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Blitzschlag und Überspannung am Boot
Kurze Antwort
Der teure Blitzschaden ist selten der Treffer in den Mast, sondern die Spannungsspitze aus einem Einschlag nebenan. Sie hinterlässt kein Loch, sondern tote Geräte, und deshalb hängt hier alles am Nachweis des Zusammenhangs.
Über den Seen im Salzkammergut und in Kärnten bauen sich Gewitter an Sommernachmittagen in einer halben Stunde auf, und der Mast einer am Steg liegenden Yacht ist dann der höchste Punkt weit und breit. Der direkte Treffer bleibt trotzdem der seltenere Fall. Häufiger ist die Spannungsspitze aus einem Einschlag in der Nachbarschaft, die über Rigg, Erdung oder das Landstromkabel in die Bordanlage wandert und dort alles mitnimmt, was Elektronik heißt: Plotter, Funk, Autopilot, Ladegerät, Motorsteuerung.
In der Kaskodeckung ist Blitzschlag als Naturgewalt ausdrücklich benannt. In der Basis steht zusätzlich ausdrücklich, dass auch Überspannungs-, Überstrom- und Kurzschlussschäden an elektrischen Einrichtungen und Geräten Blitzschlagschäden sein können. Der zweite Satz ist der wichtigere, weil Boote in der Praxis genau so kaputtgehen. Zwei Punkte gehören deshalb vor der Saison in der Polizze nachgelesen: ob eine Überspannung aus dem Hafennetz ohne Gewitter überhaupt gedeckt ist, und welcher Selbstbehalt gilt. Bei uns ist sie es nicht, denn unmittelbare Kurzschlussschäden sind Betriebsschäden und ausgeschlossen. Was Ihr Boot an Prämie kostet, rechnet der Rechner auf nammert.com; was im Schadenfall gilt, steht dagegen nur in Ihren Klauseln.
Nach einem Gewitter lohnt die Runde über alles, auch über das, was noch läuft. Vorgeschädigte Elektronik fällt oft erst Wochen später aus, und dann ist der Zusammenhang schwer zu belegen. Lassen Sie die Anlage nach einem Einschlag in der Nähe durchmessen und heben Sie das Prüfprotokoll auf. Was hierzulande zusätzlich hilft: Die österreichische Blitzortung ALDIS erfasst Zeitpunkt und Ort der Einschläge, ein Auszug daraus belegt das Ereignis unabhängig von Ihrer Schilderung. Dazu eine Geräteliste mit Type, Seriennummer und Kaufbeleg im Bordordner. Und melden Sie den Schaden ohne Verzug, das verlangt das österreichische Versicherungsvertragsrecht ebenso wie jede Polizze.
Blitzschutz an Bord: eine Ableitung vom Mast ins Wasser
Ein Boot lässt sich nicht so schützen wie ein Haus, aber man kann dem Blitz einen Weg anbieten. Der Grundgedanke ist eine leitende Verbindung vom Masttopp über den Mastfuß zum Kiel oder zu einer Erdungsplatte unter Wasser, möglichst kurz, möglichst gerade und mit ausreichendem Querschnitt. Bei Yachten mit Aluminiummast und Bleikiel ist ein Teil dieses Weges schon da, entscheidend sind dann die Verbindungen dazwischen.
Eine solche Ableitung soll verhindern, dass der Strom sich seinen Weg selbst sucht, etwa über Wanten, Borddurchlässe oder die Bordelektrik. Sie schützt aber die Elektronik nicht zuverlässig vor Spannungsspitzen. Wer nachrüsten möchte, lässt das von einem Bootselektriker planen, der Bootsbau und Elektrik kennt. Selbst gebaute Lösungen schaffen manchmal neue Probleme, etwa mit Korrosion am Unterwasserschiff.
Blitzeinschlag in die Segelyacht: Rumpf, Kiel und Kompass
Nach einem direkten Einschlag in eine Segelyacht reicht der Blick auf die Instrumente nicht. Der Strom verlässt das Boot irgendwo unter Wasser, und dort entstehen oft kleine Austrittsstellen im Laminat, an Borddurchlässen oder an der Kiel-Rumpf-Verbindung. Sie sind von innen kaum zu sehen und können trotzdem Wasser durchlassen. Das Boot gehört deshalb in aller Regel aus dem Wasser, damit ein Sachverständiger den Rumpf von außen prüfen kann.
Dazu kommt der Kompass, dessen Ablenkung sich durch das starke Magnetfeld verändern kann, und das Rigg, dessen Beschläge und Wanten große Ströme geführt haben. Lassen Sie alles prüfen, auch was äußerlich unversehrt aussieht, und melden Sie den Schaden, bevor Sie Arbeiten in Auftrag geben.
