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Kreditversicherung oder Factoring: Was ist für österreichische Betriebe besser?

Kurz gesagt

Was für österreichische Betriebe besser ist, hängt davon ab, ob Liquidität fehlt oder nur Schutz. Die Kreditversicherung kostet etwa 1 bis 3 Promille vom Umsatz und zahlt nur, wenn ein Kunde ausfällt. Factoring zahlt sofort 80 bis 90 Prozent der Rechnung aus, kostet aber etwa 0,5 bis 5 Prozent Gebühr plus Zinsen. Wer genug Geld am Konto hat, fährt mit der Versicherung günstiger.

Kreditversicherung oder Factoring: Was ist für österreichische Betriebe besser?

Was es kostet

Österreichische Factoringinstitute und Kreditversicherer veröffentlichen keine Preislisten. Wir nennen Spannen aus deutschen Ratgebern, die Marktmechanik ist dieselbe.

BeispielRichtwert
Kreditversicherung, Prämiensatzetwa 1 bis 3 Promille vom Umsatz
Kreditversicherung, Mindestprämieetwa 500 bis 6.000 Euro im Jahr
Factoringgebühr allgemeinetwa 0,5 bis 5 Prozent der Rechnung
Factoring laut Kostenübersicht 20260,3 bis 2,5 Prozent Gebühr, 3,5 bis 6 Prozent Zins im Jahr
Bonitätsprüfung im Factoringetwa 25 Euro je Kunde

Recherche Oktober 2026.

Alle Spannen stammen aus deutschen Quellen von 2024 und 2026 und gelten für Österreich nur als

Anhaltspunkt.

Das Rechenbeispiel ist ein Richtwert aus der Angebotspraxis.

Rechenbeispiel

Großhändler in der Steiermark, 800.000 Euro Umsatz, 60 Tage Zahlungsziel

Im Schnitt sind rund 131.500 Euro offen. Verglichen wird die Kreditversicherung mit echtem Factoring zu 1 Prozent Gebühr und 4 Prozent Zins.

Kreditversicherung, 1 bis 3 Promille plus Prüfgebührenetwa 1.300 bis 2.900 Euro im Jahr
Factoringgebühr, 1 Prozent von 800.000 Euro8.000 Euro
Zins, 4 Prozent auf 90 Prozent von 131.500 Euroetwa 4.700 Euro
Factoring zusammenetwa 12.700 Euro im Jahr

Factoring kostet hier vier bis zehnmal so viel, bringt aber dauerhaft rund 118.000 Euro Liquidität. Fehlt Ihnen dieses Geld nicht, ist die Kreditversicherung die günstigere Lösung.

Schutz oder Geld: der Grundunterschied

Die Kreditversicherung ersetzt den Großteil einer Forderung, wenn ein gewerblicher Kunde insolvent wird oder nicht zahlt. Bis dahin warten Sie wie gewohnt auf Ihr Geld. Beim Factoring verkaufen Sie Ihre Rechnungen an ein Factoringinstitut, das sofort den größten Teil überweist.

Nur beim echten Factoring übernimmt das Institut auch das Ausfallrisiko. Beim unechten Factoring bleibt es bei Ihnen, und dann ersetzt Factoring die Kreditversicherung überhaupt nicht.

MerkmalKreditversicherungFactoring
HauptnutzenSchutz vor Ausfallsofortige Liquidität
Kostenetwa 1 bis 3 Promille vom Umsatzetwa 0,5 bis 5 Prozent plus Zinsen
Ausfallschutzja, bis zum Limitnur beim echten Factoring
Kunde erfährt davonmeist nichtbeim offenen Factoring ja
Mahnwesenbleibt bei Ihnenübernimmt oft das Institut

Wann Factoring für österreichische Betriebe passt

Factoring passt, wenn Wachstum oder saisonale Spitzen an der Liquidität hängen: Material muss vorfinanziert werden, Kunden zahlen nach 60 Tagen, und die Hausbank erweitert den Kontokorrentrahmen nicht. Dann ist der höhere Preis des Factorings der Preis für Geld, das sonst fehlt.

Vergleichen sollten Sie Factoring deshalb mit Kontokorrentkredit plus Kreditversicherung, nicht mit der Versicherungsprämie allein.

