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Braucht mein Kind in Österreich eine Unfallversicherung?

Kurz gesagt

Sinnvoll ja, wichtigster Schutz nein. Die AUVA versichert Schulkinder und Kindergartenkinder im letzten Jahr vor der Schulpflicht, dazu den Weg dorthin. Freizeit, Haushalt und Sportverein bleiben offen. Eine private Kinderunfallversicherung gibt es ab etwa 50 Euro im Jahr, in einer Schülergruppenpolizze schon ab 7,90 Euro. Sie zahlt aber nur nach Unfällen, nie bei Krankheit.

Braucht mein Kind in Österreich eine Unfallversicherung?

Was es kostet

Öffentlich genannte Prämien für Österreich, Stand 2026, dazu die Größenordnung der Auszahlung.

BeispielRichtwert
Kinderunfallversicherung, Versicherungssumme 100.000 Euro mit Progressionab etwa 50 Euro im Jahr, rund 4 Euro im Monat
Schülerunfallversicherung als Gruppenpolizze über die Schuleab etwa 7,90 Euro für ein Schuljahr, mit kleinen Summen
Familienpaket mit zwei Kindern, 150.000 Euro, 600 Prozent Progressionab etwa 240 Euro im Jahr
Erwachsener zum Vergleich, mittlerer Umfangetwa 150 bis 300 Euro im Jahr
Bergungskosten in einem guten Unfalltarif15.000 bis 30.000 Euro Deckung
Auszahlung bei Invaliditätsgrad 25 Prozent, Summe 150.000 Euroetwa 37.500 Euro, die Progression greift hier noch nicht
Auszahlung bei Invaliditätsgrad 50 Prozent, Summe 150.000 Euro, 350 Prozent Progressionrund 150.000 Euro, je nach Tabelle etwas darüber oder darunter
Auszahlung bei Invaliditätsgrad 100 Prozent, Summe 150.000 Euro, 350 Prozent Progression525.000 Euro

Richtwerte, Stand September 2026, aus öffentlich genannten Beispielen und einem veröffentlichten Test. Die Auszahlung bei 25 und bei 50 Prozent ist ein Richtwert aus der Angebotspraxis, weil jede Progressionstabelle anders verläuft; nur der Wert bei 100 Prozent ergibt sich direkt aus der Progression. Ihre Prämie hängt von Summe, Progression und Bausteinen ab; das genaue Angebot holen wir ein.

Rechenbeispiel

Kind, 6 Jahre, Versicherungssumme 150.000 Euro

Was bei einem Invaliditätsgrad von 50 Prozent gezahlt würde, und was diese Summe über ein Leben gerechnet wert ist.

Versicherungssumme150.000 Euro
Progression350 Prozent, höchstens 525.000 Euro
Festgestellter Invaliditätsgrad50 Prozent
Leistungrund 150.000 Euro (Richtwert aus der Angebotspraxis)
Bergungskosten im Tarifbis 20.000 Euro, gerechnet mit einem Helikoptereinsatz von rund 4.984 Euro
Prämieab etwa 50 Euro im Jahr
Gegenrechnung über 80 Jahre150.000 Euro geteilt durch 960 Monate sind etwa 156 Euro im Monat

Die Summe klingt groß und ist es nicht: über ein ganzes Leben verteilt bleibt ein Zuschuss von etwa 156 Euro im Monat, dazu die erhöhte Familienbeihilfe von 189,20 Euro. Deshalb ist die hohe Versicherungssumme wichtiger als jeder Zusatzbaustein. Und wäre die Ursache eine Krankheit, zahlte diese Polizze keinen Euro.

Wo die AUVA zahlt, und wo nicht

Schülerinnen und Schüler sind über die AUVA gesetzlich unfallversichert, dazu auf dem Schulweg, bei Wandertagen und Schulveranstaltungen. Ein Punkt wird dabei fast immer übersehen: im Kindergarten besteht dieser Schutz nur im letzten Jahr vor der Schulpflicht, dem verpflichtenden Kindergartenjahr. Für die Jahre davor gibt es ihn nicht.

Für Freizeit, Haushalt und den Sportverein außerhalb der Schule gibt es keine gesetzliche Invaliditätsleistung. Die Krankenbehandlung übernimmt die Gesundheitskasse, das Geld für eine dauerhafte Folge kommt von dort nicht. Genau dort passiert der größte Teil der Unfälle bei Kindern, nämlich zu Hause, beim Spielen und beim Sport. Eine private Polizze gilt dagegen rund um die Uhr, auch im Ausland.

