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Was sind die häufigsten Gründe für Berufsunfähigkeit in Österreich?

Kurz gesagt

Die häufigsten Gründe für Berufsunfähigkeit in Österreich sind psychische Erkrankungen sowie Leiden an Rücken, Muskeln und Gelenken. Bei den neuen Invaliditätspensionen lagen beide in der letzten veröffentlichten Aufschlüsselung bei rund 30 Prozent, bei Frauen war die Psyche mit 40 Prozent klar vorne. Unfälle sind die Ausnahme. Was daraus folgt: Ihr Schutz muss bei Krankheit zahlen, nicht nur nach einem Unfall.

Was sind die häufigsten Gründe für Berufsunfähigkeit in Österreich?

Was es kostet

Was eine Berufsunfähigkeitsversicherung in Österreich kostet, die bei allen Ursachen zahlt. Veröffentlichte Prämienbeispiele, Laufzeit meist bis zum Regelpensionsalter.

BeispielRichtwert
29 Jahre, Softwareentwickler, 1.000 Euro Renteab etwa 20 Euro im Monat
28 Jahre, Student, 1.200 Euro Renteab etwa 40 Euro im Monat
36 Jahre, Einkaufsleiter, 1.500 Euro Renterund 85 Euro im Monat
45 Jahre, selbständige Steuerberaterin, 2.000 Euro Rente, 20 Jahre Laufzeitrund 104 Euro im Monat
43 Jahre, Elektriker, 3.000 Euro Renteab etwa 240 Euro im Monat

Prämien aus öffentlich genannten Tarifbeispielen, Stand Oktober 2026, für Antragsteller ohne Vorerkrankung.

Die Anteile der Neuzugänge stammen aus einem Bericht des Instituts für Höhere Studien von 2016 mit Daten für 2014; neuere Aufschlüsselungen nach Krankheitsgruppen sind nicht veröffentlicht.

Die Anteile privater Leistungsfälle stammen aus einer deutschen Auswertung mit Datenstand 2026.

Ihr Beitrag hängt von Beruf, Alter und Gesundheit ab; das genaue Angebot holen wir ein.

Rechenbeispiel

Angestellte in Graz, 36 Jahre: welcher Schutz greift bei welchem Grund?

Sie hat bereits eine private Unfallversicherung und überlegt, ob das reicht. So sieht es aus, wenn man die Ursachen danebenlegt.

Psychische Erkrankung, rund ein Drittel bis die Hälfte der FälleBU zahlt, Unfallversicherung nicht
Rücken und Gelenke, rund 30 Prozent der neuen InvaliditätspensionenBU zahlt, Unfallversicherung nur nach einem Unfall
KrebsBU zahlt, Unfallversicherung nicht
Unfallbeide zahlen
BU mit 1.500 Euro Renterund 85 Euro im Monat

Die Unfallversicherung deckt nur einen kleinen Teil ab. Bei 1.500 Euro Rente über 29 Jahre bis zur Pension geht es um bis zu 522.000 Euro, dafür lohnt der Mehrbeitrag für die BU.

Was die Zahlen aus Österreich zeigen

Für private Berufsunfähigkeitspolizzen veröffentlichen österreichische Gesellschaften keine eigene Ursachenstatistik. Das beste Bild liefern die staatlichen Pensionen wegen geminderter Arbeitsfähigkeit. In der letzten veröffentlichten Aufschlüsselung der Neuzugänge lagen Erkrankungen von Muskeln, Skelett und Bindegewebe mit rund 30 Prozent knapp vor psychischen Erkrankungen mit 29 Prozent.

Seitdem hat sich das Gewicht weiter zur Psyche verschoben. Der Berufsverband der Psychotherapie nennt in seinem Factsheet vom Februar 2026 die Hälfte aller Invaliditätspensionen als psychisch bedingt. Auswertungen privater Leistungsfälle aus Deutschland, wo die Tarife ähnlich gebaut sind, zeigen dieselbe Reihenfolge: Psyche, dann Rücken und Gelenke, dann Krebs.

UrsacheNeue Invaliditätspensionen ÖsterreichPrivate BU-Leistungsfälle, deutsche Auswertung
Psychische Erkrankungenrund 29 Prozent, Frauen 40 Prozentrund 32 Prozent
Muskeln, Skelett, Gelenkerund 30 Prozentknapp 18 Prozent
Krebsnicht gesondert veröffentlichtrund 16 Prozent
Unfällenicht gesondert veröffentlichtknapp 7 Prozent
Herz und Gefäßenicht gesondert veröffentlichtrund 6 Prozent

Warum der Staat bei diesen Gründen oft nicht reicht

Die Invaliditätspension nach dem ASVG fragt bei Menschen ohne Berufsschutz, ob irgendeine Tätigkeit am Arbeitsmarkt noch möglich ist. Eine Bürokraft mit Depression kann so auf eine einfache Hilfstätigkeit verwiesen werden und erhält dann keine Pension. Wer ab 1964 geboren ist und nur vorübergehend nicht arbeiten kann, bekommt statt einer befristeten Pension meist Rehabilitationsgeld.

