Was ist der Unterschied zwischen gesetzlicher und privater Unfallversicherung in Österreich?
Kurz gesagt
Die gesetzliche Unfallversicherung der AUVA greift nur bei Arbeit, Schule, Studium und auf dem Weg dorthin. Sie zahlt Heilbehandlung, Rehabilitation und ab 20 Prozent Minderung der Erwerbsfähigkeit eine Versehrtenrente, den Beitrag von 1,1 Prozent trägt der Dienstgeber allein. Die private Polizze gilt rund um die Uhr und weltweit und zahlt eine einmalige Summe, für Erwachsene oft ab etwa 170 Euro im Jahr.
Prämien aus veröffentlichten österreichischen Angebotsbeispielen, dazu der gesetzliche Beitrag und die Größenordnung der Versehrtenrente.
Beispiel
Richtwert
Angestellter, 32 Jahre, Polizze mit 350.000 Euro Höchstleistung bei Dauerinvalidität
etwa 170 bis 220 Euro im Jahr
Arbeitnehmer, 63 Jahre, Polizze mit 350.000 Euro Höchstleistung
etwa 300 bis 350 Euro im Jahr
Selbstständiger, 42 Jahre, 500.000 Euro Höchstleistung mit monatlicher Unfallrente
etwa 350 bis 450 Euro im Jahr
Familie mit zwei Kindern, je 350.000 Euro Höchstleistung
etwa 650 bis 750 Euro im Jahr für alle vier
Gesetzlicher Unfallversicherungsbeitrag, den der Dienstgeber allein trägt
1,1 Prozent der Beitragsgrundlage, Höchstbeitragsgrundlage 2026: 6.930 Euro im Monat
Versehrtenrente bei 20 Prozent Minderung und 45.000 Euro Bemessungsgrundlage
rund 6.000 Euro im Jahr
Richtwerte, Stand September 2026.
Die Prämien stammen aus öffentlich genannten österreichischen Angebotsbeispielen,
die Versehrtenrente ist mit zwei Dritteln der Bemessungsgrundlage und dem Grad der Minderung der
Erwerbsfähigkeit gerechnet.
Ihre Prämie hängt von Alter, Beruf, Hobbys und Summe ab; das genaue Angebot holen wir ein.
Rechenbeispiel
Derselbe Sturz mit dem Rad, einmal montags, einmal sonntags
Angestellte, 38 Jahre, Bemessungsgrundlage 45.000 Euro im Jahr, private Polizze mit 100.000 Euro Grundsumme und 350 Prozent Progression, also bis zu 350.000 Euro. Es bleibt ein dauerhafter Schaden am Bein.
Fall 1: Sturz auf dem direkten Weg in die Arbeit
Wegunfall, die gesetzliche Unfallversicherung ist zuständig
Heilbehandlung und Rehabilitation
aus der gesetzlichen Unfallversicherung, ohne Selbstbehalt
Minderung der Erwerbsfähigkeit
20 Prozent
Versehrtenrente
zwei Drittel von 45.000 Euro sind 30.000 Euro, davon 20 Prozent: rund 6.000 Euro im Jahr, laufend
Einmalige Summe aus der gesetzlichen
keine, sie zahlt laufend statt auf einmal
Private Polizze im Fall 1
zahlt zusätzlich, sie fragt nicht, wo der Unfall passiert ist
Fall 2: derselbe Sturz auf der Sonntagsrunde
kein Fall für die gesetzliche Unfallversicherung
Behandlung
über die Krankenversicherung, mit den üblichen Selbstbehalten
Gesetzliche Rente
0 Euro
Private Leistung bei 40 Prozent Dauerinvalidität
je nach Progressionstabelle etwa 40.000 bis 55.000 Euro einmalig
Im ersten Fall fließt Geld laufend, aber kein Kapital für den Umbau von Bad und Auto. Im zweiten Fall kommt nur etwas, wenn Sie privat versichert sind: etwa 40.000 bis 55.000 Euro einmalig, dafür keine Rente. Die beiden Systeme ersetzen sich nicht, sie schließen verschiedene Lücken.
