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Zahlt die Unfallversicherung in Österreich bei einem Badeunfall?

Kurz gesagt

Zahlt die Unfallversicherung in Österreich bei einem Badeunfall? Meist ja, etwa nach einem Kopfsprung ins seichte Wasser. Eine eigene Regel zum Ertrinken enthalten die Musterbedingungen AUVB 2022 nicht, einige Tarife nennen Ertrinken aber ausdrücklich als Unfall. Ausgeschlossen sind Unfälle durch eine Bewusstseinsstörung infolge von Alkohol, Suchtgift oder Medikamenten.

Zahlt die Unfallversicherung in Österreich bei einem Badeunfall?

Was es kostet

Prämien für private Unfallversicherungen in Österreich, nach veröffentlichten Beispielen, Stand 2026.

BeispielRichtwert
32 Jahre, angestellt, ohne riskante Hobbysetwa 170 bis 220 Euro im Jahr
42 Jahre, selbständig, riskante Sportartenetwa 350 bis 450 Euro im Jahr
63 Jahre, Bürotätigkeitetwa 300 bis 350 Euro im Jahr
Familie mit zwei Kindernetwa 650 bis 750 Euro im Jahr

Stand November 2026, aus veröffentlichten Prämienbeispielen eines Vergleichsportals ohne

Datumsangabe.

Die Regeln zu Unfallbegriff, Ausschlüssen und Todesfall stammen aus den Musterbedingungen AUVB

2022,

die Promillegrenzen und die Ertrinkensklauseln aus veröffentlichten Bedingungen einzelner

Versicherer; Ihre Polizze kann abweichen.

Die Summen im Rechenbeispiel sind ein Richtwert aus der Angebotspraxis.

Das passende Angebot holen wir ein.

Rechenbeispiel

Kopfsprung in den Badesee, Halswirbel verletzt, Bewegung dauerhaft eingeschränkt

So rechnet ein Vertrag mit 200.000 Euro Versicherungssumme ohne Progression, wenn der Gutachter 40 Prozent dauernde Invalidität feststellt und keine Krankheit mitgewirkt hat.

Versicherungssumme dauernde Invalidität200.000 Euro
Festgestellte Invalidität40 Prozent
Leistung (40 Prozent von 200.000 Euro)80.000 Euro
Leistung bei 1,5 Promille, Bewusstseinsstörung nachgewiesen0 Euro

Der nüchterne Kopfsprung ist ein versicherter Unfall und bringt 80.000 Euro. War der Schwimmer wesentlich durch Alkohol beeinträchtigt, zahlt das Muster nichts; mit fester Promillegrenze im Tarif kann das anders ausgehen.

Wann ein Badeunfall ein Unfall im Sinne der Polizze ist

Nach den Musterbedingungen AUVB 2022 des Versicherungsverbands liegt ein Unfall vor, wenn ein plötzlich von außen auf Ihren Körper wirkendes Ereignis Ihre Gesundheit unfreiwillig schädigt. Der Kopfsprung auf den Grund, das Ausrutschen auf dem nassen Steg oder der Zusammenstoß mit einem Boot erfüllen das ohne Zweifel.

Krankheiten gelten ausdrücklich nicht als Unfälle. Das ist beim Baden der heikle Punkt, weil viele Todesfälle im Wasser mit einem Kreislaufproblem beginnen und nicht mit einem Stoß von außen.

SituationNach AUVB 2022Hinweis
Kopfsprung ins seichte Wasser, Halswirbel gebrochenversichertEreignis von außen
Sturz auf dem nassen BadestegversichertEreignis von außen
Ertrinken ohne erkennbaren Auslöserhängt am TarifMuster ohne eigene Regel, manche Polizzen nennen Ertrinken als Unfall
Ertrinken nach starkem AlkoholkonsumausgeschlossenArtikel 4 Punkt 7
Herzinfarkt beim Schwimmen ohne Verletzungkein UnfallKrankheit
Unfall infolge HerzinfarktmitversichertArtikel 3 Punkt 3, Kürzung bei mitwirkender Krankheit möglich

Ertrinken: in der Polizze nachlesen

Anders als die deutschen Musterbedingungen enthalten die AUVB 2022 keine Klausel, die Ertrinken oder Ersticken unter Wasser eigens zum Unfall erklärt. Einige österreichische Tarife ergänzen das. Ein Versicherer zählt Ertrinken und den Erfrierungstod ausdrücklich zu den Ereignissen, die als Unfall gelten, ein anderer nennt in einer Besonderen Bedingung Ertrinken, Ersticken und Erfrieren.

Für Schwimmer, Segler und Taucher ist diese Zeile in der Polizze wichtiger als der Preis. Fehlt sie, kann nach einem Ertrinken ohne sichtbare Verletzung Streit darüber entstehen, ob überhaupt ein Ereignis von außen vorlag.

Alkohol und Promillegrenzen

Nach Artikel 4 Punkt 7 der Musterbedingungen sind Unfälle ausgeschlossen, die Sie infolge einer Bewusstseinsstörung oder einer wesentlichen Beeinträchtigung Ihrer psychischen Leistungsfähigkeit durch Alkohol, Suchtgifte oder Medikamente erleiden. Wer nach dem Seefest betrunken ins Wasser springt, riskiert die ganze Leistung.

