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Versicherungsmakler / Versicherungsfragen / Eigenheim

Ist ein Fertigteilhaus in Österreich teurer zu versichern?

Kurz gesagt

Ein Fertigteilhaus ist in Österreich nicht automatisch teurer zu versichern. Entscheidend sind Bauart und Dachung: Ein massives Fertigteilhaus mit harter Dachung zählt als Massivbau. In einer AK-Erhebung kostete ein solches Haus mit 130 Quadratmetern in Wien samt Haushalt 478 bis 897 Euro im Jahr. Holz- und Mischbau kann bei manchen Versicherern mehr kosten.

Ist ein Fertigteilhaus in Österreich teurer zu versichern?

Was es kostet

Öffentlich dokumentierte Prämien und Tarifsätze für Österreich.

BeispielRichtwert
Massives Fertigteilhaus, 130 m², Wien, Eigenheim und Haushalt, ohne Selbstbehalt (2020)477,57 bis 896,93 Euro im Jahr
Dasselbe Haus mit 100 bis 300 Euro Selbstbehalt (2020)431,48 bis 719,12 Euro im Jahr
Ersparnis durch den Selbstbehalt in dieser Erhebung8,68 bis 22,27 Prozent
Historischer Feuertarif Vorarlberg, massiv gegen Holz- oder Mischbau0,8 gegen 2,4 Promille

Erhebungswerte aus 2020 samt Versicherungssteuer,

seither durch die jährliche Wertanpassung gestiegen.

Die Promillesätze stammen aus einer historischen parlamentarischen Anfrage und sind keine heutigen

Tarife.

Ihre Prämie hängt von Bauart, Dachung, Lage und Umfang ab; das genaue Angebot holen wir ein.

Rechenbeispiel

Massives Fertigteilhaus in Wien, 130 m² verbaute Fläche

So weit lagen die Angebote in der AK-Erhebung auseinander, obwohl Haus und Umfang vorgegeben waren. Auch die Versicherungssumme setzten die Versicherer unterschiedlich an, zwischen 335.399 und 546.000 Euro.

Günstigstes Angebot ohne Selbstbehalt477,57 Euro
Teuerstes Angebot ohne Selbstbehalt896,93 Euro
Unterschied419,36 Euro im Jahr
Günstigstes Angebot mit Selbstbehalt431,48 Euro

Bei gleicher Bauart machte allein die Wahl des Anbieters über 400 Euro im Jahr aus. Die richtige Bauart-Angabe und der Vergleich mehrerer Angebote wiegen deshalb schwerer als die Frage, ob das Haus vorgefertigt ist.

Bauart und Dachung statt Fertighausgruppen

In Deutschland teilen viele Versicherer Fertighäuser in eigene Fertighausgruppen ein. In österreichischen Anträgen werden stattdessen die Bauart des Hauses und die Dachung abgefragt. Eine veröffentlichte Zielmarktbeschreibung eines österreichischen Eigenheimtarifs nennt Bauart, Dachtyp und Dachung ausdrücklich unter den Merkmalen, nach denen die Prämie abgestuft wird.

Für die Einstufung zählt also, woraus Wände, Decken und Dach bestehen. Die Vorfertigung selbst steht in dieser Aufzählung nicht. Ein Fertigteilhaus aus Ziegel- oder Betonelementen mit Ziegeldach ist damit ein Massivbau.

BauweiseTypisches BeispielWirkung auf die Prämie
Massivbau, harte DachungFertigteilhaus aus Ziegel- oder Betonelementen mit ZiegeldachEinstufung wie ein gemauertes Haus
Holzriegel- oder Holzrahmenbau, harte Dachungverputztes Fertigteilhaus mit Holzständerwändenje nach Versicherer gleich oder mit Aufschlag
Weiche DachungHolzschindeln, Schilf oder Stroheigene, höhere Einstufung

Was die Zahlen zeigen

Die Arbeiterkammer Wien ließ über einen Versicherungsmakler Angebote für ein massives Fertigteilhaus in Wien einholen: Baujahr 2009, 130 Quadratmeter verbaute Fläche mit Keller, angebaute Garage, harte Dachung. Die kombinierte Eigenheim- und Haushaltsversicherung kostete ohne Selbstbehalt 477,57 bis 896,93 Euro im Jahr, mit Selbstbehalt 431,48 bis 719,12 Euro, jeweils samt Versicherungssteuer.

Schon bei gleicher massiver Bauweise lagen also fast 420 Euro zwischen dem günstigsten und dem teuersten Angebot. Die Erhebung stammt aus 2020. Verträge mit Wertanpassung folgen jährlich dem Baukostenindex, die Prämien liegen heute deshalb höher.

