Ein Stich beim Nachbarn, ein umgekippter Bienenwagen auf der Fahrt zur Rapsblüte, eine Charge Honig, die reklamiert wird: Die Imkerei trägt Risiken, die viele erst bemerken, wenn es passiert ist. Hier steht, was Berufs- und Nebenerwerbsimker in Österreich absichern sollten und was es kostet.
Sind meine Bienenvölker versichert, wenn sie an Faulbrut eingehen?
Nein, Tierseuchen wie die Amerikanische Faulbrut fallen nicht unter die Betriebshaftpflicht oder eine übliche Sachversicherung, das Risiko ist am freien Markt praktisch nicht versicherbar. Der Österreichische Imkerbund bietet Mitgliedern über die Landesverbände eine Obligatorische Versicherung, die neben Haftpflicht auch Sachwerte am Bienenstand abdeckt, für behördlich angeordnete Vernichtung nach Faulbrut ist aber die zuständige Bezirksverwaltung und nicht eine private Polizze zuständig.
Was in dieser Branche schiefgeht
01
Bienenstich bei Allergikern
Ein Spaziergänger oder Nachbar reagiert allergisch auf einen Stich und braucht Rettung und Klinik, die Kosten landen beim Imker.
02
Bestäubung schlägt fehl
Ein Landwirt macht den Imker für eine schlechte Ernte verantwortlich, wenn Völker zu spät oder zu wenig aufgestellt wurden.
03
Honig als Produkt
Ein Kunde reklamiert verunreinigten oder falsch etikettierten Honig, ein Produkthaftungsfall ist schnell teurer als der Jahresumsatz.
04
Wanderimkerei und Transport
Bienenkisten fallen beim Umsetzen zur Raps- oder Lindenblüte vom Anhänger, Fahrzeug und Ladung werden beschädigt.
05
Diebstahl und Vandalismus am Stand
Bienenstöcke stehen oft abgelegen im Freiland und werden gestohlen oder mutwillig umgeworfen.
06
Faulbrut und Vergiftung
Eine gemeldete Tierseuche oder ein Pflanzenschutzunfall in der Nachbarschaft kostet ganze Völker, ohne dass eine Betriebshaftpflicht dafür einsteht.
Risiko-Radar
Einschätzung im Vergleich zu anderen Branchen, 1 gering bis 5 hoch.
Für Imkereien mit eigenem Online-Shop für Honig und Imkereibedarf, gegen Datenverlust und Betrugsversuche beim Bestellprozess.
Was es kostet: Beispielprämien
Imker zahlen vor allem für die Betriebshaftpflicht, gestaffelt nach Völkerzahl, Umsatz und ob Wanderimkerei betrieben wird. Mitglieder im Österreichischen Imkerbund haben über die Landesverbände oft bereits eine Obligatorische Versicherung mit Grundschutz, die für Berufsimker mit eigenem Verkauf meist nicht ausreicht.
Versicherung
Beispiel
Richtwert
Betriebshaftpflicht
Nebenerwerbsimkerei mit bis zu 25 Völkern und Hofverkauf
etwa 100 bis 200 Euro im Jahr
Betriebshaftpflicht
Berufsimkerei mit rund 100 Völkern, 3 Millionen Euro Deckungssumme
etwa 130 bis 600 Euro im Jahr
Betriebsinhalt
Schleuder, Gerät und Lager im Wert von 20.000 Euro
etwa 150 bis 400 Euro im Jahr
Kfz-Versicherung
Transporter für die Wanderimkerei, Haftpflicht und Teilkasko
etwa 400 bis 900 Euro im Jahr
Betriebsunterbrechung
Ertragsausfall zwölf Monate für Berufsimkereien
etwa 300 bis 900 Euro im Jahr
Zum Vergleich: Die Betriebshaftpflicht einer kleinen Imkerei kostet im Jahr ungefähr so viel wie 15 bis 20 Gläser Honig im Hofverkauf.
Richtwerte ohne Versicherungssteuer, Stand September 2026,
aus öffentlich genannten Angebotsbeispielen des deutschsprachigen Markts.
Die Obligatorische Versicherung über die Landesverbände des Österreichischen Imkerbunds deckt
Betriebshaftpflicht bis zu 1 Million Euro sowie Sachwerte am Bienenstand,
reicht für Berufsimker mit eigenem Verkauf oder Bestäubungsaufträgen aber oft nicht aus.
Sechs Dinge, die Imkern wirklich passieren, zusammengelegt auf einen Tag. Tippen Sie sich durch und sehen Sie, wer zahlt.
