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Leck und Wassereinbruch am Boot
Kurze Antwort
Sinkt ein Boot durch einen Unfall, ist das ab Basis Plus versichert. Bildet sich das Leck über Jahre an einer undichten Stelle, ist es Verschleiß. Die Grenze verläuft am Seeventil, und sie entscheidet die Fälle am Liegeplatz, bei denen niemand an Bord war.
Viele Boote sinken nicht auf dem Wasser, sondern am Liegeplatz, und oft ist niemand an Bord. Ob im Bootshaus am Wörthersee, am Bojenfeld im Attersee, an der Donau oder am Dauerplatz in Istrien: Es gibt keinen Zeugen, keinen Hergang und oft keine Stelle, die man nach dem Heben überhaupt noch findet. Übrig bleiben ein volles Boot und die Frage, warum das Wasser hereingekommen ist.
Die Antwort hängt an einem einzigen Wort. Ein Unfall lässt das Boot sinken, versichert ab Basis Plus: eine Grundberührung, ein Anstoß am Steg, ein abgerissener Durchbruch. Allmähliche Undichtigkeit dagegen ist Verschleiß: ein Seeventil, das seit Jahren tropft, eine mürbe Stopfbuchse, eine Schelle, die langsam nachgibt. Nicht die Wassermenge trennt die beiden Fälle voneinander, sondern die Geschwindigkeit, mit der das Wasser gekommen ist.
Praktisch heißt das: Schläuche unter der Wasserlinie doppelt schellen, Seeventile einmal im Jahr bewegen und den Handgriff notieren, einen Pfropfensatz am Ventil festbinden statt in der Backskiste verstauen, die Bilge trocken halten, damit neues Wasser überhaupt auffällt. Und beim Verlassen des Bootes die Seeventile schließen. In Österreich wiegt dieser letzte Handgriff besonders schwer, denn bei einem grob fahrlässig herbeigeführten Schaden ist der Versicherer nach österreichischem Versicherungsvertragsrecht grundsätzlich leistungsfrei. Unsere Bedingungen sehen stattdessen eine Kürzung nach der Schwere des Verschuldens vor. Ab Basis Plus verzichtet der Versicherer bis 25 Prozent, im Premium bis 50 Prozent der Versicherungssumme auf die Kürzung, außer bei Diebstahl, Alkohol oder Drogen.
Ein Leck im Boot finden: so gehen Sie vor
Steht Wasser in der Bilge, zuerst die Lenzpumpe laufen lassen und die Bodenbretter öffnen, dann von der tiefsten Stelle nach oben suchen. Die üblichen Verdächtigen sind Seeventile und ihre Schläuche, die Stopfbuchse der Welle, Log- und Echolotgeber, der Ruderkoker, die Kühlwasserleitung und die Toilette. Fühlen Sie mit der Hand an Schläuchen und Schellen entlang, oft ist eine Stelle nur feucht und tropft erst unter Fahrt.
An der Adria hilft ein alter Trick: Salzwasser in der Bilge kommt von außen, Süßwasser aus Tank, Leitungen oder Regen. Auf dem Attersee oder der Donau versagt dieser Test, denn dort ist alles Süßwasser. Dann helfen der Pegel im Wassertank, die Farbe des Wassers und ein Blick, ob die Bilge auch bei abgeschalteter Wasserpumpe weiter steigt.
Leck abdichten an Bord: Pfropfen, Kissen, Spachtel
Wer ein Leck an Bord abdichten muss, nimmt, was sofort greifbar ist. Für einen abgerissenen Schlauch oder ein gebrochenes Seeventil ist der kegelförmige Holzpfropfen gedacht, der mit einer Schnur direkt am Ventil hängt und mit dem Hammer hineingetrieben wird. Ein Riss im Rumpf lässt sich von innen mit Kissen, Handtüchern und einem Brett abstützen, ein Loch unter Wasser mit Unterwasserspachtel provisorisch schließen. Nehmen Sie Fahrt weg oder legen Sie das Boot so, dass die Stelle höher kommt und weniger Druck darauf steht.
Von außen hilft ein Lecksegel, eine Persenning oder ein Segel, das unter dem Rumpf über die Stelle gezogen wird. Der Wasserdruck presst es an und bremst den Zustrom. Das funktioniert nur, wenn die Crew die Handgriffe kennt, deshalb gehört das Thema in die Sicherheitseinweisung.
Leckabdichtung am Schiff: der Notbehelf ist keine Reparatur
Eine Leckabdichtung am Schiff mit Pfropfen und Spachtel hält bis in den Hafen, nicht bis zum Saisonende. Danach gehört das Boot aus dem Wasser und zu einer Werft, die die Ursache feststellt und fachgerecht repariert. Fotografieren Sie die Stelle, bevor etwas entfernt wird, heben Sie abgerissene Schläuche und gebrochene Teile auf und melden Sie den Schaden, bevor die Reparatur beginnt. Ob ein Ereignis dahintersteht oder allmählicher Verschleiß, lässt sich nur am erhaltenen Teil zeigen, und genau daran hängt die Entscheidung über den Schaden.