Wann die Kreditversicherung besser ist

Haben Sie ausreichend Liquidität und fürchten vor allem den Ausfall eines großen Abnehmers, ist die Kreditversicherung deutlich günstiger. Kundenbeziehung, Konditionen und Mahnwesen bleiben bei Ihnen.

Dazu kommt die laufende Bonitätsprüfung: Der Kreditversicherer kürzt Limits oft, bevor KSV1870 oder Ediktsdatei etwas zeigen. Diese Warnung bekommen Sie beim unechten Factoring nicht.

Beides kombinieren

Kreditversicherung und Factoring schließen sich nicht aus. Viele Factoringinstitute verlangen eine Kreditversicherung oder bieten bessere Konditionen, wenn die Ansprüche aus der Polizze an sie abgetreten werden.

Wer schon eine Kreditversicherung hat, sollte vor dem Einstieg ins Factoring klären, ob sich die bestehende Polizze einbinden lässt. Das spart doppelte Prüfgebühren und doppelte Prämie.

Anfechtung im Insolvenzfall

Bei beiden Lösungen bleibt ein Risiko, das oft übersehen wird: Der Masseverwalter kann Zahlungen anfechten, die ein Kunde kurz vor der Insolvenz geleistet hat, wenn Sie die Zahlungsunfähigkeit kannten oder kennen mussten (§§ 27 ff. IO).

In der Kreditversicherung ist die Anfechtung nur gedeckt, wenn die Polizze sie einschließt. Im Factoringvertrag regelt eine eigene Klausel, wer dieses Risiko trägt.

Schritt für Schritt

  1. Klären, ob Liquidität fehlt oder nur Ausfälle drohen.
  2. Durchschnittlich offene Forderungen und Zahlungsziele ausrechnen.
  3. Angebot für Kreditversicherung und für echtes Factoring einholen.
  4. Factoring mit Kontokorrentkredit plus Kreditversicherung vergleichen.
  5. Prüfen, ob eine bestehende Polizze ins Factoring eingebunden werden kann.

Checkliste

  • Echtes oder unechtes Factoring im Vertrag klar benannt
  • Alle Factoringkosten samt Zins und Prüfgebühren aufgelistet
  • Mindestprämie und Selbstbehalt der Kreditversicherung bekannt
  • Abtretungsverbote in Kundenverträgen geprüft
  • Regelung zur Anfechtung in beiden Verträgen gelesen

Häufige Fehler

  • Factoring nur mit der Versicherungsprämie vergleichen statt mit einem Kredit
  • Unechtes Factoring abschließen und sich gegen Ausfälle geschützt fühlen
  • Gebühren je Rechnung bei vielen kleinen Rechnungen unterschätzen
  • Die Polizze kündigen, bevor das Factoring tatsächlich läuft

Fragen und Antworten

Häufig gefragt

Ist Factoring eine Versicherung?

Nein.

Factoring ist ein Verkauf von Forderungen.

Nur beim echten Factoring trägt das Institut auch das Ausfallrisiko.

Erfahren meine Kunden vom Factoring?

Beim offenen Factoring ja, weil sie an das Institut zahlen.

Beim stillen Factoring meist nicht.

Von einer Kreditversicherung erfahren Kunden in der Regel nichts.

Brauche ich bei echtem Factoring noch eine Kreditversicherung?

Meist nicht selbst, weil das Institut das Risiko trägt und sich häufig selbst versichert.

Für Kunden, die nicht angekauft werden, kann sie sinnvoll bleiben.

Verbessert Factoring die Bilanz?

Echtes Factoring kann die Bilanz verkürzen, weil Forderungen abgehen.

Eine Kreditversicherung macht Forderungen dagegen für die Bank als Sicherheit wertvoller.

Ab welchem Umsatz gibt es Factoring?

Klassische Institute verlangen oft einige hunderttausend Euro Jahresumsatz.

Onlineanbieter kaufen auch einzelne Rechnungen an, dann zu höheren Sätzen.

Wobei hilft ein Versicherungsmakler?

Factoring vereinbaren Sie mit der Bank oder einem Factoringinstitut.

Norman Nammert vermittelt als Versicherungsmakler die Kreditversicherung;

die Courtage zahlt der Versicherer.

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