Schaden bis jetzt48.700 Euro
Beim Verladen für die Rapsblüte rutscht ein Volk vom Anhänger, der Transporter wird beschädigt.
4.200 Euro · Zahlt: Kfz-Versicherung
Ein Wanderer wird am Wanderstand mehrfach gestochen und reagiert allergisch, Rettungseinsatz und Behandlung folgen.
18.000 Euro · Zahlt: Betriebshaftpflicht
Ein Landwirt macht den Imker für eine schwache Apfelernte verantwortlich, die Völker seien zu spät aufgestellt worden.
9.500 Euro · Zahlt: Betriebshaftpflicht
Ein Kunde erkrankt nach einem Glas Honig und meldet einen Produktfehler.
6.000 Euro · Zahlt: Betriebshaftpflicht
Unbekannte werfen nachts drei Bienenstöcke am freistehenden Lehrstand um, Beuten und Werkzeug sind zerstört.
3.800 Euro · Zahlt: Betriebsinhalt
Ein Kurzschluss in der Schleuderei setzt Lager und Gerät unter Wasser.
7.200 Euro · Zahlt: Betriebsinhalt
Welches Paket hätten Sie gehabt?
Davon zahlt die Versicherung: 0 Euro
Aus eigener Tasche: 48.700 Euro
Beispielhafte Summen ohne Selbstbeteiligung.
Was gezahlt wird, regeln die Bedingungen.
Konkrete Tipps vom Makler
Schließen Sie Bestäubungsdienstleistungen und Produkthaftung für Honig ausdrücklich in die Betriebshaftpflicht ein, nicht jede Polizze tut das automatisch.
Prüfen Sie, ob die Obligatorische Versicherung Ihres Landesverbands im Österreichischen Imkerbund bereits einen Grundschutz enthält, bevor Sie doppelt versichern.
Sichern Sie Transportfahrzeuge und Anhänger für die Wanderimkerei gesondert ab, Standardpolizzen für Pkw reichen oft nicht.
Dokumentieren Sie Völkerzahl, Standorte und Werte am Bienenstand, das beschleunigt die Schadenregulierung bei Diebstahl oder Vandalismus.
Klären Sie bei Marktständen und Hoffesten, ob Standbetrieb und Verkostung in der Betriebshaftpflicht mitversichert sind.
Erkundigen Sie sich bei Verdacht auf Faulbrut sofort bei der zuständigen Bezirksverwaltungsbehörde, eine private Polizze ersetzt diese Meldung nicht.
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Häufige Fragen
Fragen und Antworten
Was kostet eine Betriebshaftpflicht für Imker in Österreich?
Für eine kleine Nebenerwerbsimkerei mit Hofverkauf sind 100 bis 200 Euro im Jahr ein realistischer
Rahmen, für Berufsimkereien mit größerer Völkerzahl kann es bis zu 600 Euro werden.
Zahlt eine Versicherung, wenn meine Bienenvölker an Faulbrut sterben?
Nein.
Faulbrut und andere Bienenseuchen sind über die Betriebshaftpflicht oder eine Sachversicherung
nicht abgedeckt, ein Verdachtsfall ist bei der zuständigen Bezirksverwaltungsbehörde zu melden.
Brauche ich eine eigene Versicherung, wenn ich im Imkerbund bin?
Die Mitgliedschaft in einem Landesverband des Österreichischen Imkerbunds bringt in mehreren
Bundesländern eine Obligatorische Versicherung mit Grundschutz mit.
Für Berufsimker mit eigenem Verkauf,
Bestäubungsaufträgen oder größerem Umsatz reicht das oft nicht und eine eigene Betriebshaftpflicht
ist sinnvoll.
Ist die Wanderimkerei extra zu versichern?
Der Transport der Völker gehört als Kfz-Risiko in die Fahrzeugversicherung,
Schäden an Beuten und Ausrüstung beim Umsetzen sollten Sie zusätzlich in der Inhaltsversicherung
klären.
Wer ist bei Arbeitsunfällen in der Imkerei zuständig?
Die SVS ist für selbstständige Imker ab einer bestimmten Betriebsgröße zuständig,
angestellte Helfer sind über die AUVA versichert.
Ist Honigverkauf über einen eigenen Online-Shop mitversichert?
Nur wenn er ausdrücklich in der Betriebshaftpflicht genannt ist.
Für Risiken wie Datenverlust oder Betrug beim Bestellprozess brauchen Sie zusätzlich eine
Cyberversicherung.
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