Wie kündige ich meine Rechtsschutzversicherung in Österreich?
Kurz gesagt
In Österreich ist der Rechtsschutz meist für drei Jahre gebunden und läuft danach jährlich weiter. Gekündigt wird zum Ende der Versicherungsperiode, in den Bedingungen steht dafür meist ein Monat Frist, seltener drei. Erhöht der Versicherer die Prämie einseitig, ohne mehr zu leisten, können Sie binnen eines Monats nach der Mitteilung aussteigen. Nach einem Leistungsfall dürfen beide Seiten kündigen.
Öffentlich genannte Prämien für Österreich, damit Sie sehen, ob sich der Wechsel überhaupt rechnet.
Beispiel
Richtwert
Basisschutz Einzelperson mit Schadenersatz, Straf, Beratung und Vertrag
ab etwa 6 Euro im Monat
Basisschutz mit Fahrzeug- und Lenkerrechtsschutz
ab etwa 13 Euro im Monat
Familie mit Arbeits- und Wohnungsrecht
ab etwa 23 Euro im Monat
Üblicher Selbstbehalt je Fall
etwa 100 bis 500 Euro
Prämienersparnis bei gleicher Deckung nach einem Wechsel
etwa 30 bis 150 Euro im Jahr
Richtwerte, Stand September 2026, aus öffentlich genannten Prämienbeispielen für Österreich.
Die Ersparnis im Rechenbeispiel und die Spanne der Prämienersparnis sind aus diesen Angaben
gerechnet und damit Richtwerte aus der Angebotspraxis.
Welche Frist für Sie gilt, steht in Ihrer Polizze.
Rechenbeispiel
Prämienerhöhung im November, Vertragsbeginn am 1. Juni
Der Versicherer hebt die Familienprämie von 276 auf 312 Euro im Jahr an und nennt als Grund die gestiegenen Anwaltskosten, nicht den Index. Die Mitteilung kommt am 8. November.
Mitteilung über die Erhöhung
8. November
Sonderkündigung möglich bis
8. Dezember
Ordentliche Kündigung stattdessen bis
30. April, Ende erst zum 31. Mai
Neuer Vertrag mit gleicher Deckung
etwa 230 bis 290 Euro im Jahr
Wartezeit im neuen Vertrag bei lückenlosem Anschluss
meist angerechnet, aber nur für die Bausteine, die vorher schon liefen
Mit der Sonderkündigung sind Sie rund fünf Monate früher draußen und zahlen im ersten Jahr etwa 22 bis 82 Euro weniger. Verpassen Sie den 8. Dezember, läuft die höhere Prämie bis Ende Mai weiter.
Die Fristen mit Zahlen
Die Versicherungsperiode beginnt mit dem Vertragsbeginn und läuft in der Regel ein Jahr. Das Datum steht in der Polizze, und nur dieses Datum zählt. Bei einem Beginn am 1. Juni und einem Monat Frist muss Ihre Kündigung also bis zum 30. April einlangen, nicht abgeschickt, sondern angekommen sein. Rechnen Sie deshalb mit Postlaufzeit und schicken Sie früher.
Wie lang die Frist ist, legt der Versicherer in Grenzen selbst fest: § 8 Absatz 2 Versicherungsvertragsgesetz verlangt eine Frist von mindestens einem und höchstens drei Monaten, gleich lang für beide Seiten. In Österreich ist ein Monat der Regelfall, das ist kürzer und freundlicher als in Deutschland. Dafür sind Rechtsschutzverträge hier häufiger auf drei Jahre gebunden. Läuft Ihr Vertrag über mehr als drei Jahre, gibt § 8 Absatz 3 desselben Gesetzes Verbrauchern ein eigenes Kündigungsrecht zum Ende des dritten oder jedes folgenden Jahres.