Manche Tarife legen feste Grenzen fest. In einer veröffentlichten Besonderen Bedingung gilt die Beeinträchtigung bei sonstigen Tätigkeiten erst ab 2,0 Promille als gegeben, beim Steuern eines Motorboots schon ab 1,1 Promille. Ein Glas Wein am Badeplatz kostet den Schutz also nicht automatisch.

Herzinfarkt und Kreislauf im Wasser

Ein Herzinfarkt ist eine Krankheit und kein Unfall. Die AUVB 2022 erklären aber Unfälle infolge von Herzinfarkt und Schlaganfall ausdrücklich für mitversichert. Das ist günstiger als das deutsche Muster, das Unfälle durch Bewusstseinsstörungen aus gesundheitlichen Gründen ausschließt.

Zwei Grenzen bleiben: Der Infarkt selbst wird nie bezahlt, und haben Krankheiten an der Gesundheitsschädigung mitgewirkt, kürzt der Versicherer die Leistung ab dem vereinbarten Mitwirkungsanteil (Artikel 3 Punkt 2). Ob ein Ertrinken nach einem Infarkt als Unfall zählt, hängt wieder daran, ob Ihre Polizze Ertrinken als Unfall nennt.

Was die Familie im Todesfall bekommt

Ist eine Todesfallsumme versichert, zahlt der Versicherer sie, wenn die versicherte Person binnen eines Jahres nach dem Unfall an dessen Folgen stirbt. Für Kinder unter 15 Jahren ersetzt das Muster nur die tatsächlichen Beerdigungskosten bis zu dem Betrag, den die Finanzmarktaufsicht dafür per Verordnung festlegt.

Ein Unfall ist dem Versicherer nach dem Muster unverzüglich, spätestens binnen einer Woche, in geschriebener Form zu melden. Ein Todesfall ist zusätzlich in der Frist zu melden, die Ihre Polizze nennt, auch wenn der Unfall schon gemeldet ist.

AUVA und Freizeit

Die gesetzliche Unfallversicherung deckt nach § 175 ASVG Arbeitsunfälle und bestimmte Wege, etwa den Weg zur Arbeit. Der Sprung in den Badesee am Wochenende oder im Urlaub gehört nicht dazu. Für den Badeunfall in der Freizeit bleibt nur die private Unfallversicherung.

Badeunfälle sind in Österreich kein Randthema: 2024 ertranken laut Kuratorium für Verkehrssicherheit 39 Menschen, je nach Sommer sind es zwischen 22 und 47 im Jahr.

Schritt für Schritt

  1. Rettung rufen und die Verletzung sofort ärztlich behandeln lassen.
  2. Hergang, Ort, Wassertiefe und Zeugen aufschreiben.
  3. Den Unfall dem Versicherer unverzüglich, spätestens binnen einer Woche, in geschriebener Form melden.
  4. Rettungsprotokoll, Spitalsbefund und Polizeibericht sammeln.
  5. Im Todesfall auch den Tod in der Frist der Polizze melden, selbst wenn der Unfall schon gemeldet ist.
  6. Eine Ablehnung wegen Alkohol oder Krankheit mit dem Wortlaut der Polizze und den Befunden prüfen.

Checkliste

  • Ertrinken und Ersticken in der Polizze ausdrücklich als Unfall genannt
  • Feste Promillegrenze statt allgemeiner Alkoholklausel
  • Unfälle infolge Herzinfarkt und Schlaganfall eingeschlossen
  • Mitwirkungsanteil bekannt
  • Todesfallsumme passend zur Familie
  • Versicherungssumme ausreichend für schwere Verletzungen

Häufige Fehler

  • Annehmen, Ertrinken sei in jeder Polizze ein Unfall
  • Den Badeunfall nicht melden, weil man an einen Ausschluss glaubt
  • Die Meldefrist von einer Woche versäumen
  • Glauben, die AUVA zahle in der Freizeit

Fragen und Antworten

Häufig gefragt

Zahlt die Unfallversicherung, wenn jemand ertrinkt?

Wenn eine Todesfallsumme versichert ist und Ihre Polizze Ertrinken als Unfall nennt, ja.

Die Musterbedingungen AUVB 2022 regeln das Ertrinken nicht eigens,

deshalb kommt es auf Ihren Tarif an.

Bin ich nach Alkohol beim Baden versichert?

Nach dem Muster nicht,

wenn der Alkohol eine Bewusstseinsstörung oder wesentliche Beeinträchtigung verursacht hat.

Manche Tarife nennen feste Grenzen, etwa 2,0 Promille bei sonstigen Tätigkeiten.

Zahlt die Unfallversicherung bei einem Herzinfarkt im Wasser?

Für den Infarkt nicht.

Unfälle infolge Herzinfarkt sind nach den AUVB 2022 mitversichert,

die Leistung kann aber wegen mitwirkender Krankheit gekürzt werden.

Ist ein Kopfsprung ins seichte Wasser versichert?

Ja.

Der Aufprall auf den Grund ist ein Ereignis von außen.

Einen Ausschluss für Leichtsinn kennen die Musterbedingungen nicht.

Zahlt die AUVA bei einem Badeunfall?

Nur, wenn er als Arbeitsunfall gilt, etwa bei einem Rettungsschwimmer im Dienst.

In der Freizeit zahlt sie nicht.

Wie schnell muss ich den Badeunfall melden?

Nach dem Muster unverzüglich, spätestens binnen einer Woche, in geschriebener Form.

Einen Todesfall melden Sie zusätzlich in der Frist Ihrer Polizze.

Quellen

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