Holzbau: früher deutlich teurer, heute Einzelfrage

Eine parlamentarische Anfrage aus der XVII. Gesetzgebungsperiode kritisierte, dass die damaligen Feuertarife Holzbauten stark benachteiligten. In Vorarlberg galten 0,8 Promille für massive und 2,4 Promille für gemischte oder Holzbauweise, in Wien 0,14 gegenüber 1,2 Promille.

Heute kalkuliert jeder Versicherer selbst, und die AK-Erhebung zeigt, wie weit die Angebote auseinanderliegen. Öffentlich zugängliche Aufschlagsätze für Holzriegelbau haben wir nicht gefunden. Bei einem Holzfertigteilhaus lohnt es sich deshalb besonders, mehrere Angebote einzuholen.

Die Bauart richtig angeben

Nach § 16 VersVG müssen Sie beim Abschluss alle Ihnen bekannten Umstände angeben, die für den Versicherer erheblich sind. Fragt er ausdrücklich und schriftlich danach, gilt ein Umstand im Zweifel als erheblich. Geben Sie ein Holzriegelhaus als Massivbau an, kann der Versicherer vom Vertrag zurücktreten.

Tritt er erst nach einem Schaden zurück, muss er nach § 21 VersVG trotzdem leisten, soweit die falsche Angabe weder den Eintritt noch den Umfang des Schadens beeinflusst hat. Bei einem Brand ist die Bauart aber gerade der entscheidende Umstand. Legen Sie die Baubeschreibung bei und lassen Sie die Einstufung in der Polizze festhalten.

Wann der Unterschied kaum zählt

Ein Fertigteilhaus in Massivbauweise mit harter Dachung müssen Sie im Antrag nicht anders behandeln als ein gemauertes Haus. Sie brauchen dafür keinen Spezialtarif.

Mehr Aufwand lohnt sich bei Holzriegelbau und bei weicher Dachung. Dort kann die Bauart-Angabe entscheiden, welcher Tarif passt. Als Makler fragen wir bei mehreren Versicherern an und legen die Baubeschreibung gleich mit vor.

Schritt für Schritt

  1. Baubeschreibung und Einreichplan heraussuchen: Wände, Decken, Fassade, Dach.
  2. Bauart (massiv, Misch- oder Holzbau) und Dachung (hart oder weich) daraus bestimmen.
  3. Im Antrag genau so angeben und die Baubeschreibung beilegen.
  4. Verbaute Fläche und Geschoße exakt eintragen, sonst droht Unterversicherung.
  5. Mehrere Angebote mit gleichem Umfang vergleichen lassen.

Checkliste

  • Bauart laut Baubeschreibung angegeben
  • Dachung hart oder weich korrekt eingetragen
  • Einstufung in der Polizze schriftlich festgehalten
  • Unterversicherungsverzicht und Wertanpassung vereinbart
  • Garage und Nebengebäude mitversichert

Häufige Fehler

  • Einen Holzriegelbau als Massivbau angeben, um Prämie zu sparen
  • Nur ein Angebot einholen, obwohl die Spanne zwischen den Anbietern groß ist
  • Nach einer neuen Holzfassade oder Dacheindeckung die Änderung nicht melden
  • Den Kaufpreis des Fertighauses als Versicherungssumme nehmen statt den Neubauwert samt Keller und Garage

Fragen und Antworten

Häufig gefragt

Woran erkenne ich die Bauart meines Fertigteilhauses?

An der Baubeschreibung des Herstellers oder am Einreichplan.

Dort stehen Wandaufbau, Fassade und Dach.

Fehlen die Unterlagen, hilft der Hersteller oder das Bauamt Ihrer Gemeinde.

Ist ein Holzhaus in Österreich teurer zu versichern?

Es kann teurer sein, weil Versicherer die Bauart in die Prämie einrechnen.

Wie hoch der Aufschlag ist, veröffentlichen sie nicht.

Mehrere Angebote zeigen, wo Ihr Haus günstig liegt.

Zahlt die Versicherung bei einem Fertigteilhaus im Schaden weniger?

Nein, wenn Bauart und Fläche richtig angegeben sind.

Dann gilt derselbe Neuwertersatz wie bei einem gemauerten Haus.

Was passiert, wenn die Bauart im Antrag falsch ist?

Der Versicherer kann nach § 16 VersVG zurücktreten.

Nach einem Schaden muss er nur leisten,

soweit die falsche Angabe den Schaden nicht beeinflusst hat (§ 21 VersVG).

Gelten die deutschen Fertighausgruppen auch in Österreich?

Die Fertighausgruppen 1 bis 3 stammen aus deutschen Tarifen.

In österreichischen Anträgen werden Bauart und Dachung abgefragt; welche Stufen es gibt,

legt jeder Versicherer selbst fest.

Quellen

NAMMERT Versicherungsmakler

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