Der Geltungsbereich entscheidet fast alles
Die gesetzliche Unfallversicherung versichert nicht Ihr Leben, sondern Ihre Tätigkeit. Dienstnehmerinnen und Dienstnehmer sind bei der AUVA versichert, Selbstständige und Bäuerinnen und Bauern bei der SVS. Österreich zieht den Kreis weiter als manche Nachbarländer: Schülerinnen, Schüler und Studierende sind ebenfalls gesetzlich unfallversichert, allerdings nur für Schule, Hochschule und den Weg dorthin.
Die private Unfallversicherung fragt nicht, was Sie gerade getan haben. Sie gilt rund um die Uhr und weltweit, beim Schifahren, im Garten, auf der Kellerstiege und im Urlaub. Und dort passiert der größte Teil aller Unfälle: Freizeit und Haushalt sind genau die Bereiche, in die die gesetzliche nicht hineinreicht.
AUVA und private Polizze Merkmal für Merkmal
Beide Systeme messen denselben Körperschaden mit verschiedenen Maßstäben. Die gesetzliche rechnet in Minderung der Erwerbsfähigkeit: wie viel vom allgemeinen Arbeitsmarkt bleibt Ihnen noch. Die private rechnet in Invaliditätsgrad nach einer Gliedertaxe, also einer Tabelle, die jedem Körperteil einen festen Prozentsatz zuordnet.
Deshalb lassen sich die beiden Zahlen nicht gleichsetzen. Derselbe Schaden am Bein kann gesetzlich 20 Prozent Minderung der Erwerbsfähigkeit und in der Polizze 40 Prozent Dauerinvalidität bedeuten.
Merkmal
Gesetzliche Unfallversicherung
Private Unfallversicherung
Geltungsbereich
Arbeit, Schule, Studium, Ehrenamt, direkter Weg dorthin
rund um die Uhr, weltweit, auch Freizeit und Haushalt
Beitragszahler
der Dienstgeber allein, 1,1 Prozent der Beitragsgrundlage
Sie selbst, als Prämie
Leistungsart
Heilbehandlung, Rehabilitation, Versehrtenrente
einmalige Summe, auf Wunsch zusätzlich eine Unfallrente
Zeitpunkt der Zahlung
Rente, wenn die Minderung länger als drei Monate nach dem Unfall besteht
Auszahlung, wenn die Dauerinvalidität feststeht
Schwelle
Rente ab 20 Prozent Minderung der Erwerbsfähigkeit, darunter kein Geld
meist ohne Mindestgrad, einzelne Tarife zahlen erst ab einem bestimmten Grad
Einmalige Summe
grundsätzlich keine, Ausnahme ist die Integritätsabgeltung
die Regel, deshalb gibt es sie
Mitwirkung von Krankheiten
wird geprüft, der Unfall muss die wesentliche Ursache sein
der Anteil wird abgezogen, gute Tarife erst ab 50 Prozent Mitwirkung
Wer den Beitrag trägt
Der Unfallversicherungsbeitrag liegt 2026 bei 1,1 Prozent der Beitragsgrundlage und wird allein vom Dienstgeber getragen, gedeckelt durch die Höchstbeitragsgrundlage von 6.930 Euro im Monat. Von Ihrem Lohn geht dafür nichts ab, und für Schule und Hochschule trägt die öffentliche Hand den Aufwand.
Dafür können Sie am gesetzlichen Schutz nichts einstellen: keinen Geltungsbereich, keine Summe, keine Zusatzbausteine. Die private Polizze zahlen Sie selbst, und dort bestimmen Sie Versicherungssumme, Progression und Bausteine.
Was beide nicht leisten
Keine der beiden hilft bei Krankheit. Ein Bandscheibenvorfall, eine Depression, ein Tumor: das sind keine Unfälle. Genau diese Ursachen stehen aber hinter dem größten Teil aller dauerhaften Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit.
