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Versicherungsmakler / Versicherungsfragen

Was bedeutet das Quantencomputer-Risiko für die Verschlüsselung im Betrieb in Österreich?

Kurz gesagt

Was bedeutet das Quantencomputer-Risiko für die Verschlüsselung im Betrieb in Österreich? Nach dem EU-Fahrplan sollen alle Mitgliedstaaten bis Ende 2026 mit der Umstellung beginnen und Anwendungen mit hohem Risiko bis Ende 2030 umstellen. Daten, die heute abgefangen werden, könnten später lesbar sein. Eine eigene Versicherung dafür gibt es nicht, eine Cyberpolizze beginnt bei rund 146 Euro netto im Jahr.

Was bedeutet das Quantencomputer-Risiko für die Verschlüsselung im Betrieb in Österreich?

Was es kostet

Ein eigenes Produkt gibt es nicht, die passende Deckung ist die Cyberpolizze. Richtwerte aus veröffentlichten Prämienbeispielen.

BeispielRichtwert
Einfache Cyberpolizze für sehr kleine Betriebe, Online-Abschluss in Österreichab rund 146 Euro netto im Jahr
Handwerk oder Gastronomie, bis 500.000 Euro Umsatzab etwa 400 Euro im Jahr
Softwareentwicklung, bis 1 Mio. Euro Umsatz, Summe 250.000 Euroab etwa 646 Euro im Jahr
Faustregel nach Umsatzetwa 0,1 bis 0,5 Prozent des Jahresumsatzes

Richtwerte, Stand Oktober 2026.

Österreichische Anbieter nennen kaum Prämienbeispiele,

die Werte ab der zweiten Zeile stammen aus Tarifbeispielen in Deutschland;

ihre Übertragung auf Österreich ist ein Richtwert aus der Angebotspraxis,

ebenso die Zahlen im Rechenbeispiel.

Dazu kommt die Versicherungssteuer.

Die Courtage zahlt der Versicherer.

Rechenbeispiel

Linz, Planungsbüro mit langlebigen Bauplänen

Ein Ingenieurbüro mit 600.000 Euro Umsatz tauscht Pläne für Industrieanlagen verschlüsselt mit Kunden aus. Die Pläne müssen viele Jahre vertraulich bleiben.

Schutzdauer der Pläneweit über 2030 hinaus, also betroffen
Cyberpolizze, Faustregel 0,1 bis 0,5 Prozentetwa 600 bis 3.000 Euro im Jahr
BestandsaufnahmeVPN, Datenräume, Mailverschlüsselung, Archiv
Frage an die AnbieterZeitplan für hybride Verfahren

Das Büro sollte die Umstellung jetzt planen, weil seine Pläne länger geheim bleiben müssen, als heutige Verfahren als sicher gelten. Die Cyberpolizze deckt Folgen eines Datenabflusses, ersetzt aber nicht die Umstellung.

Warum das Thema schon heute zählt

Verschlüsselte Verbindungen im Betrieb, etwa VPN, E-Mail oder Kundenportale, beruhen oft auf Public-Key-Verfahren wie RSA und ECC. Fachbehörden aus 18 EU-Staaten, darunter das deutsche BSI, halten es für realistisch, dass diese Verfahren in den 2030er-Jahren durch Quantencomputer gebrochen werden können.

Die EU-Kommission hält Angriffe nach dem Muster "jetzt speichern, später entschlüsseln" schon heute für wahrscheinlich. Daten, die lange vertraulich bleiben müssen, wie Gesundheitsdaten, Pläne oder Verträge, können deshalb bereits gefährdet sein.

Welche Fristen in Österreich gelten

Den Rahmen setzt der koordinierte EU-Fahrplan von Juni 2025, den die EU-Mitgliedstaaten mit Unterstützung der Kommission angenommen haben. Er beruht auf einer Empfehlung der Kommission von April 2024.

Danach sollen alle Mitgliedstaaten bis Ende 2026 mit der Umstellung auf quantensichere Verfahren beginnen. Anwendungen mit hohem Risiko sollen so früh wie möglich, spätestens bis Ende 2030 umgestellt sein.

TerminWas dann gelten sollQuelle
Ende 2026Beginn der Umstellung in allen EU-StaatenEU-Fahrplan
Ende 2030Anwendungen mit hohem Risiko umgestelltEU-Fahrplan
2030er-JahreBrechen von RSA und ECC gilt als realistischgemeinsame Erklärung von 18 EU-Staaten

Was ein österreichischer Betrieb jetzt tun kann

Für einen kleinen Betrieb mit Verschlüsselung beginnt die Arbeit mit einer Liste: Wo wird verschlüsselt, welche Daten laufen darüber und wie lange müssen sie geheim bleiben. Je länger die Schutzdauer, desto früher sollten Sie umstellen.

