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Versicherungsmakler / Versicherungsfragen

Zahlt die Eigenheimversicherung Risse durch Hitze und Trockenheit?

Kurz gesagt

Für Risse durch Hitze und Trockenheit zahlt die Eigenheimversicherung in Österreich in der Regel nicht, weil weder Hitze noch Trockenheit zu den versicherten Gefahren gehören. Versichert bleiben Feuer, Sturm ab 60 km/h, Hagel und Leitungswasser. Auch die Katastrophendeckung hilft kaum, sie ist im Standard oft auf 5.000 Euro begrenzt.

Zahlt die Eigenheimversicherung Risse durch Hitze und Trockenheit?

Was es kostet

Eine Polizze gegen Trockenrisse gibt es in der Regel nicht. Die Beträge zeigen, was der passende Schutz für ein Einfamilienhaus in Österreich kostet.

BeispielRichtwert
Eigenheimversicherung, Einfamilienhaus um 150 Quadratmeteretwa 200 bis 600 Euro im Jahr
Erweiterter Katastrophenschutz, Durchschnittrund 280 Euro im Jahr
Erweiterter Katastrophenschutz, typisches Einfamilienhausetwa 135 bis 377 Euro im Jahr
Gutachten eines Bausachverständigen zur Rissursacheetwa 800 bis 3.000 Euro

Stand Oktober 2026.

Prämien aus den genannten Marktauswertungen.

Die Gutachterkosten und die Beträge im Rechenbeispiel sind Richtwerte aus der Angebotspraxis.

Ihre Prämie hängt von Lage, Bauweise und Versicherungssumme ab; das genaue Angebot holen wir ein.

Rechenbeispiel

Haus im Weinviertel auf Lehmboden nach einem Dürresommer

Nach einem trockenen Sommer zeigen sich Risse an der Gartenseite, eine Kellerwand reißt. In der Küche tropft eine Leitung.

Gutachten zu Rissen und Bodenetwa 2.000 Euro, nicht versichert
Fundament sichern und Risse sanierenetwa 25.000 Euro, nicht versichert
Leitung reparieren und trocknenetwa 3.500 Euro, versichert über Leitungswasser
Selbstbehalt300 Euro

Die Eigenheimversicherung zahlt den Leitungswasserschaden, rund 3.200 Euro. Gutachten und Sanierung, rund 27.000 Euro, bleiben bei Ihnen, außer das Land gewährt eine Beihilfe oder ein Baumangel innerhalb der Gewährleistung liegt vor.

Wie Hitze und Trockenheit Risse am Haus auslösen

Ton- und Lehmböden schrumpfen, wenn sie in heißen, trockenen Sommern Wasser verlieren. Ein Haus auf solchem Boden setzt sich ungleich, in Mauerwerk und Bodenplatte entstehen Risse. Bäume nahe am Haus verstärken das, weil ihre Wurzeln dem Boden zusätzlich Wasser entziehen.

Für die Eigenheimversicherung ist das kein Schadenereignis. Sie zahlt nur, wenn eine in der Polizze genannte Gefahr eintritt.

Was die Eigenheimversicherung abdeckt

Eine typische österreichische Eigenheimversicherung nennt als Gefahren Feuer mit Brand, Blitzschlag und Explosion, Naturgefahren wie Sturm ab 60 Kilometern pro Stunde, Hagel, Schneedruck, Felssturz und Erdrutsch, den Katastrophenschutz mit Überschwemmung, Muren, Lawinen, Erdsenkung und Erdbeben sowie Leitungswasser. Hitze und Trockenheit kommen in dieser Liste nicht vor.

Versichert sind aber die Folgen dieser Gefahren, auch wenn ein heißer Sommer sie ausgelöst hat: der Brand nach einem Blitz im Hitzegewitter, das abgedeckte Dach nach einer Sturmböe, die zerschlagenen Dachfenster nach Hagel. Bricht durch Bewegungen im Haus eine Wasserleitung, ist das in den Bedingungen eines österreichischen Versicherers ein Leitungswasserschaden, denn der Bruch von Rohrleitungen ist dort ohne Rücksicht auf die Ursache versichert. Die Risse selbst bleiben ungedeckt.

Schaden nach einem heißen, trockenen SommerEigenheimversicherung
Setzrisse durch geschrumpften Tonbodenin der Regel nein
Brand nach Blitzschlag im Hitzegewitterja, Feuer
Sturmböe ab 60 km/h beschädigt das Dachja, Sturm
Hagel zerschlägt Dachfensterja, Hagel
Wasserleitung im Haus brichtja, Leitungswasser laut Polizze

Katastrophenschutz und Erdsenkung

Erdsenkung ist in vielen Polizzen nur über den Katastrophenschutz versichert. Im Standard ist diese Deckung oft auf höchstens 5.000 Euro begrenzt, erweiterte Varianten reichen je nach Produkt von 20.000 bis 225.000 Euro. Nur rund 15 Prozent der Anfragen bei einem österreichischen Vergleichsdienst enthielten den erweiterten Schutz.