Der Punkt, den viele Ratgeber weglassen

Eine Unfallversicherung deckt den kleineren Teil des Risikos. Die häufigste Ursache für eine dauerhafte schwere Beeinträchtigung bei Kindern ist nicht der Unfall, sondern die Krankheit oder eine angeborene Ursache. Österreich veröffentlicht dazu keine so klare Aufteilung; das deutsche Statistische Bundesamt beziffert den Anteil der Krankheit an den schweren Behinderungen mit rund 90 Prozent, angeboren oder im ersten Lebensjahr entstanden mit etwa 3 Prozent und Unfall oder Berufskrankheit mit etwa 1 Prozent. An der Struktur ändert die Grenze nichts.

Wer diesen Teil absichern will, braucht eine Vorsorge, die nicht nach der Ursache fragt. In Österreich läuft das über eine Invaliditätsvorsorge oder eine Vorsorge für schwere Krankheiten; solche Verträge sind hier weniger verbreitet als in Deutschland, deutlich teurer und immer mit Gesundheitsfragen verbunden. Die staatliche Seite ist die erhöhte Familienbeihilfe: ab 1. Jänner 2026 monatlich 189,20 Euro zusätzlich zur Familienbeihilfe, ab einem Grad der Behinderung von 50 Prozent, unabhängig davon, ob die Ursache Unfall oder Krankheit war. Das ersetzt keine Absicherung, aber es gehört in die Rechnung.

Die drei Wege nebeneinander

Die Tabelle zeigt, welches Risiko welcher Schutz trägt. Der Zusammenhang ist einfach: die Unfallversicherung ist billig, weil sie wenig abdeckt, und eine Vorsorge ohne Rücksicht auf die Ursache ist teuer, weil sie viel abdeckt.

Angeborene Beeinträchtigungen und Krankheiten, die beim Abschluss bereits bekannt sind, bleiben in privaten Verträgen in der Regel außen vor. Deshalb muss der Abschluss früh und im gesunden Zustand passieren und nicht nach der ersten Diagnose.

RisikoAUVAPrivate UnfallversicherungVorsorge für schwere Krankheiten
Unfall in der Schule oder am Schulwegzahltzahltnein, sie zahlt nur bei genannten Diagnosen
Unfall im letzten Kindergartenjahrzahltzahltnein
Unfall im Kindergarten vor dem letzten Jahrzahlt nichtzahltnein
Unfall zu Hause, in der Freizeit, im Sportvereinzahlt nichtzahltnein
Bergung am Berg nach einem Freizeitunfallzahlt nichtzahlt bis zur vereinbarten Summenein
Schwere Krankheit, etwa Krebs oder Diabeteszahlt nichtzahlt nichtzahlt bei den genannten Diagnosen
Gesundheitsfragen beim Abschlusskeinewenige oder keineumfangreich
Prämie im Jahrkeine eigene Prämieab etwa 50 Euroein Mehrfaches davon

Was beim Kind anders ist

Ein Kind hat keine Berufsgruppe, und die Berufsgruppe ist beim Erwachsenen der stärkste Preistreiber. Deshalb ist die Prämie klein, und deshalb ist es unsinnig, an der Versicherungssumme zu sparen. Für Erwachsene gilt als Richtwert das Sechsfache des Bruttojahreseinkommens; ein Kind hat kein Einkommen, also zählt die absolute Summe: 100.000 Euro sind die Untergrenze, 200.000 bis 300.000 Euro sind der ehrliche Ansatz. Ein Kind mit dauerhafter Beeinträchtigung hat ein ganzes Leben vor sich. Progression von 225 bis 350 Prozent gehört dazu, angeboten wird auch 500 Prozent.

Bergungskosten sind in Österreich kein Nebensatz, sondern ein realer Posten. Ein Helikoptereinsatz kostete 2023 im Schnitt rund 4.984 Euro, und nach einem Freizeitunfall im alpinen Gelände zahlt die Gesundheitskasse das grundsätzlich nicht. Gute Unfalltarife enthalten 15.000 bis 30.000 Euro; eine Alpenvereinsmitgliedschaft für rund 62 Euro im Jahr deckt Bergungskosten bis 25.000 Euro, bei den Naturfreunden sind es für rund 52 Euro bis zu 30.000 Euro. Wer ohnehin in den Bergen unterwegs ist, hat hier zwei Wege und braucht nicht beide doppelt.

Worauf in der Polizze zu achten ist, und wann Sie sie nicht brauchen

Vier Punkte entscheiden über den Wert: Bergungs- und Rettungskosten mit ausreichender Summe, kosmetische Operationen samt Zahnersatz nach einem Unfall, Infektionen nach einem Zeckenbiss ausdrücklich eingeschlossen, und die Mitwirkung von Krankheiten erst ab einem hohen Anteil angerechnet oder ganz ausgeschlossen. Die Todesfallsumme ist dagegen der falsche Posten: sie deckt eine Beerdigung und ersetzt kein Einkommen, denn ein Kind hat keines, und die Bedingungen deckeln sie bei Minderjährigen ohnehin.

