Was tun, wenn der BU-Antrag in Österreich abgelehnt wurde?
Kurz gesagt
Klären Sie zuerst, was abgelehnt wurde. Beim Antrag geht es um die Gesundheitsprüfung: Begründung schriftlich anfordern, Befunde ärztlich entkräften, anonym bei anderen Häusern vorfragen, Ausschluss statt Ablehnung verhandeln. Bei der Leistung geht es um Ihre Polizze: Akteneinsicht, eigenes Gutachten, Schlichtungsstelle, Klage. Achten Sie dabei auf die Fristen aus dem VersVG.
Veröffentlichte Prämienbeispiele österreichischer Tarife, die üblichen Zuschläge und das, was die Gegenwehr kostet. Stand September 2026.
Beispiel
Richtwert
BU zum Vergleich, 36 Jahre, Einkaufsleiter, 1.500 Euro Rente
rund 85 Euro im Monat
BU, 43 Jahre, Elektriker, 3.000 Euro Rente
ab etwa 240 Euro im Monat
Prämienzuschlag bei Vorerkrankungen
meist 20 bis 100 Prozent auf die Normalprämie
Eigenes Privatgutachten, Richtwert aus der Angebotspraxis
meist 1.000 bis 4.000 Euro
Rehabilitationsgeld als staatliche Untergrenze
2026 mindestens 1.308,39 Euro im Monat für Alleinstehende
Schlichtung bei den genannten Stellen
0 Euro
Die Prämien stammen aus öffentlich genannten Tarifbeispielen,
das Rehabilitationsgeld aus der Sozialversicherung.
Die Spanne der Zuschläge und die Gutachtenkosten sind Richtwerte aus der Angebotspraxis,
öffentliche Erhebungen dazu gibt es nicht.
Anwalts- und Gerichtskosten hängen am Streitwert aus der geforderten Rente;
wir rechnen es Ihnen vorher aus.
Rechenbeispiel
Dachdecker aus Linz, 46 Jahre, Leistung wegen Grad unter 50 Prozent abgelehnt
Wie eine genaue Tätigkeitsbeschreibung die Entscheidung gedreht hat.
Erste Angabe im Formular
Dachdecker, Arbeiten am Dach nicht mehr möglich
Antwort des Versicherers
Ablehnung, Aufmaß und Büro seien weiter möglich
Nachgereichter Arbeitstag mit Stunden
Dach und Gerüst 6,5 Stunden, Aufmaß und Büro 1,5 Stunden
Ergänzende Stellungnahme des Orthopäden
Höhenarbeit und Heben dauerhaft ausgeschlossen, Prognose über zwölf Monate
Frist aus dem Ablehnungsschreiben
Hinweis nach § 12 Abs. 3 VersVG enthalten, ein Jahr notiert
81 Prozent der Arbeitszeit fielen weg, die Sechsmonatsprognose lag vor: Der Versicherer erkannte die Rente innerhalb der Frist an, ohne Klage. Rechenbeispiel zur Veranschaulichung.
Erst die Frage: Antrag oder Leistung?
Ablehnung bedeutet zwei ganz verschiedene Dinge. Beim abgelehnten Antrag hat der Versicherer Sie vor Abschluss nicht genommen, es gibt also keine Polizze. Hier geht es um Befunde, Beruf und andere Häuser.
Bei der abgelehnten Leistung haben Sie eine Polizze, und der Versicherer sagt, die Voraussetzungen seien nicht erfüllt. Hier geht es um Beweise, Fristen und notfalls das Gericht. Die Wege sind nicht austauschbar: Wer nach einer Leistungsablehnung neue Anträge stellt, verliert Monate, in denen Fristen laufen.
Antrag abgelehnt: die Reihenfolge, die zählt
Fordern Sie die Begründung schriftlich an. Meist steht dort ein einzelner Befund, und oft ist es einer, den Sie ausräumen können: eine Verdachtsdiagnose ohne Bestätigung, eine abgeschlossene Behandlung, ein Eintrag, der aus einer Abrechnung stammt und nie eine Erkrankung war.
Dann holen Sie einen Bericht Ihrer Ärztin oder Ihres Arztes, der genau diesen Punkt entkräftet: Anlass, Verlauf, Ende, heutiger Zustand, Prognose. Mit diesem Bericht fragen Sie anonym bei anderen Häusern nach. Verhandeln Sie ausdrücklich über einen Ausschluss der einen Diagnose statt einer Ablehnung, und über eine Zurückstellung mit festem Termin statt eines endgültigen Nein. Fragen Sie außerdem im Betrieb nach einer Gruppen- oder Kollektivlösung, dort ist die Gesundheitsprüfung oft vereinfacht.