Gewitter auf dem Wasser: Geräte trennen, Landstrom ziehen
Wie Sie sich selbst bei Gewitter an Bord verhalten, steht auf der Seite zum Gewitter am See. Für die Technik gilt etwas anderes: Wer das Boot am Steg verlässt und ein Gewitter angekündigt ist, zieht den Landstrom ab und schaltet die Bordanlage am Hauptschalter aus. Ein Gerät, das nicht mit dem Netz verbunden ist, bietet der Spannungsspitze weniger Weg.
Unterwegs lassen sich tragbare Geräte wie Handfunkgerät, Tablet und Hand-GPS in den Backofen oder eine Metallkiste legen, damit nach dem Gewitter wenigstens eine Navigation und eine Verbindung zum Ufer bleiben. Antennenkabel abzuziehen ist an manchen Booten einfach möglich und lohnt dann den Handgriff. Viel mehr lässt sich auf dem Wasser nicht vorbereiten, und auch das hilft nur, wenn es vor dem ersten Donner erledigt ist.
Elektronik nach dem Blitzeinschlag prüfen lassen
Ein Bootselektriker prüft nach einem Einschlag in der Nähe mehr als die Frage, ob die Geräte einschalten. Er misst Isolation und Leitungen, kontrolliert Ladegerät, Wechselrichter und Batterieüberwachung, prüft den Datenbus zwischen Plotter, Autopilot und Instrumenten und schaut sich die Antennen an. Vorgeschädigte Bauteile laufen oft noch Tage oder Wochen, bevor sie ausfallen.
Bitten Sie um ein schriftliches Prüfprotokoll mit Datum, Befund und Liste der geprüften Geräte. Es zeigt später, dass zwischen Gewitter und Ausfall ein Zusammenhang besteht, und es hilft der Werft, die Reparatur richtig zu planen. Bewahren Sie defekte Geräte auf, bis die Regulierung abgeschlossen ist.
Zum Merken
Ein Einschlag nebenan
genügt für den Totalausfall der Elektronik
Ein Auszug der Blitzortung
belegt Zeitpunkt und Ort später
Der Schaden ist von außen unsichtbar, das Ereignis dagegen amtlich erfasst. Genau daraus entsteht der Nachweis.
Fragen und Antworten
Häufige Fragen
Ist ein Blitzschaden in der Kaskodeckung enthalten?
Blitzschlag ist als Naturgewalt ausdrücklich benannt und gehört damit zum Kern jeder Kaskodeckung. Wie weit die Elektronik mitgeht und welcher Selbstbehalt dafür gilt, steht in den Klauseln Ihrer Polizze.
Muss der Blitz mein Boot direkt treffen?
Nein, und das ist sogar der seltenere Fall. Die häufigere Ursache ist die Spannungsspitze aus einem Einschlag in der Nachbarschaft, die über Rigg, Erdung oder Landstrom in die Bordanlage gelangt.
Und Überspannung ohne Gewitter, etwa am Landstrom?
Die gibt es, sie kommt aus dem Hafennetz und trifft vor allem Ladegeräte und Batteriesysteme. Bei uns ist eine Überspannung ohne Blitzschlag keine versicherte Gefahr, unmittelbare Kurzschlussschäden sind ausgeschlossen. Nur bei Elektro- und Hybridbooten mit Elektroklausel sind Folgeschäden eines Kurzschlusses bis 10.000 Euro und die eigene Ladestation bis 1.500 Euro versichert.
Wie belege ich den Zusammenhang mit dem Gewitter?
Mit einem Auszug der Blitzortung zu Zeitpunkt und Ort, einem Messprotokoll der durchgemessenen Anlage und einer Geräteliste mit Type, Seriennummer und Kaufbeleg. Diese drei Unterlagen ersparen im Regelfall Wochen.
Was tue ich unmittelbar nach dem Gewitter?
Alles prüfen, auch was noch läuft, den Schaden ohne Verzug melden und nichts reparieren lassen, bevor der Sachverständige das Boot gesehen oder die Reparatur schriftlich freigegeben hat.
Schützt ein Blitzableiter an Bord auch die Elektronik?
Nicht zuverlässig. Eine Ableitung vom Mast ins Wasser gibt dem Blitzstrom einen Weg, Spannungsspitzen gelangen aber trotzdem in die Leitungen. Geräte vom Netz trennen und nach einem Einschlag alles durchmessen lassen bleibt deshalb wichtig.
Muss die Yacht nach einem direkten Einschlag aus dem Wasser?
In aller Regel ja. Austrittsstellen unter der Wasserlinie, an Borddurchlässen oder am Kiel sind von innen kaum zu erkennen und lassen sich nur am Kran oder im Trockendock sicher beurteilen.
NAMMERT Assekuradeur GmbH, Karl-Marx-Straße 4, 15711 Königs Wusterhausen, +49 3375 29 12 77
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