Nicht nötig ist die Polizze, wenn das Kind über eine Familienunfallversicherung schon mitversichert ist, wenn die Beeinträchtigung bereits festgestellt wurde, denn dann zahlt keine private Vorsorge mehr, und wenn das Geld nur für einen Vertrag reicht: dann ist die Vorsorge ohne Rücksicht auf die Ursache die bessere Wahl. Und eine Spar- oder Ausbildungspolizze mit ein paar Euro Unfallschutz obendrauf ist keine Absicherung. Sparen und Versichern gehören getrennt.

Schritt für Schritt

  1. Nachsehen, wo Ihr Kind schon über die AUVA versichert ist: Schule, Schulweg, Schulveranstaltungen, Kindergarten nur im letzten Jahr.
  2. Eine Vorsorge ohne Rücksicht auf die Ursache anfragen, solange das Kind gesund ist, denn dort entscheiden die Gesundheitsfragen über die Annahme.
  3. Bei der Unfallversicherung die Versicherungssumme ab 100.000 Euro ansetzen, besser 200.000 bis 300.000 Euro, dazu 225 bis 350 Prozent Progression.
  4. Bergungskosten prüfen und mit einer Alpenvereins- oder Naturfreundemitgliedschaft abgleichen, damit Sie nicht zweimal dasselbe zahlen.
  5. Kosmetische Operationen, Infektionen nach Zeckenbiss und die Mitwirkung von Krankheiten in der Polizze nachlesen und die Todesfallsumme klein halten.

Checkliste

  • Versicherungssumme mindestens 100.000 Euro, beim Kind besser 200.000 bis 300.000 Euro
  • Progression 225 bis 350 Prozent eingeschlossen
  • Bergungs- und Rettungskosten mit mindestens 20.000 Euro
  • Mitwirkung von Krankheiten erst ab hohem Anteil angerechnet oder ausgeschlossen
  • Kosmetische Operationen und Zahnersatz nach einem Unfall enthalten
  • Infektionen nach einem Zeckenbiss ausdrücklich eingeschlossen
  • Keine hohe Todesfallsumme, das Geld gehört in die Versicherungssumme

Häufige Fehler

  • Glauben, das Kind sei im Kindergarten von Anfang an über die AUVA versichert
  • Die Unfallversicherung für den vollen Schutz halten und die Ursache nie hinterfragen
  • Eine niedrige Versicherungssumme wählen, weil die Prämie dann angenehm klein aussieht
  • Bergungskosten übersehen, obwohl die Familie regelmäßig in den Bergen unterwegs ist
  • Eine Spar- oder Ausbildungspolizze mit ein paar Euro Unfallschutz für Absicherung halten

Fragen und Antworten

Häufig gefragt

Ist mein Kind im Kindergarten über die AUVA versichert?

Nur im letzten Jahr vor der Schulpflicht, dem verpflichtenden Kindergartenjahr. Für die Jahre davor besteht dieser gesetzliche Schutz nicht.

Zahlt die AUVA bei einem Freizeitunfall?

Nein. Für Unfälle in Freizeit, Haushalt und Sportverein gibt es keine gesetzliche Invaliditätsleistung. Die Krankenbehandlung übernimmt die Gesundheitskasse.

Wer zahlt eine Hubschrauberbergung?

Nach einem Freizeitunfall im alpinen Gelände grundsätzlich nicht die Gesundheitskasse. Ein Einsatz kostete 2023 im Schnitt rund 4.984 Euro, deshalb gehören Bergungskosten in die Polizze oder in eine Alpenvereinsmitgliedschaft.

Was kostet eine Unfallversicherung für ein Kind?

Ab etwa 50 Euro im Jahr, also rund 4 Euro im Monat. Eine Schülergruppenpolizze gibt es ab etwa 7,90 Euro im Jahr, dafür mit deutlich kleineren Summen.

Gibt es in Österreich eine Kinderinvaliditätsversicherung?

Eine Vorsorge, die unabhängig von der Ursache zahlt, ist hier weniger verbreitet als in Deutschland und läuft meist als Invaliditätsvorsorge oder Vorsorge für schwere Krankheiten. Sie kostet ein Mehrfaches und stellt umfangreiche Gesundheitsfragen.

Was bekommen Eltern vom Staat?

Ab einem Grad der Behinderung von 50 Prozent die erhöhte Familienbeihilfe, ab 1. Jänner 2026 monatlich 189,20 Euro zusätzlich zur Familienbeihilfe, unabhängig von der Ursache.

Ist eine Unfallversicherung für Kinder Pflicht?

Nein. Und wenn eine Beeinträchtigung bereits festgestellt ist, hilft keine private Vorsorge mehr weiter.

Quellen

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