Anonym vorfragen, bevor Sie weitere Anträge stellen
Eine zentrale Ablehnungsdatei wie in Deutschland gibt es für die österreichische Lebensversicherung in dieser Form nicht. Das heißt aber nicht, dass Sie beliebig viele Anträge stellen sollten: Viele Antragsformulare fragen nach früheren Anträgen, Ablehnungen und Zuschlägen, und was Sie dort angeben müssen, wird zum nächsten Hindernis.
Der saubere Weg führt über den Makler. Ihre Befunde gehen ohne Namen an mehrere Risikoprüfer, Sie sammeln Voten und beantragen nur dort, wo das Votum passt. Das kostet Wartezeit und sonst nichts.
Die echten Alternativen, wenn keine BU zu bekommen ist
Keine dieser Lösungen ist so gut wie eine BU, jede deckt weniger ab. Das gehört gesagt, bevor Sie unterschreiben. Trotzdem ist eine schwächere Absicherung besser als keine, gerade weil das Rehabilitationsgeld nur eine Untergrenze ist und die Pension erst bei dauernder Berufsunfähigkeit kommt.
Prüfreihenfolge: zuerst Grundfähigkeitsversicherung, dann eine Erwerbsunfähigkeitsdeckung, dann die Absicherung schwerer Krankheiten, zuletzt die Unfallversicherung. Sie ist der schwächste Ersatz, weil die meisten Fälle aus Krankheit entstehen.
Lösung
Was sie leistet
Wo die Grenze liegt
Grundfähigkeitsversicherung
Rente bei Verlust festgelegter Fähigkeiten wie Gehen, Greifen, Sehen
psychische Erkrankungen meist nicht erfasst, der Katalog entscheidet alles
Erwerbsunfähigkeitsdeckung
Leistung, wenn Sie gar keine Tätigkeit mehr ausüben können
viel höhere Hürde als 50 Prozent im eigenen Beruf
Absicherung schwerer Krankheiten
einmalige Summe bei festgelegten Diagnosen
keine laufende Rente, alles außerhalb der Liste fällt aus
Unfallversicherung
Leistung nur nach Unfällen
die meisten Fälle entstehen durch Krankheit, nicht durch Unfall
Gruppen- oder Kollektivvertrag im Betrieb
Zugang oft mit vereinfachter Gesundheitsprüfung
hängt am Dienstverhältnis, ein Jobwechsel kann den Schutz kosten
Leistung abgelehnt: die Gründe und was dahintersteckt
Vier Begründungen kommen immer wieder: der Grad von 50 Prozent sei nicht erreicht, die Prognose von sechs Monaten sei nicht belegt, Sie könnten auf einen anderen Beruf verwiesen werden, oder Sie hätten die Gesundheitsfragen nicht richtig beantwortet. Welche davon gilt, hängt allein an Ihren Bedingungen, denn das VersVG regelt die BU nicht eigens.
Lesen Sie die Begründung Satz für Satz. Fast immer lässt sie erkennen, welcher Beweis fehlt, und genau den können Sie nachliefern. Beachten Sie dabei die Fristen im nächsten Abschnitt, sie sind in Österreich der häufigste Grund, aus dem ein berechtigter Anspruch verloren geht.
Ablehnungsgrund
Was dahintersteckt
Nächster Schritt
Grad unter 50 Prozent
Ihr Arbeitsalltag wurde zu grob erfasst
Tätigkeit mit Stunden je Aufgabe nachliefern, Kollegen als Zeugen benennen
Prognose von sechs Monaten nicht belegt
der Befund sagt nichts zur Dauer
ergänzende Stellungnahme zur voraussichtlichen Dauer anfordern
Abstrakte Verweisung
die Bedingungen erlauben den Verweis auf einen nie ausgeübten Beruf
Klausel prüfen, Vergleichbarkeit von Einkommen und Ansehen bestreiten
Verletzung der Anzeigepflicht
ein Befund fehlte im Antrag
Einfluss auf den Fall nach § 21 VersVG prüfen, Dreijahresgrenze des § 163 VersVG prüfen
Ein Ausschluss greife
die ausgeschlossene Diagnose soll die Ursache sein
andere Ursache belegen, Kausalität durch Facharzt klären lassen
Fristen: der Punkt, an dem es in Österreich teuer wird
Ansprüche aus dem Versicherungsvertrag verjähren in drei Jahren. Dazu kommt eine Besonderheit: Lehnt der Versicherer Ihren Anspruch schriftlich, begründet und mit Hinweis auf die Rechtsfolgen ab, verkürzt § 12 Abs. 3 VersVG Ihre Zeit auf ein Jahr. Verstreicht das Jahr, ist der Anspruch weg, auch wenn er berechtigt war.