Ob Setzrisse nach Trockenheit überhaupt als Erdsenkung gelten, entscheidet die Definition in Ihren Bedingungen. Verlassen Sie sich nicht darauf, ohne die Klausel gelesen zu haben, und fragen Sie Ihren Versicherer vor einer Sanierung schriftlich.

Was der Katastrophenfonds leisten kann

Das Katastrophenfondsgesetz nennt bei den Schäden, für die Mittel fließen, ausdrücklich natürlich induzierte vertikale Bodenbewegungen, insbesondere Erdsenkungen. Für Private zahlt das Land eine Beihilfe, der Bund ersetzt dem Land davon bis zu 60 Prozent.

Wie viel ankommt, hängt vom Bundesland ab. Laut Rechnungshof deckten die Beihilfen von 2015 bis 2023 in Kärnten im Schnitt 31 Prozent der Schäden an privatem Vermögen, in Tirol 63 Prozent. Ob Setzrisse nach Trockenheit anerkannt werden, entscheidet das Land im Einzelfall. Fragen Sie bei Ihrer Gemeinde nach dem Ablauf.

Wenn ein Baumangel dahintersteckt

Wurde das Fundament nicht passend zum Boden geplant oder ausgeführt, kann ein Mangel vorliegen. Nach dem ABGB muss ein Mangel bei einer unbeweglichen Sache innerhalb von drei Jahren nach der Übergabe hervorkommen, damit Gewährleistung greift.

Bei Rissen an einem jungen Haus lohnt deshalb ein rasches Gutachten zur Ursache. Damit klären Sie, ob Bauführer, Planer oder Verkäufer in Anspruch genommen werden können.

Wann Sie keinen Zusatzschutz brauchen

Steht Ihr Haus auf Fels, Kies oder Sand, ist das Risiko von Trockenrissen gering. Dann ist der erweiterte Katastrophenschutz vor allem wegen Hochwasser, Muren und Starkregen eine Überlegung wert, nicht wegen Trockenheit.

Feine Haarrisse im Putz, die sich über Monate nicht verändern, sind meist harmlos und kein Fall für Versicherung oder Gutachter.

Schritt für Schritt

  1. Risse mit Datum fotografieren und die Breite festhalten.
  2. Messmarken setzen lassen, um zu sehen, ob sich die Risse bewegen.
  3. Wasseraustritt oder feuchte Stellen sofort dem Versicherer melden.
  4. Ursache durch einen Bausachverständigen klären lassen.
  5. Bei der Gemeinde fragen, ob für das Ereignis Beihilfen aus dem Katastrophenfonds möglich sind.
  6. Bei einem jungen Haus Bauführer oder Verkäufer schriftlich über den Mangel informieren.

Checkliste

  • Feuer, Sturm, Hagel und Leitungswasser in der Polizze
  • Höhe des Katastrophenschutzes geprüft, Standard oft nur 5.000 Euro
  • Definition der Erdsenkung in den Bedingungen gelesen
  • Vorhandene Risse vor Vertragsbeginn dokumentiert
  • Übergabedatum des Hauses für die Gewährleistung notiert
  • Regenwasser vom Fundament weggeleitet

Häufige Fehler

  • Trockenrisse als Katastrophenschaden melden, ohne die Bedingungen zu kennen
  • Risse sanieren, bevor die Ursache geklärt ist
  • Auf den Katastrophenfonds als vollen Ersatz bauen
  • Bei einem jungen Haus die Gewährleistung verstreichen lassen
  • Einen Leitungsschaden übersehen, weil man alle Risse für Trockenschäden hält

Fragen und Antworten

Häufig gefragt

Ist Hitze in der Eigenheimversicherung versichert?

Nein, Hitze ist keine eigene Gefahr.

Versichert sind Folgen wie Brand, Sturm oder Hagel, auch wenn sie bei großer Hitze entstehen.

Hilft die Haushaltsversicherung bei Rissen?

Nein, sie deckt den Hausrat, nicht die Mauern.

Für Schäden am Gebäude ist die Eigenheimversicherung zuständig.

Zahlt der Katastrophenfonds, wenn die Versicherung ablehnt?

Möglicherweise eine Beihilfe des Landes.

Ob Setzrisse nach Trockenheit anerkannt werden, entscheidet das Land im Einzelfall.

Fragen Sie bei Ihrer Gemeinde nach.

Kann ich die Katastrophendeckung erhöhen?

Ja, erweiterte Varianten reichen je nach Produkt von 20.000 bis 225.000 Euro und kosten im Schnitt

rund 280 Euro im Jahr.

Wer zahlt Risse durch die Baustelle nebenan?

Der Bauherr oder das Bauunternehmen, meist über deren Haftpflichtversicherung.

Ein Gutachten muss die Ursache belegen.

Quellen

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