Die Unfallversicherung ist damit kein Ersatz für eine Berufsunfähigkeitsversicherung, und wer in Österreich vom eigenen Einkommen lebt, sollte diese Lücke zuerst ansehen. Die gesetzliche Pensionsversicherung kennt dafür die Berufsunfähigkeits- und Invaliditätspension, deren Voraussetzungen sind aber streng.
Wann Sie die private nicht brauchen
Wenn Sie unbefristet angestellt sind, keine riskanten Hobbys pflegen und genug Rücklagen für den Umbau von Bad oder Auto hätten, ist der Zusatznutzen klein. Dann ist eine weitere Polizze eher Gewohnheit als Notwendigkeit.
Umgekehrt ist sie wichtig für Kinder in der Freizeit, für Selbstständige, für Menschen, die den Haushalt führen, für Pensionistinnen und Pensionisten und für alle mit riskanten Sportarten. Prüfen Sie dann besonders, welche Sportarten die Bedingungen ausschließen.
Schritt für Schritt
Zählen, wie viele Stunden Ihres Tages beruflich sind und wie viele privat.
Klären, wo Sie gesetzlich versichert sind: AUVA, SVS oder gar nicht.
Die Lücke bei Krankheit zuerst ansehen, wenn Sie vom eigenen Einkommen leben.
Dann die private Polizze wählen, mit ausreichender Grundsumme und Progression.
Gliedertaxe, Mitwirkungsanteil, ausgeschlossene Sportarten und Fristen vergleichen, nicht nur die Prämie.
Checkliste
Gesetzliche Zuordnung geklärt: AUVA, SVS oder ohne gesetzlichen Schutz
Grundsumme so gewählt, dass mit Progression eine hohe Höchstleistung steht
Mitwirkung von Krankheiten erst ab hohem Anteil angerechnet
Ihre Sportarten nicht in den Ausschlüssen der Bedingungen
Frist zur Feststellung der Dauerinvalidität großzügig bemessen
Jeden Unfall auf dem Arbeitsweg dem Dienstgeber melden
Häufige Fehler
Glauben, der Schutz der AUVA gelte auch in der Freizeit
Die Unfallversicherung als Ersatz für die Absicherung bei Krankheit ansehen
Einen Wegunfall nicht melden und später den Zusammenhang nicht mehr belegen können
Nur auf die Prämie schauen und die Gliedertaxe übersehen
Fragen und Antworten
Häufig gefragt
Kann ich beide gleichzeitig haben?
Ja, das ist der Normalfall.
Nach einem Arbeitsunfall zahlen beide: die gesetzliche laufend, die private einmalig.
Eine Anrechnung gibt es nicht.
Ab wann gibt es eine Versehrtenrente?
Ab 20 Prozent Minderung der Erwerbsfähigkeit,
und erst wenn diese länger als drei Monate nach dem Unfall besteht.
Darunter gibt es keine Rente.
Zahlt die AUVA eine einmalige Summe?
Grundsätzlich nicht.
Die Ausnahme ist die Integritätsabgeltung, die es gibt,
wenn der Arbeitsunfall auf die Verletzung von Arbeitnehmerschutzvorschriften zurückgeht.
Sind Schülerinnen und Studierende gesetzlich versichert?
Ja, für Schule, Hochschule und den Weg dorthin.
Am Nachmittag am Spielplatz oder im Verein greift dieser Schutz nicht.
Wie hoch ist die Rente bei schwerer Versehrtheit?
Ab 50 Prozent Minderung kommt eine Zusatzrente hinzu,
bei 50 bis unter 70 Prozent 20 Prozent der Versehrtenrente, ab 70 Prozent 50 Prozent.
Gilt die private Polizze auch im Ausland?
In der Regel weltweit, bei längeren Auslandsaufenthalten lohnt ein Blick in die Bedingungen.
Rufnummern und Meldewege für den Schadenfall notieren Sie am besten vorher.