Magazin / Bordfunk · Folge 22
Am Steg mit der Tauchlehrerin: wer zahlt, was über Bord geht
Ein klarer Morgen am Attersee, eine Tauchlehrerin im Neopren und ein Handy, das beim Anlegen ins Wasser gefallen ist. Warum die Polizze das Handy kennt und trotzdem nicht zahlt, und wer die Taucherin am Steg bezahlt.
04. Oktober 20267 minNAMMERT Assekuradeur GmbH
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Theo: Moin! Ich bin Theo von Nammert, und ich steh hier gerade auf einem Holzsteg am Attersee. In Österreich. Das Wasser ist so klar, ich seh bis auf den Grund. Und es ist kalt. Heute bin ich bei einer Tauchlehrerin.
Theo: Hallo? Leni?
Leni: Servus! Da herunten. Moment, i krieg den Reißverschluss ned zu.
Theo: Soll ich helfen?
Leni: Na, na. So. Passt. Grüß dich.
Theo: Sag mal kurz, wer du bist.
Leni: Leni. Tauchlehrerin. Seit... mei, lang. Im Sommer Kurse. Und dazwischen hol i Sachen raus.
Theo: Sachen?
Leni: Ja, Sachen. Was halt so reinfallt.
Theo: Was fällt denn so rein?
Leni: Alles. Sonnenbrillen. Autoschlüssel. Handys, ganz viel Handys. Einmal a Gebiss.
Theo: Moment. Ein Gebiss?
Leni: Ja. Der war a bissl peinlich berührt. Hat beim Abholen kaum was gsagt.
Theo: Und was holst du heute raus?
Leni: A Handy. Gestern Abend, a Herr beim Anlegen. Leine in der einen Hand, Handy in der andern. Und dann... plopp.
Theo: Plopp.
Leni: Plopp. Liegt jetzt da unten, so vier Meter. Der hat in der Nacht no dreimal angrufen, ob i's schon hab.
Theo: Und wie findet man so ein Handy, mitten im See?
Leni: Mit de Augen. Und mit Geduld. Und wenn mir einer sagt, wo genau er gstanden is. Der da wusst nur: bei der Leiter.
Theo: Moment, wie hat er dich denn angerufen, sein Handy liegt doch da unt...
Leni: Vom Handy von seiner Frau. Ned so schlau, gell?
Leni: Und weißt, was der als Erstes gfragt hat? Ob des die Versicherung zahlt. Weil des is ja vom Boot runtergfallen.
Theo: Und? Was hast du gesagt?
Leni: I hab gsagt, i bin Taucherin, ned Versicherung. Aber du bist doch Versicherung, oder?
Theo: Na ja. Ich bin der, der's nachliest.
Leni: Dann lies.
Theo: Okay. Also. Handy, Brille, Laptop, das sind persönliche Sachen. Und die sind in zwei von unseren drei Tarifen tatsächlich mitversichert.
Leni: Na also. Dann sag i's ihm glei.
Theo: Warte, warte. Da kommt noch was. Bei den Ausschlüssen steht: Verlieren oder Überbordfallen von losen Gegenständen aller Art. Und das steht in allen drei Tarifen.
Leni: Aller Art.
Theo: Aller Art.
Leni: Also des Handy is versichert. Aber ned, wenn's reinfallt.
Theo: Wenn es einfach so über Bord geht, nein. Lose ist lose.
Leni: Na servus. Des wird a lustiges Gespräch heut Mittag.
Leni: So. I geh jetzt nunter. Hältst mal die Leine?
Theo: Die... ja. Die hier?
Leni: De rote. Ned die blaue. Die blaue is vom Boot.
Theo: Sie ist weg. Einfach rückwärts rein. Man sieht noch die Blasen. Und ich steh hier mit einer roten Leine und...
Theo: ...okay, ich mach mal schnell ein Foto für die Seite, so übers Wasser, das sieht bestimmt...
Theo: Woah! Nee, nee, nee. Hab's. Hab's noch. Das war knapp. Das wär jetzt echt... peinlich gewesen.
Theo: Ich steck das mal weg. Ganz tief weg. Innentasche. Reißverschluss zu.
Leni: Puh! Kalt is des!
Theo: Und? Hast du's?
Leni: Na. Aber schau.
Theo: Eine Sonnenbrille.
Leni: A Sonnenbrille. Die liegt da seit'm Sommer, schätz i. Magst?
Theo: Nee, danke.
Leni: Des Handy liegt weiter links, i hab's gsehn. Aber da is alles voller Schlamm. Glei no amal.
Theo: Was ist eigentlich ein schlechter Tag für dich?
Leni: Wenn einer an Ehering verliert. Und dann steht er da am Steg und schaut ins Wasser. Des is ned lustig.
Theo: Findest du den?
Leni: Meistens. Der See is aber groß, gell.
Theo: Sag mal, wenn du so was rausholst, wer zahlt eigentlich dich?
Leni: Der, der's verlorn hat. Wer sonst.
Theo: Und bei größeren Sachen?
