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Was das CE-Schild am Boot im Schadenfall bedeutet
Am Niedergang oder im Heck sitzt ein kleines Schild, das kaum jemand liest. Was es über Ihr Boot sagt und wann es im Schadenfall auf den Tisch kommt.
19. Oktober 20267 min LesezeitNAMMERT Assekuradeur GmbH
Was das CE-Schild am Boot bedeutet, wissen viele Eigner nur ungefähr. Es sitzt meist unauffällig im Cockpit oder am Spiegel, trägt die CE-Kennzeichnung und die Entwurfskategorie und wird beim Kauf einmal abgehakt. Im Schadenfall kann es plötzlich wieder auf dem Tisch liegen, ob bei der Segelyacht am Attersee, beim Motorboot auf der Donau oder bei der Charteryacht an der Adria.
Der Anlass ist eine Meldung aus unserer Branchenrubrik. Die EU-Kommission hat am 6. Oktober 2026 eine neue Regelung der europäischen Normung vorgeschlagen. Harmonisierte Normen, auf die EU-Recht verweist, sollen frei lesbar werden, und eine Norm soll nach Schätzung der Kommission in vier statt sechs Jahren fertig sein. Für Boote betrifft das die Normen zur Sportbootrichtlinie 2013/53/EU, die in Österreich genauso gilt wie in Deutschland. Entschieden ist noch nichts, Parlament und Rat beraten.
Was das Schild zeigen muss, steht in Anhang I der Richtlinie: Hersteller oder Marke mit Kontaktanschrift, CE-Kennzeichnung, Entwurfskategorie, empfohlene Höchstzuladung und empfohlene Höchstzahl an Personen. Die Kategorien sind nach Wind und Welle gestaffelt. A gilt für mehr als Windstärke 8 und über 4 Meter signifikante Wellenhöhe, B bis Windstärke 8 und 4 Meter, C bis Windstärke 6 und 2 Meter, D bis Windstärke 4 und 0,3 Meter, gelegentlich 0,5 Meter. Ein Boot der Kategorie D ist für ruhige Tage am Traunsee gebaut, nicht für die offene Adria. Die höchste zulässige Motorleistung steht im Handbuch für den Eigner.
Für die Polizze heißt das zunächst: weniger, als man vermutet. In unseren Kaskobedingungen ist die CE-Kennzeichnung keine Bedingung für die Deckung, und die Entwurfskategorie ist nicht an das Fahrtgebiet gekoppelt, das in der Polizze steht (A-2.1.1). Ein älterer Klassiker ohne Schild ist deshalb nicht schlechter gestellt. Nur eine Klausel nennt die CE-Kennzeichnung ausdrücklich, die für Elektro- und Hybridboote: Ist das Boot als solches dokumentiert, sind Schäden bei nicht CE-zertifizierten Antriebssystemen ausgeschlossen (Basis A-10.3, Basis Plus und Premium A-11.3).
Indirekt kommt das Schild trotzdem ins Spiel. Alle drei Kaskowerke schließen Schäden durch anfängliche Fahr- und Seeuntüchtigkeit aus (Basis A-5.2 a, Basis Plus und Premium A-6.2 a). Ob ein Boot für eine Fahrt seetüchtig war, beurteilt im Streitfall meist ein Sachverständiger, und Kategorie, Höchstzuladung und Personenzahl sind Anhaltspunkte, die er heranziehen kann. Konstruktions-, Fabrikations- oder Materialfehler sind am betroffenen Teil selbst ausgeschlossen, die unmittelbaren Folgeschäden an versicherten Sachen dagegen mitversichert (Basis A-5.2 d, Basis Plus und Premium A-6.2 d).
Heikel wird es bei Umbauten. Ein stärkerer Außenborder, als das Handbuch zulässt, eine nachgerüstete Gasanlage oder der Wechsel auf Elektroantrieb verändern das Boot gegenüber dem Stand, auf den sich die CE-Kennzeichnung bezieht. Ändert sich dadurch ein Umstand, nach dem vor Vertragsschluss gefragt wurde, kann das eine Gefahrerhöhung sein, die sofort zu melden ist (B-4.1, B-4.2). Die Leistung bleibt, soweit der Eigner nachweist, dass die Änderung für den Schaden nicht ursächlich war (B-4.8). Die Versicherungssumme richtet sich nach dem Gesamtwert des Boots nach seinen Umbauten (Basis A-7.3, Basis Plus und Premium A-8.3).
Und hier hilft der Vorschlag aus Brüssel, wenn er kommt. Heute muss man eine harmonisierte Norm meist kaufen, um nachzulesen, wie eine Gas- oder Elektroanlage an Bord ausgeführt sein muss. Sind die Normen frei lesbar, können Eigner, Bootsbauer und Sachverständige nach einem Umbau oder einem Schaden leichter prüfen, ob das Boot dem Stand entspricht, auf den die CE-Kennzeichnung verweist. An der Polizze selbst ändert sich nichts, und es betrifft Segelyacht, Motorboot, Schlauchboot und Elektroboot gleichermaßen.
Zum Abhaken
Häufige Fragen
Ist ein Boot ohne CE-Schild in der Kasko schlechter gestellt?
Nein, als Bedingung für die Deckung steht die CE-Kennzeichnung nicht in unseren Kaskobedingungen. Ausnahme ist der Antrieb von Elektro- und Hybridbooten: Schäden bei nicht CE-zertifizierten Antriebssystemen sind dort ausgeschlossen.
Darf ich mit einem Boot der Kategorie C an die Adria?
Die Bedingungen koppeln das Fahrtgebiet nicht an die Entwurfskategorie, maßgeblich ist das Fahrtgebiet in der Polizze. Ob das Boot bei den Verhältnissen einer bestimmten Fahrt seetüchtig war, kann im Schadenfall aber eine Rolle spielen.
Muss ich einen neuen, stärkeren Motor melden?
Ja, am besten vor dem Einbau. Eine nicht gemeldete Gefahrerhöhung kann je nach Verschulden die Leistung kürzen oder ausschließen, außer Sie weisen nach, dass sie für den Schaden nicht ursächlich war.
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