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Fremdstromkorrosion am Liegeplatz: woran Sie sie erkennen
Kurze Antwort
Der Schaden entsteht still, über Monate, und der Verursacher liegt oft zwei Stege weiter. Anoden, die eine Saison nicht überstehen, sind das erste und meist einzige Zeichen.
Fremdstromkorrosion ist der unauffälligste teure Schaden im Hafen. Sie entsteht, wenn über den Landanschluss ein Streustrom ins Wasser gelangt, meist durch einen Fehler an einem anderen Boot oder an der Steganlage selbst. Das eigene Boot wird dann zur Opferanode für die Nachbarschaft. Betroffen sind Welle, Propeller, Saildrive, Ruderanlage, Seeventile und Kielbolzen, also die Teile, an die im Wasser niemand herankommt. Die Marinas an der Donau, am Attersee und am Wörthersee sind heute durchgehend mit Landstrom ausgebaut, und wer sein Boot in Kroatien oder Italien liegen hat, findet dort dieselbe Anlage im Salzwasser, wo die Vorgänge schneller ablaufen.
Erkennbar ist der Vorgang an einem einzigen Zeichen: Die Opferanoden sind nach einer Saison verbraucht, manchmal nach wenigen Wochen. Wer das für normale Abnützung hält, verliert die Zeit, in der sich der Schaden noch aufhalten lässt. Das zweite Zeichen zeigt sich beim Auswassern, wenn Propeller oder Bronzeteile rosa schimmern oder porös wirken: Das ist Entzinkung, und die ist praktisch immer elektrolytisch. Ein Blick auf die Anoden der Nachbarboote hilft weiter, denn sind die dort unversehrt, während die eigenen weg sind, liegt die Ursache mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht am eigenen Boot.
Versicherungsrechtlich ist die Lage unbequem. Korrosion ist ein allmählicher Vorgang, und allmähliche Vorgänge zählen in den Kaskobedingungen regelmäßig zur Abnützung, die kein Vertrag trägt. Gestritten wird dann darüber, ob Verschleiß vorlag oder ein plötzlicher Einfluss von außen. Was hilft, ist die Dokumentation: Fotografieren Sie den Anodenzustand bei jedem Auswassern, notieren Sie das Datum, und melden Sie einen auffälligen Anodenverbrauch sofort dem Hafenmeister, damit die Anlage geprüft wird. Ein Galvanic Isolator oder ein Trenntrafo im Landanschluss kostet einen Bruchteil einer neuen Welle und ist Vorsorge, keine Leistung aus der Polizze.
Zum Merken
Über Monate
läuft der Vorgang unbemerkt
Zwei Stege weiter
sitzt oft die Ursache
Anoden, die eine Saison nicht überstehen, sind keine Abnützung, sondern eine Warnung.
Fragen und Antworten
Häufige Fragen
Wie schnell geht das?
Bei starkem Fremdstrom sind Anoden in wenigen Wochen verbraucht und Bronzeteile nach einer Saison entzinkt. Ohne Fremdstrom halten Anoden üblicherweise ein bis zwei Jahre, je nach Revier und Wasser.
Was schützt zuverlässig?
Ein Galvanic Isolator oder ein Trenntrafo im Landanschluss, dazu die regelmäßige Kontrolle der Anoden. Beides ist Vorsorge und deutlich billiger als der Ersatz von Welle und Ruderanlage.
Trägt die Kaskopolizze den Schaden?
Das hängt daran, ob sich ein plötzliches Ereignis feststellen lässt oder ob der Vorgang als Abnützung eingeordnet wird. Deshalb zählt die Dokumentation der Anoden mehr als jede spätere Schilderung.
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