Leni: Größer... Einmal an Außenborder. Im August. A Motorboot is beim Anlegen gscheit an den Steg gfahren. Zu schnell. Und hinten hat's den Motor runtergrissen.
Theo: Den ganzen Motor?
Leni: Den ganzen. Ganz schön tief. I hab zwei Tauchgäng braucht und an Hebesack.
Theo: Und die Rechnung, hat die dann...
Leni: Die hat er zahlt. Und er hat gsagt, die zahlt eh die Versicherung. Hat's?
Theo: Okay, das ist jetzt spannend. Der Unterschied zum Handy: Hier ist das Boot gegen den Steg gefahren. Das ist ein Unfall, eine Kollision, und die ist in Basis Plus und Premium versichert.
Leni: Aha.
Theo: Und wenn der Schaden versichert ist, zahlt die Kasko auch das, was man tut, um ihn kleiner zu machen. Also dich. Sogar dann, wenn du den Motor nicht gefunden hättest.
Leni: Echt? Auch wenn i nix find?
Theo: Auch dann. Es muss nur vernünftig gewesen sein, oder die Versicherung hat's so gesagt. Am besten also vorher kurz anrufen.
Leni: Na schau. Des hätt i ned denkt. Dann kann i ja glei teurer werden.
Theo: Das hab ich jetzt nicht gehört.
Theo: Aber, ein Haken. Zwei eigentlich. Der Außenborder muss überhaupt mitversichert sein, mit eigener Summe im Versicherungsschein.
Leni: Polizze. Bei uns heißt des Polizze.
Theo: Polizze. Und er muss mit einem Sicherungsbolzen gesichert gewesen sein. Oder einer vergleichbaren Diebstahlsicherung.
Leni: Gegen Diebe? Der is ja ned gstohln worden. Der is abgrissen.
Theo: Genau das ist der Punkt. Da steht nicht: bei Diebstahl. Da steht: kein Ersatz für Schäden am Außenborder, wenn er nicht so gesichert war. Schäden. Egal welche.
Leni: Oh. Der hatte keinen Bolzen. Des weiß i genau. I hab ihn ja in der Hand ghabt.
Theo: Siehst du.
Leni: Mit Bolzen wär er wahrscheinlich gar ned runtergfallen.
Funkgerät: Leni, Basis. Die Kursgruppe is da. Zehn Uhr. Kommen.
Leni: Jo, Ferdl. Zehn Minuten. I hol no des Handy.
Theo: Leni, letzte Frage. Was sagst du dem Herrn mit dem Handy?
Leni: Dass er's wiederkriegt. Wahrscheinlich kaputt. Und dass alles, was ned festgmacht is, am End dem See ghört.
Theo: Alles, was nicht festgemacht ist, gehört am Ende dem See. Das nehm ich mit. Danke dir, Leni!
Leni: Servus! Und gib ma die rote Leine her.
Theo: Ach so, ja. Hier.
Theo: Und weg ist sie. Das war der Bordfunk. Von Nammert. Ich bin Theo, und ich halt mein Handy jetzt mit beiden Händen fest. Morgen bin ich bei jemand Neuem. Tschüss!
Ein kalter, klarer Oktobermorgen am Attersee. Auf dem Steg einer Tauchbasis zieht Leni, Tauchlehrerin, den Neoprenanzug zu. Zwischen den Kursen holt sie aus dem See, was anderen über Bord gegangen ist: Sonnenbrillen, Autoschlüssel, ganz viele Handys. Heute ein Handy, das einem Bootsfahrer gestern beim Anlegen aus der Hand gefallen ist. Seine erste Frage an sie: Zahlt das die Versicherung? Theo will auf dem Steg wissen, wer zahlt, was über Bord geht.
Der erste Aha-Moment: Handy, Brille und Laptop sind als persönliche Sachen in Basis Plus und Premium tatsächlich mitversichert. Bei den Ausschlüssen steht aber in allen drei Kaskotarifen das Verlieren oder Überbordfallen von losen Gegenständen aller Art. Was einfach so über Bord geht, bleibt draußen.
Der zweite: Im August hat Leni einen ganzen Außenborder vom Grund geholt, nachdem ein Motorboot beim Anlegen zu schnell gegen den Steg gefahren war. Das ist ein Unfall, eine Kollision mit einem festen Gegenstand, und in Basis Plus und Premium versichert. Ist der Schaden versichert, ersetzt die Kasko auch, was zur Abwendung oder Minderung des Schadens getan wird, selbst wenn es erfolglos bleibt. Die Rechnung der Taucherin gehört dazu, wenn der Einsatz geboten war oder die Versicherung ihn veranlasst hat.
Der dritte: Der Außenborder muss mit eigener Summe im Versicherungsschein stehen. Und in Basis Plus und Premium gibt es keinen Ersatz für Schäden am Außenborder, wenn er nicht mit einem Sicherungsbolzen oder einer vergleichbaren Diebstahlsicherung gesichert war. Da steht Schäden, nicht nur Diebstahl. Lenis trockener Schluss: Alles, was nicht festgemacht ist, gehört am Ende dem See.
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