Seeventile: Material, Zustand und der jährliche Handgriff
Seeventile aus einfachem Messing verlieren im Wasser mit der Zeit ihr Zink. Das Metall wird porös, färbt sich rötlich und kann ohne Vorwarnung brechen. Unter der Wasserlinie gehören deshalb Ventile aus Bronze, aus entzinkungsbeständigem Messing oder aus geeignetem Kunststoff eingebaut. Sehen Sie sich bei jedem Landgang an, aus welchem Material Ihre Ventile sind; ist es unklar, fragt man die Werft.
Ein Seeventil, das jahrelang nicht bewegt wurde, sitzt im Ernstfall fest. Bewegen Sie jedes Ventil mindestens einmal im Jahr und am besten auch zwischendurch in der Saison, prüfen Sie Griff und Gewinde, und tauschen Sie Schläuche, die innen hart oder außen rissig sind. Am Liegeplatz in Kärnten wie in Istrien gilt dasselbe: Was man nicht erreicht, wird nicht gewartet, deshalb freien Zugang zu jedem Ventil schaffen.
Lenzpumpe an Bord: elektrisch, von Hand und mit Alarm
Eine elektrische Lenzpumpe mit Schwimmerschalter hält die Bilge trocken, solange Strom da ist. Am Liegeplatz braucht sie deshalb eine verlässliche Versorgung über Landstrom, Solarpaneel oder eine ausreichend große Batterie. Eine Handlenzpumpe gehört als zweite Pumpe dazu, bedienbar vom Cockpit aus, ohne dass jemand nach unten muss. Kein Pumpensystem ersetzt aber das Abdichten: Schon ein Loch von der Größe eines Seeventils unter der Wasserlinie bringt mehr Wasser herein, als eine übliche Bordpumpe dauerhaft schafft.
Ein Bilgealarm, der hörbar warnt oder eine Nachricht aufs Telefon schickt, meldet sich, bevor das Wasser die Bodenbretter erreicht. Ein einfacher Zähler, der jeden Pumpenlauf erfasst, verrät ein schleichendes Leck lange bevor es gefährlich wird. Läuft die Pumpe öfter als früher, ist das der Moment, die Stelle zu suchen.
Zum Merken
Plötzlich
ein Ereignis lässt das Boot volllaufen
Allmählich
ein Schlauch wird über Jahre mürbe
Zwischen beiden liegt kein Unterschied in der Wassermenge, sondern eine Zeitfrage, und sie entscheidet, wer den Schaden trägt.
Fragen und Antworten
Häufige Fragen
Zahlt die Kasko, wenn Wasser ins Boot kommt?
Es kommt auf die Ursache an. Steht ein Unfall dahinter, etwa eine Grundberührung oder ein Anstoß, ist das ab Basis Plus ein Schadenfall. Eine Stelle, die über Jahre undicht geworden ist, zählt als Verschleiß, und Verschleiß trägt kein Vertrag.
Mein Boot ist am Liegeplatz gesunken. Und jetzt?
Erst sichern, dann melden, dann dokumentieren. Fotos vom Zustand, das Datum der letzten Kontrolle, Rechnungen der zuletzt ausgeführten Arbeiten. Lässt sich ein Ereignis feststellen, ist die Sache klar; bleibt nur eine alte undichte Stelle, wird es zäh.
Was gilt bei einem offen gelassenen Seeventil?
Das ist der Musterfall grober Fahrlässigkeit. In Österreich ist der Versicherer bei grober Fahrlässigkeit grundsätzlich leistungsfrei, soweit die Polizze nichts anderes vorsieht. Unsere Bedingungen sehen eine Kürzung nach der Schwere des Verschuldens vor. Ab Basis Plus verzichtet der Versicherer bis 25 Prozent, im Premium bis 50 Prozent der Versicherungssumme auf die Kürzung, außer bei Diebstahl, Alkohol oder Drogen. Deshalb gehört das Schließen der Ventile zum Absperren des Bootes dazu.
Welche Stellen geben zuerst nach?
Seeventile und ihre Schläuche, die Stopfbuchse der Welle, Log- und Echolotgeber, der Cockpitablauf und die Toilettenzuleitung. Ein Schlauch, der innen verhärtet ist, hält lange und reißt dann plötzlich, und genau darüber wird im Gutachten gestritten.
Wie dichte ich ein Leck an Bord provisorisch ab?
Ein abgerissener Schlauch oder ein gebrochenes Seeventil wird mit einem Holzpfropfen verschlossen, ein Riss von innen mit Kissen und Brett abgestützt oder mit Unterwasserspachtel geschlossen. Von außen hilft ein Lecksegel. Danach direkt in den Hafen und aus dem Wasser.
Reicht eine elektrische Lenzpumpe am Liegeplatz?
Nur mit verlässlicher Stromversorgung und als Ergänzung zur Kontrolle. Ein Bilgealarm mit Nachricht aufs Telefon und ein Zähler für die Pumpenläufe zeigen, ob Wasser nachkommt, bevor die Batterie leer ist.
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Wo das bei uns geregelt ist
Oben unsere Antwort, hier die Ziffer im Wortlaut. Gehen beide auseinander, gilt das Bedingungswerk.
Dieselbe Sache trägt je Tarif nicht immer dieselbe Ziffer.
Alle Werke im Wortlaut: Verzeichnis der Klauseln.
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