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Ist eine Unfallversicherung für Pensionisten in Österreich sinnvoll?

Kurz gesagt

Für Pensionistinnen und Pensionisten, die allein leben und nach einem Sturz keine Hilfe in der Nähe haben, oft ja. In der Pension besteht kein gesetzlicher Unfallschutz mehr, und wichtiger als die Summe ist dann Hilfe im Haushalt nach dem Unfall. Wer Rücklagen und Familie in der Nähe hat, braucht meist keine eigene Polizze.

Ist eine Unfallversicherung für Pensionisten in Österreich sinnvoll?

Was es kostet

Belegte Zahlen aus veröffentlichten österreichischen Bedingungen und Angebotsbeispielen.

BeispielRichtwert
Angestellter, 63 Jahre, Grundschutz ohne Unfallrente und Taggeldetwa 300 bis 350 Euro im Jahr
Seniorentarif, 75 Jahre, Grundsumme rund 50.000 Euro mit Hilfeleistungenetwa 150 bis 400 Euro im Jahr
Knochenbruchpauschale in einem Seniorentarifeinmalig 365 Euro
Altvertrag ohne Umstellung ab dem 75. GeburtstagLeistungen um 50 Prozent gekürzt

Stand Oktober 2026. Der Wert für 75 Jahre ist ein Richtwert aus der Angebotspraxis, die übrigen Zahlen stammen aus den genannten Quellen. Prämien sind je nach Bundesland, Alter und Bausteinen verschieden; das genaue Angebot holen wir ein.

Rechenbeispiel

Witwe, 76 Jahre, allein in Graz, Sohn lebt in Wien

Sie stürzt im Stiegenhaus und bricht sich das Handgelenk. Ihr Vertrag stammt aus dem Berufsleben, der 75. Geburtstag ist vorbei.

Behandlungüber die Krankenversicherung
Gesetzliche Unfallversicherungnicht zuständig, sie ist in Pension
Pflegegeldnein, der Bedarf dauert keine sechs Monate
Altvertrag ohne UmstellungLeistung um 50 Prozent gekürzt, keine Hilfeleistung
Mit SeniorentarifKnochenbruchpauschale und Haushaltshilfe für einige Wochen

Für sie hätte sich die rechtzeitige Umstellung auf einen Seniorentarif gelohnt, vor allem wegen der Hilfe im Alltag. Wohnte der Sohn nebenan, wäre der Nutzen klein.

Was sich mit der Pension ändert

Solange Sie gearbeitet haben, waren Sie auf dem Arbeitsweg und im Betrieb über die AUVA versichert. Mit dem Pensionsantritt fällt dieser Schutz weg. Ein Sturz im Garten oder auf der Stiege ist dann ein Fall für die Krankenversicherung: Behandlung ja, Geld für die Folgen nein.

Ein Einkommen, das ein Unfall gefährden könnte, haben Sie in der Pension nicht mehr. Was sich ändert, ist der Alltag. Nach einem Oberschenkelhalsbruch können viele Menschen wochenlang weder einkaufen noch putzen. Seniorentarife setzen deshalb auf Hilfeleistungen wie Haushaltshilfe, Essen auf Rädern, Begleitung zum Arzt und Notruf.

LebenslagePolizze sinnvoll?Warum
Allein lebend, keine Familie in der Näheoft jaHilfe im Alltag fehlt sonst
Paar, beide noch rüstigeher neineiner hilft dem anderen
Kinder wohnen nah und helfenmeist neinHilfe ist ohnehin da
Hohe Rücklagenmeist neinHilfe lässt sich selbst bezahlen
Bereits Pflegegeld bezogenseltender Pflegebedarf ist schon abgedeckt
Aktiv mit E-Bike, Wandern, Schifahreneher jahöheres Risiko schwerer Verletzungen

Die Falle im alten Vertrag: 75. Geburtstag

Viele Polizzen aus dem Berufsleben enthalten eine Altersklausel. Bei einem Anbieter werden ab dem 75. Geburtstag sämtliche Leistungen um 50 Prozent gekürzt, und Unfallrente und Progression entfallen, wenn Sie nicht auf einen Seniorentarif umstellen. Sie werden dazu vorher angeschrieben und dürfen dann ohne Frist kündigen.

Lesen Sie dieses Schreiben genau. Wer einfach weiterzahlt, zahlt oft fast gleich viel für den halben Schutz.