Fragen Sie Ihre Anbieter von Firewall, VPN, Cloud und Branchensoftware nach ihrem Fahrplan für quantensichere oder hybride Verfahren, also die Kombination aus klassischem und neuem Verfahren. Halten Sie in neuen Verträgen fest, dass Verfahren später austauschbar sein müssen.

Was die Cyberpolizze verlangt

Eine Polizze nur gegen das Quantencomputer-Risiko gibt es nicht. Werden Daten gestohlen oder entschlüsselt, ist das ein Fall für die Cyberversicherung, soweit deren Bedingungen ihn erfassen.

Cyberpolizzen setzen eine gepflegte IT voraus. Musterbedingungen aus dem deutschsprachigen Raum verlangen etwa zeitnahe Sicherheitsupdates und verbieten Systeme mit bekannten Lücken ohne zusätzliche Absicherung. Lesen Sie die Obliegenheiten Ihrer Polizze genau, denn sie entscheiden im Schadenfall über die Leistung.

Ein Sonderfall sind Daten, die heute abgefangen und erst Jahre später entschlüsselt werden. Ob das dann unter Ihre Polizze fällt, hängt davon ab, wie sie den Versicherungsfall bestimmt. Klären Sie das vor dem Abschluss.

Wann Sie nicht sofort handeln müssen

Sind Ihre verschlüsselten Daten nach wenigen Jahren wertlos, etwa Tagesangebote oder kurzlebige Bestellungen, müssen Sie wegen des Quantenrisikos heute nichts Eigenes kaufen. Es reicht, Updates der Anbieter einzuspielen und bei neuen Systemen nach Post-Quanten-Verfahren zu fragen.

Schritt für Schritt

  1. Alle Stellen auflisten, an denen im Betrieb verschlüsselt wird.
  2. Je Datenart festhalten, wie lange sie vertraulich bleiben muss.
  3. Anbieter nach ihrem Plan für Post-Quanten-Verfahren fragen.
  4. Sicherheitsupdates zeitnah einspielen, wie es Cyberpolizzen verlangen.
  5. Mit dem Versicherer klären, wann ein später entschlüsselter Datenabfluss als Versicherungsfall gilt.

Checkliste

  • Liste aller verschlüsselten Verbindungen und Archive
  • Schutzdauer je Datenart bekannt
  • Verantwortliche Person für die Umstellung benannt
  • Neue Verträge regeln austauschbare Verfahren
  • Obliegenheiten der Cyberpolizze erfüllbar

Häufige Fehler

  • Das Thema auf später verschieben, obwohl Daten heute schon abgefangen werden können
  • Annehmen, die Cyberpolizze ersetze die Umstellung
  • Sicherheitsupdates liegen lassen und so die Obliegenheiten verletzen
  • Archive mit alten Plänen und Verträgen vergessen

Fragen und Antworten

Häufig gefragt

Gibt es in Österreich eine Pflicht zur Umstellung?

Eine allgemeine Pflicht mit festem Datum für jeden Betrieb enthält der EU-Fahrplan nicht.

Er setzt Ziele für die Mitgliedstaaten,

Ende 2026 für den Beginn und Ende 2030 für Anwendungen mit hohem Risiko.

Wann können Quantencomputer RSA brechen?

Die Fachbehörden aus 18 EU-Staaten halten das in den 2030er-Jahren für realistisch.

Weil Daten schon heute gespeichert werden können, zählt das Risiko bereits jetzt.

Zahlt die Cyberpolizze, wenn Daten später entschlüsselt werden?

Das hängt davon ab, wie die Bedingungen den Versicherungsfall bestimmen und ob die Polizze dann

noch läuft.

Klären Sie das vor dem Abschluss.

Was heißt hybride Verschlüsselung?

Ein klassisches und ein quantensicheres Verfahren werden kombiniert.

Die Verbindung bleibt geschützt, solange eines der beiden hält.

Muss ein kleiner Betrieb jetzt etwas kaufen?

Bei kurzlebigen Daten meist nicht.

Wichtig sind Updates der Anbieter und die Frage nach Post-Quanten-Verfahren bei neuen Systemen.

Quellen

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