Anlass
Frist
Was zu beachten ist
Ende der Versicherungsperiode
meist ein Monat vorher, seltener drei
Stichtag ist der Vertragsbeginn in der Polizze, nicht der Jahreswechsel
Vertrag auf drei Jahre
erst zum Ende des dritten Jahres
ein Dauerrabatt für die lange Bindung kann bei früherem Ende nachverrechnet werden
Vertrag über drei Jahre Laufzeit
ein Monat zum Ende des dritten oder jedes folgenden Jahres
gesetzliches Recht für Verbraucher, es steht nicht in jeder Polizze
Einseitige Prämienerhöhung ohne mehr Leistung
ein Monat ab der Mitteilung
wirkt frühestens zum Tag der Erhöhung; der Grund muss klar erklärt sein
Erhöhung nur nach dem Verbraucherpreisindex
meist kein Sonderrecht
die Wertanpassung selbst können Sie in vielen Bedingungen einzeln abbestellen
Nach einem Leistungsfall
ein Monat nach Zahlung oder Ablehnung
gilt für beide Seiten, auch der Versicherer darf gehen
Neu abgeschlossen im Fernabsatz
14 Tage Rücktritt
gilt nur beim Neuabschluss, nicht bei einem alten Vertrag
Vertrag ohne feste Laufzeit
zum Ende jeder Versicherungsperiode
beide Seiten können auf das Kündigungsrecht höchstens zwei Jahre verzichten
Die Falle: ein Monat ab der Mitteilung
Das Sonderkündigungsrecht nach einer Prämienerhöhung ist das schärfste Werkzeug, das Sie haben, und das kürzeste. Die Frist läuft ab dem Tag, an dem Sie über die höhere Prämie und deren Grund informiert werden, nicht ab dem Tag, an dem die neue Prämie gilt. Weil Versicherer die Anpassung oft Monate vorher ankündigen, ist die Frist meist längst vorbei, wenn der erste höhere Betrag abgebucht wird.
Eine wichtige Einschränkung gehört dazu: Auf das Kündigungsrecht muss der Versicherer nur hinweisen, wenn die Erhöhung nicht allein der Entwicklung des Verbraucherpreisindex folgt. Reine Indexanpassungen bringen Ihnen also kein Sonderrecht. Sie können in vielen Bedingungen aber die Wertanpassung selbst abbestellen, und dann bleibt die Prämie stehen, während auch die Versicherungssumme nicht mehr mitwächst. Lesen Sie den Brief also genau: Steht dort ein anderer Grund als der Index, läuft Ihr Monat.
Was in ein Kündigungsschreiben gehört
Eine Vorlage brauchen Sie nicht, vollständige Angaben schon. Hinein gehören Name und Anschrift, die Polizzennummer, das Wort Kündigung im Betreff, der gemeinte Vertrag und der Termin, entweder zum nächstmöglichen Zeitpunkt oder mit konkretem Datum. Bei einer Sonderkündigung nennen Sie den Grund und das Datum des Schreibens, auf das Sie sich beziehen, etwa die Mitteilung über die Prämienerhöhung vom 8. November.
Dazu zwei Sätze, die Ärger sparen: die Bitte um schriftliche Bestätigung mit dem Enddatum, und der Hinweis, dass ein erteiltes Einzugsmandat mit dem Vertragsende endet. In der Praxis akzeptieren die Häuser Brief, Fax und E-Mail. Weil es auf das Einlangen ankommt und Sie das im Streitfall beweisen müssen, ist ein eingeschriebener Brief die sicherste Wahl. Widerrufen Sie das Einzugsmandat erst, wenn die Bestätigung da ist, sonst entstehen Mahnspesen für eine Prämie, die noch offen war.
Erst der neue Vertrag, dann die Kündigung
Das ist die wichtigste Reihenfolge auf dieser Seite. Ein Rechtsschutzvertrag ist kein Stromtarif: Der neue Versicherer nimmt Sie nicht in jedem Fall, und er fragt nach Vorschäden. Wer aus einem gekündigten Vertrag heraus sucht, verhandelt aus der schwächsten Position, und jeder Tag ohne Deckung ist ein Tag, an dem ein neuer Streit in keine Polizze fällt.
Dazu kommt die Wartezeit. Für Arbeitsrecht, allgemeines Vertragsrecht und Wohnungsrecht sind drei Monate üblich, bei manchen Tarifen sechs, im Erb- und Familienrecht sechs bis zwölf Monate. Wechseln Sie lückenlos, rechnen viele Häuser die Zeit beim Vorversicherer an, aber nur für Bausteine, die dort schon versichert waren. Entsteht auch nur ein Tag Lücke, kann die Wartezeit von vorn laufen. Setzen Sie den Beginn des neuen Vertrags deshalb auf den Tag nach dem Ende des alten und kündigen Sie erst, wenn die Annahme schriftlich vorliegt.
Wann Sie besser nicht kündigen
Wenn ein Streit schon absehbar ist, ist Kündigen der falsche Schritt. Zuständig bleibt der Versicherer, in dessen Vertragszeit der erste Verstoß gegen eine Rechtspflicht fällt. Ein Fall, der jetzt beginnt, ist also noch Sache des alten Vertrags, während der neue ihn nicht deckt, selbst wenn Sie ihn dort erst später melden. Wer mitten in einer Auseinandersetzung wechselt, steht am Ende zwischen zwei Häusern.
