Magazin / Magazin: Boot und Saison
Quicksilver Activ Cabin 455 im Versicherungs-Check: was in die Polizze gehört
Teil 1 der Reihe für Österreich: Wir sind die Quicksilver Activ Cabin 455 nicht gefahren. Wir schauen nur darauf, was für dieses kleine Kajütboot in der Polizze stehen muss.
30. Oktober 20266 min LesezeitNAMMERT Assekuradeur GmbH
Diese Reihe nimmt sich in vier Teilen ein einziges Boot vor: die Quicksilver Activ Cabin 455, ein kleines Motorboot mit Kajüte, laut unseren Stammdaten etwa 4,4 Meter lang. So ein Boot kommt auf dem Trailer ans Wasser, an einen Kärntner See, an die Donau oder über den Karawankentunnel an die Adria. Das Vorbild sind Bootstests in mehreren Folgen, wie sie Fachzeitschriften bringen. Der Unterschied gehört an den Anfang: Wir sind mit diesem Boot nicht gefahren, keinen Meter. Das ist kein Fahrtest, und über Fahrverhalten, Verarbeitung oder Qualität sagen wir nichts. Wir machen einen Versicherungs-Check und schauen nur darauf, was in der Polizze für dieses Boot stehen muss. Die Activ Cabin 455 ist in unserem Bestand vertreten, deshalb ist sie Teil dieser Reihe.
Am Anfang steht der Name. In den Papieren, die uns erreichen, heißt das Modell Activ Cabin 455 oder Activ 455 Cabin; daneben gibt es die offene Ausführung ohne Kajüte, die als Activ Open 455 oder Activ 455 Open auftaucht. Für die Polizze ist das keine Kleinigkeit. Die Unfallversicherung bezieht sich ausdrücklich auf das im Versicherungsschein bezeichnete Wassersport-Fahrzeug (A-1.2 AVB Unfall), und nach einem Schaden wird verglichen, was dort steht, mit dem Boot, das am Steg liegt. Übernehmen Sie daher die Bezeichnung aus Kaufvertrag oder Rechnung, schreiben Sie dazu, ob Kajüte oder offen, und geben Sie die Rumpfnummer an. Sie trennt zwei Boote mit gleichem Namen zuverlässig voneinander.
Beim Motor ist ein Boot dieser Größe fast immer mit einem Außenborder unterwegs, und genau da trennen die Bedingungen scharf. Ein fest eingebauter Motor zählt nach A-1.1 der Kaskobedingungen zu den maschinellen Einrichtungen und ist mit dem Boot versichert. Der Außenborder dagegen ist nach A-1.3 c nur dann versichert, wenn er beantragt ist und mit eigener Versicherungssumme im Versicherungsschein steht. Ab Basis-Plus kommt dazu: Ohne Sicherungsbolzen oder vergleichbare Diebstahlsicherung, und ohne Abstellen in einem versperrten Gebäude, gibt es für Schäden am Außenborder keinen Ersatz (A-6.7, im Premium A-6.5). Hersteller, Leistung und Seriennummer gehören deshalb vollständig in den Antrag, und der Bolzen auf den Motor, bevor das Boot die erste Nacht am Platz verbringt.
Dann die Frage, wer am Steuer stehen darf. In der Haftpflicht darf nur ein berechtigter Führer das Boot gebrauchen, und nur mit der erforderlichen behördlichen Erlaubnis (A-5 AVB Haftpflicht). In der Kasko gibt es keinen Ersatz, wenn eine nicht qualifizierte Person ohne das amtlich vorgeschriebene Dokument gefahren ist (A-6.2 b, in der Basis A-5.2 b). Die Bedingungen sagen Führerschein, in Österreich ist das je nach Gewässer und Motorleistung das Patent. Ob auf einem bestimmten See ein Boot mit Verbrennungsmotor überhaupt fahren darf, regelt auf vielen heimischen Seen das Landesrecht. Wer später einen stärkeren Außenborder montiert, ändert womöglich die Patentfrage und das Risiko zugleich. Die Pflichten nach einem Schaden gelten nach B-3.2.8 auch für Freunde, denen Sie das Boot borgen.
