Alles zur Versicherung: Pflegevorsorge
Reicht das Pflegegeld in Österreich aus?
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Kurz gesagt
Pflegegeld in Österreich beantragen Sie formlos bei der Stelle, die Ihre Pension auszahlt, meist der Pensionsversicherung. Nach einem Hausbesuch durch eine Ärztin, einen Arzt oder eine diplomierte Pflegekraft kommt der Bescheid. 2026 gibt es 206,20 Euro in Stufe 1 bis 2.214,80 Euro in Stufe 7 im Monat, rückwirkend ab dem Monat nach dem Antrag.
Pflegegeld je Stufe ab 1. Jänner 2026, monatlich, netto. Es wird zwölfmal im Jahr im Nachhinein ausbezahlt, ohne Lohnsteuer und Krankenversicherungsbeitrag. Der Antrag ist kostenlos.
| Beispiel | Richtwert |
|---|---|
| Stufe 1, mehr als 65 Stunden | 206,20 Euro im Monat |
| Stufe 3, mehr als 120 Stunden | 592,60 Euro im Monat |
| Stufe 4, mehr als 160 Stunden | 888,50 Euro im Monat |
| Stufe 7, höchste Stufe | 2.214,80 Euro im Monat |
| Klage in erster Instanz | 0 Euro Gerichtskosten, Anwalt nicht vorgeschrieben |
Amtliche Beträge, Stand Oktober 2026.
Das Pflegegeld wird jährlich angepasst.
Rechenbeispiel
Der Gutachter schätzt 100 Stunden Pflegebedarf. So wirkt der Erschwerniszuschlag.
| Geschätzter Bedarf ohne Zuschlag | 100 Stunden, das wäre Stufe 2 mit 380,30 Euro |
| Erschwerniszuschlag bei Demenz | plus 45 Stunden |
| Bedarf mit Zuschlag | 145 Stunden, also Stufe 3 |
| Pflegegeld Stufe 3 | 592,60 Euro im Monat ab 1. April |
| Unterschied zu Stufe 2 | 212,30 Euro im Monat |
Im Jahr sind das 7.111,20 Euro statt 4.563,60 Euro. Die Diagnose Demenz beim Hausbesuch zu nennen, bringt hier 2.547,60 Euro mehr.
Wer in Pension ist, beantragt Pflegegeld bei der Stelle, die die Pension auszahlt. Für ASVG-Pensionistinnen und -Pensionisten ist das die Pensionsversicherung, für Beamtinnen und Beamte im Ruhestand die BVAEB. Berufstätige, mitversicherte Angehörige und Menschen in Mindestsicherung wenden sich an die Pensionsversicherung.
Der Antrag kann formlos eingebracht werden, ein kurzer Brief genügt. Landet er bei der falschen Stelle, muss diese ihn weiterleiten. Danach bekommen Sie ein Formular. Tragen Sie dort ein, was nicht mehr ohne Hilfe geht, legen Sie aktuelle Befunde bei und schicken Sie es unterschrieben zurück.
Das Pflegegeld gebührt rückwirkend ab dem Monat, der auf den Antrag folgt. Jeder Monat, den Sie warten, ist verloren.
Eine Ärztin, ein Arzt oder eine diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegeperson kommt nach Ankündigung zu Ihnen nach Hause oder ins Pflegeheim. Gefragt wird nach dem Betreuungs- und Hilfsbedarf, dazu kommt eine Untersuchung.
Auf Wunsch darf eine Vertrauensperson dabei sein und angehört werden, etwa die Tochter, die pflegt. Nutzen Sie das: Sie kann schildern, was an schlechten Tagen und in der Nacht nötig ist.
Bei schwer geistig oder psychisch beeinträchtigten Menschen, besonders bei Demenz, werden ab 15 Jahren pauschal 45 Stunden als Erschwerniszuschlag dazugerechnet. Erwähnen Sie eine Demenzdiagnose deshalb ausdrücklich.
| Stufe | Pflegebedarf im Monat | Pflegegeld 2026 |
|---|---|---|
| 1 | mehr als 65 Stunden | 206,20 Euro |
| 2 | mehr als 95 Stunden | 380,30 Euro |
| 3 | mehr als 120 Stunden | 592,60 Euro |
| 4 | mehr als 160 Stunden | 888,50 Euro |
| 5 | mehr als 180 Stunden, außergewöhnlicher Pflegeaufwand | 1.206,90 Euro |
| 6 | mehr als 180 Stunden, ständige Anwesenheit Tag und Nacht | 1.685,40 Euro |
| 7 | mehr als 180 Stunden, keine zielgerichteten Bewegungen der Arme und Beine | 2.214,80 Euro |
Gegen den Bescheid klagen Sie beim Arbeits- und Sozialgericht. Sie muss innerhalb von drei Monaten ab Zustellung eingebracht werden, schriftlich in zweifacher Ausfertigung oder mündlich am Amtstag des Gerichts. Sie können die Klage auch bei der Stelle abgeben, die entschieden hat.
In erster Instanz fallen für Schriftsätze keine Gerichtskosten an, gerichtliche Gutachten zahlen Sie nicht, und ein Anwalt ist nicht vorgeschrieben. Nur wer sich anwaltlich vertreten lässt und verliert, trägt diese Anwaltskosten selbst.
Eine höhere Stufe beantragen Sie mit einem Erhöhungsantrag bei derselben Stelle, die über das Pflegegeld entschieden hat. Auch hier zählt der Monat nach dem Antrag, warten lohnt sich also nicht.
Pflegegeld ist ein Zuschuss, keine Vollfinanzierung. Eine 24-Stunden-Betreuung oder ein Heimplatz kostet ein Vielfaches der Stufen 1 bis 4. Wer vorsorgen will, muss das tun, solange er gesund ist, denn mit bestehendem Pflegebedarf nimmt kaum ein Versicherer neue Kundinnen und Kunden für eine private Pflegeversicherung an.
Wer nur nach einer Operation einige Wochen Hilfe braucht, bekommt kein Pflegegeld: Der Bedarf muss voraussichtlich mindestens sechs Monate bestehen.
Fragen und Antworten
Nichts.
Auch die Begutachtung ist kostenlos.
Nein, der Antrag kann formlos eingebracht werden.
Das Formular schickt Ihnen die zuständige Stelle danach zu.
Rückwirkend ab dem Monat, der auf den Antrag folgt.
Ein Antrag im März bringt also Pflegegeld ab April.
Nein.
Es fallen keine Lohnsteuer und kein Krankenversicherungsbeitrag an.
In erster Instanz nicht.
Erst vor dem Oberlandesgericht und dem Obersten Gerichtshof ist eine Vertretung vorgeschrieben.
Auf Ihren Wunsch eine Vertrauensperson, etwa die pflegende Angehörige.
Sie wird auch angehört.
Dann stellen Sie einen Erhöhungsantrag bei derselben Stelle.
Es folgt eine neue Begutachtung.
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