Gerade bei psychischen Erkrankungen, die in Phasen verlaufen, endet der Weg oft beim Rehabilitationsgeld. Das liegt deutlich unter dem bisherigen Gehalt. Eine private Polizze fragt dagegen nach Ihrem zuletzt ausgeübten Beruf, wenn sie auf die abstrakte Verweisung verzichtet.

Was das für die Wahl Ihres Schutzes bedeutet

In Österreich ist die private Unfallversicherung weit verbreitet, sie zahlt aber nur nach einem Unfall und damit beim kleinsten Teil der Fälle. Eine Grundfähigkeitsversicherung zahlt, wenn Sie etwa Gehen, Sehen oder Greifen verlieren, bei der Psyche meist nicht. Die Versicherung gegen schwere Krankheiten zahlt bei Krebs oder Herzinfarkt einmal einen Betrag, keine laufende Rente.

Nur die Berufsunfähigkeitsversicherung folgt allen Ursachen, ob Depression, Bandscheibe oder Sturz. Sie kostet mehr als die Alternativen. Wer sie wegen Vorerkrankungen nicht bekommt, sollte die Alternative bewusst wählen und die Lücke bei der Psyche kennen.

Wann Sie keine Berufsunfähigkeitsversicherung brauchen

Wer genug Vermögen hat, um bis zur Pension ohne Gehalt zu leben, braucht keine. Auch kurz vor dem Pensionsantritt lohnt sie sich selten, weil nur wenige Jahre zu überbrücken sind und die Prämie hoch wäre. Beamte haben eigene Regeln zur Dienstunfähigkeit und brauchen eine passende Klausel statt einer allgemeinen Polizze.

Schritt für Schritt

  1. Ehrlich prüfen, ob Sie ohne Gehalt bis zur Pension auskommen würden.
  2. Den Schutz an allen Ursachen messen, nicht nur am Unfall.
  3. Gesundheitsfragen vollständig beantworten, auch zu Psychotherapie und Rückenbehandlungen.
  4. Bei Vorerkrankungen anonym bei mehreren Gesellschaften vorfragen lassen, bevor ein Antrag abgelehnt wird.
  5. Nur wenn die BU nicht zu bekommen ist, eine Alternative wählen und die verbleibende Lücke kennen.

Checkliste

  • Die Polizze zahlt bei jeder Ursache, auch bei psychischen Erkrankungen
  • Kein pauschaler Ausschluss für Psyche oder Wirbelsäule
  • Verzicht auf die abstrakte Verweisung auf einen anderen Beruf
  • Rente hoch genug für Ihre laufenden Kosten
  • Laufzeit bis zum geplanten Pensionsantritt
  • Psychotherapie und Rückenbehandlungen im Antrag vollständig angegeben

Häufige Fehler

  • Die private Unfallversicherung für ausreichend halten, obwohl Unfälle selten der Grund sind
  • Sich auf die Invaliditätspension verlassen, obwohl ohne Berufsschutz jede Tätigkeit zumutbar sein kann
  • Im Büroberuf glauben, Berufsunfähigkeit treffe nur Handwerker
  • Eine Psychotherapie im Antrag weglassen und später den ganzen Schutz gefährden

Fragen und Antworten

Häufig gefragt

Was ist in Österreich der häufigste Grund für Berufsunfähigkeit?

Psychische Erkrankungen und Leiden des Bewegungsapparats liegen etwa gleichauf. Bei Frauen sind psychische Erkrankungen klar der häufigste Grund für eine Invaliditätspension.

Wie oft ist ein Unfall die Ursache?

Selten. In Auswertungen privater Leistungsfälle sind es nur etwa 7 Prozent, der große Rest sind Krankheiten.

Reicht meine private Unfallversicherung?

Für Unfälle ja, für Depression, Bandscheibe oder Krebs nicht. Sie ersetzt keine Berufsunfähigkeitsversicherung.

Zahlt die Pensionsversicherung bei Depression?

Wenn Sie dauerhaft invalid sind, ja. Bei vorübergehender Invalidität gibt es für ab 1964 Geborene meist Rehabilitationsgeld, das 2026 bei mindestens 1.308,39 Euro im Monat für Alleinstehende liegt.

Sind Büroberufe weniger gefährdet?

Bei körperlichen Gründen ja, deshalb ist die Prämie niedriger. Psychische Erkrankungen und Krebs treffen Büroberufe genauso.

Warum nehmen psychische Gründe zu?

Erkrankungen werden häufiger erkannt und behandelt, und die Belastung im Beruf ist gestiegen. Der Anteil an den Invaliditätspensionen ist deshalb seit Jahren gewachsen.

Quellen

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