Fallende oder gleichbleibende Versicherungssumme in Österreich?
Kurz gesagt
Das entscheidet der Zweck. Für Familie und Unterhalt passt eine gleichbleibende Summe, für einen Wohnkredit mit Annuitätenrate eine fallende. Bei gleicher Anfangssumme kostet die fallende Variante rund 40 bis 52 Prozent weniger. Wichtig ist der Verlauf: eine linear fallende Summe sinkt schneller als die Kreditrestschuld und lässt bei 300.000 Euro im 16. Jahr rund 38.000 Euro offen.
Veröffentlichte Prämienspannen für Österreich, Nichtraucher ohne Vorerkrankungen, inklusive 4 Prozent Versicherungssteuer.
Beispiel
Richtwert
30 Jahre, Nichtraucher, 100.000 Euro, 20 Jahre
etwa 4,51 Euro gleichbleibend gegen 2,70 Euro fallend im Monat, rund 40 Prozent weniger
30 Jahre, Nichtraucher, 300.000 Euro, 20 Jahre
etwa 10,93 Euro gleichbleibend gegen 5,49 Euro fallend im Monat, rund 50 Prozent weniger
30 Jahre, Nichtraucher, 500.000 Euro, 20 Jahre
etwa 17,34 Euro gleichbleibend gegen 8,27 Euro fallend im Monat, rund 52 Prozent weniger
30 Jahre, Nichtraucher, 100.000 Euro fallend, 10 Jahre
etwa 2,39 Euro im Monat, Leistung im 10. Jahr nur noch 10.000 Euro
40 Jahre, Nichtraucher, 300.000 Euro, 20 Jahre
etwa 23 bis 45 Euro gleichbleibend, etwa 12 bis 23 Euro fallend im Monat
35 Jahre, Raucher, 300.000 Euro, 25 Jahre
etwa 55 bis 100 Euro gleichbleibend, etwa 28 bis 50 Euro fallend im Monat
Stand September 2026.
Belegt sind die Beispiele für 30 Jahre mit 20 und 10 Jahren Laufzeit sowie die Ersparnis von rund
40 bis 52 Prozent;
die Werte für 40 Jahre, für Raucher und die Beträge im Rechenbeispiel sind Richtwerte aus der
Angebotspraxis.
Ihre Prämie hängt von Alter, Gesundheit, Beruf und Versicherer ab;
das genaue Angebot holen wir ein.
Rechenbeispiel
Wohnkredit 300.000 Euro, 3,5 Prozent, 30 Jahre
Ein Nichtraucher von 35 Jahren sichert die Kreditrestschuld ab. Was die fallende Variante spart, und was sie im Ernstfall offen lässt.
Prämie gleichbleibend, 300.000 Euro, 30 Jahre
etwa 20 Euro im Monat
Prämie linear fallend, gleiche Anfangssumme
etwa 10 Euro im Monat
Ersparnis über die ganze Laufzeit
etwa 10 Euro im Monat, zusammen rund 3.600 Euro
Ableben im 16. Jahr, Restschuld der Bank
etwa 178.100 Euro
Leistung der linear fallenden Polizze
140.000 Euro
Fehlbetrag für die Hinterbliebenen
etwa 38.100 Euro
Prämie annuitätisch fallend statt linear
etwa 11 Euro im Monat, Leistung im 16. Jahr etwa 178.100 Euro
Die linear fallende Polizze spart rund 3.600 Euro Prämie, lässt aber im 16. Jahr etwa 38.100 Euro Restschuld offen. Die annuitätisch fallende kostet etwa 360 Euro mehr über die Laufzeit und schließt genau diese Lücke.
Der Vergleich in Zahlen
In Österreich heißt der Vertrag Ablebensversicherung oder Risikoablebensversicherung. Die Variante für den Kredit wird oft als Kreditrestschuldversicherung angeboten, gelegentlich auch von der Bank selbst. Die Prämie bleibt in beiden Fällen über die Laufzeit gleich, die Leistung nicht.
Veröffentlichte Beispiele für eine 30 Jahre alte Büroangestellte, Nichtraucherin, 20 Jahre Laufzeit, zeigen den Abstand deutlich. Je größer die Summe, desto größer der Vorteil der fallenden Variante. Alle Beträge enthalten die 4 Prozent Versicherungssteuer.