Das Fahrtgebiet verdient bei einem Trailerboot einen zweiten Blick. Vom Wörthersee an die Adria ist es eine halbe Tagesreise, und dann gilt, was in der Polizze steht. Die Kaskobedingungen kennen fünf Fahrtgebiete, von den EU-Binnengewässern, zu denen alle Binnengewässer innerhalb der geografischen Grenzen Europas zählen, über Nordsee, Ostsee und Mittelmeer bis weltweit (A-2.2, in der Basis A-2.3). Wer nur Binnengewässer vereinbart hat, ist in Istrien oder vor Lignano außerhalb des Vertrags. In der Basis gibt es Schutz über das Fahrtgebiet hinaus nur nach vorheriger ausdrücklicher Vereinbarung (A-2.2), im Premium ist eine kurzfristige Erweiterung für höchstens sechs Wochen im Versicherungsjahr eingeschlossen (A-2.1.1). Trailer, Slip und Ausland behandelt der vierte Teil dieser Reihe.
Bleibt die Wahl des Tarifs, und sie entscheidet mehr als die Prämie. Die Kasko Basis versichert Naturgewalten wie Sturm ab Windstärke 8, Hagel, Blitzschlag und Erdbeben, dazu Brand und Explosion und den Diebstahl des ganzen Fahrzeugs (A-3.1). Einen Unfall, also Grundberührung, Kollision oder Sinken als Folge davon, kennt sie nicht. Der kommt erst ab Basis-Plus (A-3.1.1), gemeinsam mit Einbruchdiebstahl, dem Diebstahl verbundener Teile und Vandalismus (A-3.1.4). Für ein kleines Motorboot, das in seichten Buchten, an Badeplätzen und an Slipanlagen unterwegs ist, ist das der Unterschied im Alltag. Auch der Versicherungswert hängt am Tarif, Zeitwert in der Basis, feste Taxe ab Basis-Plus; darum geht es im zweiten Teil, um die typischen Schäden im dritten.
Zum Schluss ein Blick darauf, wer an Bord in der Unfallversicherung mitversichert ist. In der Basis ist das nur der Eigner, in Basis-Plus zusätzlich seine Familienmitglieder ersten Grades, erst im Premium alle berechtigten Insassen, also auch Freunde und Gäste (A-1.1 AVB Unfall). Die Versicherungssumme wird durch die Zahl der Personen geteilt, die beim Unfall im Boot sind. Der Schutz gilt weltweit im Zusammenhang mit dem Gebrauch des Boots (A-1.2), nicht rund um die Uhr und nicht für jeden Landgang. Ein Boot dieser Größe ist mit drei, vier Leuten schnell voll; wer so hinausfährt, klärt das vor der Saison.
Versicherungs-CheckTeil 1 von 4
Quicksilver Activ Cabin 455 im Versicherungs-Check für Österreich
Alle Teile im Überblick
- Quicksilver Activ Cabin 455 im Versicherungs-Check (Vertrag)
- Quicksilver Activ Cabin 455 im Versicherungs-Check (Wert)
- Quicksilver Activ Cabin 455 im Versicherungs-Check (Schäden)
- Quicksilver Activ Cabin 455 im Versicherungs-Check (Unterwegs)
- Bei der Abschlepperin am Wörthersee
- Bei der Sattlerin am Steg
Zum Abhaken
Häufige Fragen
Ist das ein Fahrtest der Quicksilver Activ Cabin 455?
Nein. Wir sind mit dem Boot nicht gefahren und sagen nichts über Fahrverhalten, Verarbeitung oder Qualität. Die Reihe zeigt nur, was in der Polizze stehen sollte und was die Bedingungen zu diesem Motorboot sagen.
In der Rechnung steht Activ 455 Open, ich habe aber die Kajütversion. Was nun?
Lassen Sie die Bezeichnung richtigstellen und geben Sie die Rumpfnummer an. Kajüt- und offene Ausführung sind verschiedene Boote, und nach einem Schaden wird verglichen, was in der Polizze steht, mit dem Boot am Steg.
Ist mein Außenborder automatisch in der Kasko?
Nein, nur wenn er beantragt ist und mit eigener Versicherungssumme im Versicherungsschein steht (A-1.3 c). Ab Basis-Plus muss er außerdem mit Sicherungsbolzen oder vergleichbarer Diebstahlsicherung gesichert oder in einem versperrten Gebäude abgestellt sein.
Dazu passt