Wo die Grenzen liegen

Die Polizze zahlt nur nach einem Unfall. Ein Schlaganfall oder eine Krankheit sind kein Unfall. Manche Seniorentarife schließen aber Stürze infolge eines Schlaganfalls, Herzinfarkts oder einer Kreislaufschwäche ausdrücklich ein. Genau darauf sollten Sie achten.

Haben Vorerkrankungen oder Abnützung den Schaden mitverursacht, kürzen viele Bedingungen die Leistung. Das trifft Ältere häufiger. Gute Tarife ziehen erst ab einem hohen Mitwirkungsanteil etwas ab.

Was es ohne Polizze gibt

Das Pflegegeld hilft, wenn der Pflegebedarf voraussichtlich mindestens sechs Monate dauert und mehr als 65 Stunden im Monat beträgt. Für die ersten Wochen nach einem Bruch greift es deshalb meist nicht.

Heimhilfe und mobile Dienste der Länder und Sozialorganisationen gibt es, je nach Bundesland mit Selbstbehalt und Wartezeit. Diese Lücke in den ersten Monaten schließt ein Seniorentarif, wenn niemand einspringt.

Wann Sie keine Polizze brauchen

Wenn Kinder oder Partner im Ernstfall helfen, genug Erspartes für Hilfe und einen Umbau da ist und Sie keine riskanten Hobbys haben, ist der Nutzen klein. Dann ist die Prämie besser gespart.

Schritt für Schritt

  1. Ehrlich klären, wer Ihnen nach einem Sturz einige Wochen im Alltag helfen würde.
  2. Den bestehenden Vertrag auf eine Altersklausel um den 75. Geburtstag prüfen.
  3. Hilfeleistungen mit Kostenübernahme statt bloßer Vermittlung wählen.
  4. Auf Einschluss von Stürzen durch Kreislaufschwäche, Herzinfarkt oder Schlaganfall achten.
  5. Unfallrente und hohe Progression aus dem Berufsleben streichen, wenn sie die Prämie treiben.

Checkliste

  • Keine Kürzung ab einem bestimmten Alter oder rechtzeitige Umstellung
  • Haushalts- und Pflegehilfe werden bezahlt, nicht nur vermittelt
  • Stürze nach Kreislaufschwäche oder Schlaganfall eingeschlossen
  • Abzug für Mitwirkung von Krankheiten erst ab hohem Anteil
  • Knochenbruchpauschale oder Spitalgeld, wenn Ihnen schnelle Hilfe wichtig ist
  • Notruf rund um die Uhr erreichbar

Häufige Fehler

  • Das Schreiben zur Kürzung mit 75 ungelesen ablegen
  • Glauben, die AUVA sei in der Pension weiter zuständig
  • Den Altvertrag mit Unfallrente und hoher Progression unverändert weiterzahlen
  • Eine Unfallversicherung für eine Pflegevorsorge halten

Fragen und Antworten

Häufig gefragt

Bin ich als Pensionist gesetzlich unfallversichert?

Grundsätzlich nicht. Ausnahmen gibt es bei bestimmten Tätigkeiten, etwa bei der freiwilligen Feuerwehr oder im Rettungsdienst.

Bis zu welchem Alter bekomme ich noch eine neue Polizze?

Das ist je Anbieter verschieden. Manche nehmen nur bis 60 auf, Seniorenvarianten gibt es bis etwa 80 Jahre.

Was passiert mit meinem Vertrag mit 75?

Manche Verträge kürzen ab dann die Leistung um die Hälfte. Steht so eine Klausel drin, werden Sie vorher angeschrieben und können umstellen oder kündigen.

Zahlt die Polizze bei einem Sturz ohne fremde Einwirkung?

Ja, ein Sturz ist ein Unfall. Ging ihm eine Krankheit voraus, hängt es vom Tarif ab, ob und wie viel gezahlt wird.

Ersetzt die Unfallversicherung eine Pflegevorsorge?

Nein. Die meisten Pflegefälle entstehen durch Krankheit, nicht durch einen Unfall.

Soll ich meinen alten Vertrag kündigen?

Nicht vorschnell. Prüfen Sie erst, ob eine Umstellung auf einen Seniorentarif günstiger ist als ein neuer Vertrag.

Quellen

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