?

Kurz gesagt

Österreich kennt keine Schadenfreiheitsklassen wie Deutschland, sondern Bonus-Malus-Stufen von 0 bis 17. Sie starten in Stufe 9 mit 100 Prozent der Haftpflichtprämie. Jedes schadenfreie Jahr bringt eine Stufe nach unten, ein verschuldeter Unfall drei nach oben. In Stufe 0 zahlen Sie im Grundmodell nur 50 Prozent, in Stufe 17 das Doppelte.

Wie funktioniert das Bonus-Malus-System in Österreich?

Was es kostet

Öffentlich genannte Werte für Österreich, Stand 2026.

BeispielRichtwert
Skoda Octavia, Baujahr 2024, Wien, Haftpflicht in Stufe 9rund 1.145 Euro im Jahr
Gleiches Auto, Haftpflicht in Stufe 0rund 801 Euro im Jahr
Grundmodell, Stufe 0 bis Stufe 17rund 50 bis 200 Prozent der Tarifprämie

Beispielwerte aus öffentlich genannten Rechnungen, Stand 2026; sie enthalten die motorbezogene Versicherungssteuer, die in jeder Stufe gleich hoch bleibt. Deshalb fällt der Unterschied kleiner aus als die reinen Prozentsätze. Ihre Prämie holen wir als Angebot ein.

Rechenbeispiel

Blechschaden in Stufe 0

Eine Lenkerin in Stufe 0 verursacht einen Parkschaden von 700 Euro. Haftpflichtprämie ohne Steuer bei 100 Prozent: 600 Euro.

Prämie in Stufe 0, rund 50 Prozentetwa 300 Euro im Jahr
Prämie in Stufe 3 nach dem Schadenetwa 360 bis 400 Euro im Jahr
Mehrprämie über drei Jahre bis Stufe 0grob 120 bis 200 Euro
Schaden selbst zahlen700 Euro

Hier ist Melden günstiger als Selbstzahlen. Bei einem Schaden von 150 Euro wäre es umgekehrt. Rechnung mit Richtwerten, die Stufen dazwischen legt jeder Versicherer selbst fest.

Das Grundmodell

Das Bonus-Malus-System regelt in Österreich die Prämie der Kfz-Haftpflicht für Pkw und Kombis. Es ist nicht mehr gesetzlich vorgeschrieben, die meisten Versicherer verwenden es aber weiter, oft mit eigenen Abwandlungen wie zusätzlichen Bonusstufen.

Wer zum ersten Mal ein Auto anmeldet oder seit mehr als zwölf Monaten keines mehr hatte, beginnt in Stufe 9. Jedes Jahr ohne verschuldeten Schaden bringt eine Stufe nach unten. Nach neun schadenfreien Jahren sind Sie in Stufe 0.

StufeBedeutungPrämie im Grundmodell
17schlechteste Malusstuferund 200 Prozent
12Neueinsteiger mit einem Unfall im ersten Jahrdeutlich über 100 Prozent
9Einstieg100 Prozent
5vier schadenfreie Jahreunter 100 Prozent
0beste Stufe nach neun schadenfreien Jahrenrund 50 Prozent

Beobachtungszeitraum statt Kalenderjahr

Anders als in Deutschland zählt im klassischen Modell nicht das Kalenderjahr. Der Beobachtungszeitraum läuft vom 1. Oktober bis 30. September. Was in diesem Zeitraum passiert, wirkt sich bei der nächsten Hauptfälligkeit aus.

Einzelne Versicherer weichen davon ab. Schauen Sie in Ihre Polizze, welcher Zeitraum gilt.

Was nach einem Unfall passiert

Zahlt Ihr Haftpflichtversicherer für einen Schaden, den Sie verursacht haben, rutschen Sie drei Stufen in Richtung Malus. Aus Stufe 0 wird Stufe 3. Bis Sie wieder ganz unten sind, dauert es drei schadenfreie Jahre.

Manche Tarife bieten einen Freischaden, bei dem der erste Schaden nicht zur Rückstufung führt. Das kostet meist Aufpreis. Die Kasko ist vom Bonus-Malus der Haftpflicht getrennt, dort gelten die Regeln Ihres Versicherers.

Wechsel, Zweitauto und Familie

Ihre Stufe gehört Ihnen und geht beim Autowechsel und beim Versichererwechsel mit. Der neue Versicherer fragt sie über eine zentrale Evidenz des Versicherungsverbands ab.

Für ein Zweitauto beginnen Sie grundsätzlich in Stufe 9, manche Versicherer geben Bestandskunden bessere Stufen. Innerhalb der Familie lässt sich eine Stufe oft übernehmen, etwa von Eltern oder Ehepartnern, wenn deren Auto innerhalb der letzten zwölf Monate abgemeldet wurde.

Schritt für Schritt

  1. Ihre aktuelle Stufe in der Polizze oder der letzten Prämienvorschreibung nachsehen.
  2. Prüfen, welcher Beobachtungszeitraum in Ihrem Vertrag gilt.
  3. Vor einer Schadenmeldung die Mehrprämie der nächsten Jahre grob ausrechnen.
  4. Beim Wechsel darauf achten, dass die Stufe richtig übernommen wird.
  5. Beim Zweitauto oder beim ersten Auto des Kindes nach einer Übernahme in der Familie fragen.

Checkliste

  • Aktuelle Stufe bekannt
  • Prämie ohne Steuer verglichen
  • Möglichkeit, Kleinschäden selbst zu zahlen, geklärt
  • Freischaden nur, wenn der Aufpreis sich rechnet
  • Übernahme einer Familienstufe innerhalb von zwölf Monaten genutzt

Häufige Fehler

  • Deutsche SF-Klassen mit österreichischen Stufen gleichsetzen
  • Jeden Kleinschaden melden, ohne die drei Stufen durchzurechnen
  • Ein abgemeldetes Familienauto zu lange stehen lassen und die Übernahme verpassen
  • Annehmen, die Kasko folge automatisch der Haftpflichtstufe

Fragen und Antworten

Häufig gefragt

Gibt es in Österreich SF-Klassen?

Nein. SF-Klassen gibt es in Deutschland. In Österreich gibt es Bonus-Malus-Stufen von 0 bis 17.

In welcher Stufe beginne ich?

In Stufe 9, wenn Sie zum ersten Mal ein Auto anmelden oder seit mehr als zwölf Monaten keines hatten.

Ist das Bonus-Malus-System Pflicht?

Gesetzlich nicht mehr. Die meisten Versicherer verwenden es aber weiter, teils mit eigenen Stufen und Prozentsätzen.

Kann ich meine deutsche SF-Klasse mitnehmen?

Einen Anspruch darauf gibt es nicht. Viele Versicherer rechnen einen Nachweis über schadenfreie Jahre aber an. Fragen Sie vor Abschluss nach.

Zählt ein Unfall ohne mein Verschulden?

Nein. Zurückgestuft wird nur, wenn Ihr Haftpflichtversicherer für einen von Ihnen verursachten Schaden zahlt.

Kann ich einen Schaden selbst zahlen?

Bei vielen Versicherern ja, wenn Sie ihm die Zahlung erstatten. Dann bleibt die Stufe unverändert. Fragen Sie nach der Frist.

Quellen

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