Der Verfassungsgerichtshof hat diese Bestimmung am 28. April 2026 als gleichheitswidrig aufgehoben, allerdings mit Wirkung erst zum 31. Mai 2027. Bis dahin gilt sie weiter. Lesen Sie ein Ablehnungsschreiben deshalb sofort darauf durch, ob es diesen Hinweis enthält, und notieren Sie das Datum.
Der Weg gegen eine Leistungsablehnung
Verlangen Sie Einsicht in Ihre Leistungsakte, auch in Gutachten und interne Vermerke. Prüfen Sie, ob der Versicherer seine eigenen Bedingungen angewendet hat und ob die Begründung die vertraglichen Voraussetzungen überhaupt nennt. Ein eigenes Gutachten kostet Geld, hebt die Beweislage aber oft entscheidend.
Kostenlose Hilfe gibt es bei der Rechtsservice- und Schlichtungsstelle der Versicherungsmakler und bei der Beschwerdestelle des Versicherungsverbands, dazu bei Arbeiterkammer und Verein für Konsumenteninformation. Eine Beschwerde bei der Finanzmarktaufsicht ist möglich, sie entscheidet aber nicht über Ihren Anspruch. Bleibt es dabei, klagen Sie, am besten mit einer auf Versicherungsrecht spezialisierten Anwaltskanzlei, und prüfen Sie vorher Ihre Rechtsschutzversicherung.
Schritt für Schritt
Klären, was abgelehnt wurde: der Antrag oder die Leistung.
Ablehnungsschreiben auf den Hinweis nach § 12 Abs. 3 VersVG prüfen und das Fristende notieren.
Begründung schriftlich anfordern, mit Nennung des störenden Befunds oder der fehlenden Voraussetzung.
Beim Antrag: entkräftenden Arztbericht holen und anonyme Voranfragen stellen lassen.
Bei der Leistung: Akteneinsicht verlangen und fehlende Beweise nachliefern, Tätigkeit mit Stunden, Prognose zur Dauer.
Erst dann eskalieren: Schlichtungsstelle, dann Klage, vorher Rechtsschutz prüfen.
Checkliste
Schriftliche Begründung liegt vor
Fristende aus dem Ablehnungsschreiben notiert
Unterschied zwischen Antrags- und Leistungsablehnung geklärt
Kein weiterer echter Antrag ohne anonyme Voranfrage gestellt
Tätigkeit mit Stunden je Aufgabe dokumentiert
Rechtsschutzversicherung auf Deckung geprüft
Häufige Fehler
Die einjährige Klagsfrist aus dem Ablehnungsschreiben übersehen
Nach einer Ablehnung gleich den nächsten echten Antrag stellen
Eine Ablehnung ohne schriftliche Begründung hinnehmen
Einen angebotenen Ausschluss ablehnen und lieber ganz ohne Schutz bleiben
Annehmen, eine Ablehnung der Pensionsversicherung gelte auch privat
Fragen und Antworten
Häufig gefragt
Wie lange habe ich Zeit, gegen eine Leistungsablehnung vorzugehen?
Grundsätzlich drei Jahre.
Enthält das Ablehnungsschreiben den Hinweis nach § 12 Abs.
3 VersVG, verkürzt sich Ihre Zeit auf ein Jahr; diese Bestimmung gilt noch bis 31.
Mai 2027.
Kann ich nach einer Ablehnung bei einem anderen Versicherer abschließen?
Ja, die Risikoprüfer bewerten denselben Befund unterschiedlich.
Gehen Sie über eine anonyme Voranfrage und beantragen Sie nur dort, wo das Votum passt.
Muss ich eine frühere Ablehnung im neuen Antrag angeben?
Wenn danach gefragt wird, ja.
Deshalb ist die anonyme Voranfrage der bessere Weg, sie erzeugt keinen Antrag und keine Ablehnung.
Welche Stelle hilft kostenlos?
Die Rechtsservice- und Schlichtungsstelle der Versicherungsmakler,
die Beschwerdestelle des Versicherungsverbands sowie Arbeiterkammer und Verein für
Konsumenteninformation.
Bringt eine Beschwerde bei der Finanzmarktaufsicht mein Geld?
Sie ist möglich und wird ausgewertet,
aber die Aufsicht entscheidet nicht über Ihren einzelnen Anspruch.
Dafür bleiben Schlichtung und Gericht.
Hilft die Berufsunfähigkeitspension, wenn die private BU ablehnt?
Das sind getrennte Verfahren.
Bei vorübergehender Berufsunfähigkeit gibt es Rehabilitationsgeld,
eine Pension erst bei dauerndem Zustand,
und beides liegt meist weit unter dem letzten Einkommen.
Was ist besser, ein Ausschluss oder eine Ablehnung?
Ein Ausschluss immer.
Er nimmt eine Diagnose aus dem Schutz, lässt aber alle anderen Ursachen versichert,