Auch beim Sparen lohnt Rechnen statt Reflex. Üblich sind Selbstbehalte zwischen 100 und 500 Euro je Fall, und ein höherer Selbstbehalt senkt die Prämie sofort. Oft ist der günstigere Weg, den bestehenden Vertrag anzupassen: Bausteine streichen, die Sie nicht brauchen, den Selbstbehalt anheben oder die Zahlweise auf jährlich stellen. Das kostet keine Wartezeit und keine Frage nach Vorschäden. Als Ihr Makler sehen wir uns beides an, bevor etwas gekündigt wird.
Schritt für Schritt
Vertragsbeginn, Laufzeit und Frist in der Polizze nachsehen und den Stichtag in den Kalender schreiben.
Prüfen, ob gerade ein Sonderkündigungsrecht läuft: Prämienerhöhung mit einem anderen Grund als dem Index oder ein abgeschlossener Leistungsfall.
Angebote mit genau denselben Bausteinen einholen und auf die Anrechnung der Vorversicherungszeit bestehen.
Den neuen Vertrag schriftlich annehmen lassen, mit Beginn am Tag nach dem Ende des alten.
Erst dann kündigen, am besten per eingeschriebenem Brief, mit Polizzennummer und der Bitte um Bestätigung des Enddatums.
Checkliste
Vertragsbeginn, Laufzeit und Kündigungsfrist aus der Polizze notiert
Mitteilung über die Prämienerhöhung auf den genannten Grund und den Hinweis zum Kündigungsrecht geprüft
Neuer Vertrag liegt schriftlich vor, bevor die Kündigung rausgeht
Beginn des neuen Vertrags liegt genau am Tag nach dem Ende des alten
Anrechnung der Wartezeit für alle bisher versicherten Bausteine schriftlich bestätigt
Kündigungsbestätigung erhalten, erst danach das Einzugsmandat widerrufen
Häufige Fehler
Kündigen, bevor der neue Vertrag steht, und mit einer Lücke ohne Deckung und mit neuer Wartezeit dastehen
Die Kündigung am letzten Tag abschicken, obwohl sie beim Versicherer einlangen muss
Bei einem Dreijahresvertrag vorher aussteigen wollen und den Dauerrabatt nachzahlen müssen
Eine reine Indexanpassung für einen Kündigungsgrund halten und die ordentliche Frist versäumen
Das Einzugsmandat sofort widerrufen und dafür Mahnspesen für eine noch offene Prämie zahlen
Fragen und Antworten
Häufig gefragt
Wie lang ist die Kündigungsfrist in Österreich?
Meist ein Monat vor dem Ende der Versicherungsperiode, seltener drei.
Das Gesetz erlaubt ein bis drei Monate, und die Frist muss für beide Seiten gleich lang sein.
Bin ich wirklich drei Jahre gebunden?
Bei vielen Rechtsschutzverträgen ja, das ist in Österreich üblich.
Es gibt aber auch Einjahresverträge.
Was gilt, steht in Ihrer Polizze unter Laufzeit.
Kann ich bei einer Prämienerhöhung immer kündigen?
Nein.
Folgt die Erhöhung allein dem Verbraucherpreisindex, gibt es meist kein Sonderrecht.
Nennt der Versicherer einen anderen Grund, haben Sie einen Monat ab der Mitteilung.
Darf der Versicherer nach einem Fall kündigen?
Ja.
Nach Zahlung oder Ablehnung dürfen beide Seiten binnen eines Monats kündigen.
Ein laufendes Verfahren wird danach weiter abgewickelt.
Genügt eine E-Mail?
In der Praxis akzeptieren die Häuser Brief, Fax und E-Mail.
Weil es auf das Einlangen ankommt und Sie das beweisen müssen,
ist ein eingeschriebener Brief die sichere Wahl.
Was passiert mit einem laufenden Streit?
Er bleibt beim alten Versicherer,
wenn der erste Verstoß gegen eine Rechtspflicht in dessen Vertragszeit fiel.
Der neue zahlt dafür nichts, auch wenn Sie ihn dort melden.
Geht es auch ohne Kündigung günstiger?
Oft ja.
Bausteine streichen, den Selbstbehalt anheben oder jährlich statt monatlich zahlen senkt die