Anfangssumme
Gleichbleibend
Fallend
Ersparnis
100.000 Euro
etwa 4,51 Euro im Monat
etwa 2,70 Euro im Monat
rund 40 Prozent
300.000 Euro
etwa 10,93 Euro im Monat
etwa 5,49 Euro im Monat
rund 50 Prozent
500.000 Euro
etwa 17,34 Euro im Monat
etwa 8,27 Euro im Monat
rund 52 Prozent
Wann gleichbleibend und wann fallend
Gleichbleibend gehört dorthin, wo der Bedarf nicht sinkt: Kinder, Unterhalt nach einer Trennung, ein Partner mit deutlich weniger Einkommen, eine Reserve für die Erbschaft oder die Absicherung eines Geschäftspartners, dessen Anteil im Ernstfall gekauft werden muss. Eine Erbschaftssteuer gibt es in Österreich nicht, wohl aber Notar, Gericht und Grunderwerbsteuer beim Übergang der Immobilie.
Fallend gehört praktisch nur zum Kredit. Wenn nach zwanzig Jahren nur noch 136.000 Euro offen sind, muss die Polizze auch nur noch 136.000 Euro zahlen. Wer hier gleichbleibend wählt, zahlt Prämie für Schutz, den niemand mehr braucht.
Die Lücke, die kaum jemand nennt
Der entscheidende Punkt ist nicht fallend gegen gleichbleibend, sondern der Verlauf. Bei einem Annuitätenkredit tilgen Sie am Anfang langsam, weil ein großer Teil der Rate Zinsen sind. Eine linear fallende Summe sinkt dagegen jedes Jahr um denselben Betrag. In den mittleren Jahren entsteht deshalb eine Lücke zwischen dem, was die Bank noch fordert, und dem, was die Polizze zahlt.
Die Tabelle zeigt das für 300.000 Euro zu 3,5 Prozent über 30 Jahre. Die annuitätisch fallende Summe folgt der Restschuld und trifft sie in jedem Jahr; die linear fallende liegt im 16. Jahr rund 38.000 Euro darunter. Fragen Sie deshalb ausdrücklich nach dem annuitätisch fallenden Verlauf, nicht nur nach einer fallenden Summe.
Jahr
Kreditrestschuld
Summe linear fallend
Summe annuitätisch fallend
Differenz linear zur Restschuld
1
294.200 Euro
290.000 Euro
294.200 Euro
4.200 Euro
5
268.800 Euro
250.000 Euro
268.800 Euro
18.800 Euro
10
231.800 Euro
200.000 Euro
231.800 Euro
31.800 Euro
15
187.800 Euro
150.000 Euro
187.800 Euro
37.800 Euro
16
178.100 Euro
140.000 Euro
178.100 Euro
38.100 Euro
20
135.700 Euro
100.000 Euro
135.700 Euro
35.700 Euro
25
73.600 Euro
50.000 Euro
73.600 Euro
23.600 Euro
Sondertilgung, Ratenpause und neue Zinsperiode
Der Verlauf steht bei Vertragsabschluss fest, Ihr Kredit läuft aber anders als geplant. Nach einer Sondertilgung ist die Restschuld niedriger als die Versicherungssumme, Sie zahlen also Prämie ohne Bedarf. Eine Ratenpause wirkt umgekehrt: die Restschuld bleibt stehen, die Summe sinkt weiter, die Lücke wächst.
Viele Wohnkredite in Österreich laufen variabel oder mit kurzer Fixzinsperiode. Ändert sich der Zinssatz, ändert sich der Tilgungsverlauf, und zwar bei steigenden Zinsen zu Ihren Lasten: die Rate geht stärker in die Zinsen, die Restschuld sinkt langsamer, die fallende Summe nicht. Sehen Sie nach jeder Zinsanpassung nach.
Die Mischlösung ist oft die billigste
Trennen Sie die Zwecke und nehmen Sie zwei Polizzen: eine gleichbleibende über den Familienbedarf und eine annuitätisch fallende über den Kredit. Das ist meist günstiger als eine einzige große gleichbleibende Summe, weil nur der kleinere Teil den teuren Tarif trägt.
Beispiel für einen Nichtraucher von 35 Jahren mit 100.000 Euro Familienbedarf und 300.000 Euro Restschuld: eine gleichbleibende Summe über 400.000 Euro kostet als Richtwert etwa 26 Euro im Monat. Die Kombination aus 100.000 Euro gleichbleibend (etwa 7 Euro) und 300.000 Euro annuitätisch fallend (etwa 11 Euro) kostet etwa 18 Euro. Gleicher Schutz am ersten Tag, rund 30 Prozent weniger Prämie.
Schritt für Schritt
Zwecke trennen: was hängt am Wohnkredit, was an Familie und Unterhalt?
Tilgungsplan der Bank anfordern und die Restschuld je Jahr ablesen.
Für den Kreditteil ausdrücklich eine annuitätisch fallende Summe verlangen.
Für den Familienteil eine gleichbleibende Summe wählen, Laufzeit bis die Kinder selbstständig sind.
Beide Varianten mit gleicher Anfangssumme gegenrechnen und die Prämie über die volle Laufzeit summieren.
Checkliste
Tilgungsplan liegt vor und ist mit dem Summenverlauf verglichen
Bei linear fallender Summe ist die Lücke in den mittleren Jahren bekannt und akzeptiert
Sondertilgungen und das Ende der Fixzinsperiode sind eingeplant
Familienbedarf getrennt vom Kreditbedarf abgesichert
Nachversicherungsgarantie ohne neue Gesundheitsprüfung vereinbart
Bezugsberechtigung in der Polizze eingetragen und nicht an die Bank abgetreten, wenn das nicht nötig ist
Häufige Fehler
Eine linear fallende Summe für einen Annuitätenkredit nehmen und die Lücke in den mittleren Jahren übersehen
Die ganze Absicherung fallend wählen, obwohl Kinder und Unterhalt am Ende genauso viel Geld brauchen wie am Anfang
Nach einer Sondertilgung oder einer Zinsanpassung den Summenverlauf nicht nachsehen
Die Kreditrestschuldversicherung der Bank ohne Vergleich unterschreiben, weil sie beim Kreditgespräch mitangeboten wird
Fragen und Antworten
Häufig gefragt
Was ist der Unterschied zwischen linear und annuitätisch fallend?
Linear fallend sinkt die Summe jedes Jahr um denselben Betrag.
Annuitätisch fallend folgt sie dem Tilgungsplan Ihres Kredits und rechnet die Zinsen mit ein.
Bei einem Annuitätenkredit trifft nur die zweite Variante die Restschuld.
Wie viel spart die fallende Summe in Österreich?
Bei gleicher Anfangssumme rund 40 bis 52 Prozent.
Bei 300.000 Euro über 20 Jahre sind das im veröffentlichten Beispiel 5,49 statt 10,93 Euro im
Monat.
Muss ich die Versicherung bei der Bank abschließen?
Nein.
Die Bank kann eine Absicherung zur Bedingung für den Kredit machen, nicht aber ihre eigene Polizze.
Sie dürfen den Anbieter frei wählen.
Was passiert bei einer Sondertilgung?
Die Restschuld fällt schneller als die Versicherungssumme.
Dann zahlen Sie Prämie für Schutz ohne Bedarf und sollten die Summe senken.
Ist die Prämie steuerlich absetzbar?
Nein, seit 2021 ist die Topf-Sonderausgabe entfallen.
In der Prämie stecken 4 Prozent Versicherungssteuer.
Kann ich später von fallend auf gleichbleibend wechseln?
Nur wenn der Vertrag das vorsieht.
Sonst braucht es einen neuen Vertrag mit neuer Gesundheitsprüfung,
und die ist mit den Jahren teurer und schwieriger.
Lohnt sich die Mischlösung aus zwei Polizzen?
Oft ja.
Ein gleichbleibender Grundschutz plus eine annuitätisch fallende Polizze für den Kredit kostet in
unserem Beispiel rund 30 Prozent weniger als eine einzige große gleichbleibende Summe.