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In eigener Sache: Warum ich zur ELEMENT-Pleite nicht schweige

Warum nach der Insolvenz der deutschen ELEMENT niemand übernommen hat, warum ein Fonds am Ende wieder der Kunde zahlt und was beim nächsten kleinen Versicherer passiert.

16. September 20266 min LesezeitNorman Nammert, NAMMERT Assekuradeur GmbH

Fast jeden Tag fragt mich ein Kunde, wann er sein Geld von ELEMENT bekommt. Ich weiß es nicht. Und ich finde das nicht in Ordnung. Was folgt, ist meine persönliche Meinung als Assekuradeur und Makler, keine rechtliche Bewertung und keine Aussage über die Verantwortung einzelner Personen.

Was passiert ist: Die ELEMENT Insurance AG mit Sitz in Berlin hat am 20. Dezember 2024 der deutschen Aufsicht BaFin ihre Überschuldung gemeldet, kurz nachdem ihr die Rückversicherung gekündigt worden war. Versucht wurde noch, die Verträge ganz oder teilweise auf einen anderen Versicherer zu übertragen. Das ist gescheitert. Am 1. März 2025 wurde das Insolvenzverfahren eröffnet, rund 320.000 Verträge endeten, die allermeisten am 1. April 2025.

Wo es heute steht: Über 25.000 Schadenfälle sind angemeldet, mehr als die 15.000 bis 20.000, mit denen man gerechnet hatte. Ausgezahlt wurde bis heute nichts, auch nicht bei unstrittigen Ansprüchen. Laut BaFin vom 27. Juli 2026 wird es heuer voraussichtlich keine Auszahlung mehr geben. Wie viel die Geschädigten am Ende bekommen, ist offen.

Die Fragen, die ich jeden Tag höre: Wie viele Makler und Assekuradeure hat diese Pleite mitgerissen? Wie viele Kunden warten noch auf ihr Geld? Wie viel ist für immer verloren? Und wer übernimmt dafür Verantwortung? Öffentliche Zahlen dazu habe ich nicht gefunden, eine Erklärung, die diese Fragen beantwortet, habe ich bis heute nicht gelesen.

Beantworten müssen sie die Vermittler, die übrig geblieben sind und deren Name auf dem Antrag stand. Ich bin einer davon. NAMMERT war nie insolvent, wir haben nicht abgewartet und unsere Kunden zu einem neuen Risikoträger gebracht. Den Kopf halte ich trotzdem bis heute hin, für eine Pleite, die ich nicht verursacht habe.

Erstens: Warum hat niemand übernommen? Die Übertragung wurde versucht und ist gescheitert. Für einen großen Versicherer wäre dieser Bestand aus meiner Sicht zu stemmen gewesen: Beiträge anpassen, wo es schlecht gelaufen ist, und jeder Kunde entscheidet selbst, ob er bleibt. Stattdessen wurde jedem die Entscheidung abgenommen. Der Vertrag endete, der Schaden wurde zur Forderung im Insolvenzverfahren, und wann Geld kommt, weiß niemand.

Zweitens: Ist ein Fonds die Lösung? In Deutschland gibt es Sicherungsfonds für Lebens- und private Krankenversicherer, für Sachversicherer nicht. Die deutsche Bundesregierung plant deshalb einen Abwicklungsfonds, in den alle Versicherer einzahlen, und einen Sicherungsfonds für die Sachversicherung. Grundlage sind europäische Vorgaben, die bis 31. Jänner 2027 umzusetzen sind.

Ich bin skeptisch. Bezahlen sollen die Fonds die Versicherer, also über die Prämien am Ende wieder die Kunden. Dieselben Kunden zahlen heute schon die Vorstände und über die Umlage der Versicherer auch die Aufsicht: Die BaFin finanziert sich nach eigenen Angaben vollständig aus Umlagen und Gebühren der beaufsichtigten Unternehmen. Ein Fonds verteilt einen Schaden auf alle. Verhindern tut er ihn nicht. Mir wäre eine Aufsicht lieber, die früh hinschaut, und ein Markt, in dem ein Bestand übernommen wird, bevor die Kunden alles verlieren.

Drittens: Was passiert beim nächsten kleinen Versicherer? Bei den großen Häusern sehe ich regelmäßig Zusammenschlüsse, die Kunden merken davon kaum etwas. ELEMENT hatte Geschäft quer durch viele Sachsparten, und trotzdem fand sich niemand. Wer übernimmt dann den Bestand eines kleinen Nischenversicherers mit nur einer Sparte, wenn ein Großereignis viele seiner Verträge auf einmal getroffen hat? Viele Eigner wissen nicht einmal, wer hinter ihrer Polizze das Risiko trägt und in welchem Land er sitzt. Wie man das prüft, steht auf unserer Seite zum Risikoträger.

Was das für Sie als Eigner bedeutet: Ob Segelyacht, Motorboot oder Jetski, in der Polizze steht, welcher Versicherer Ihr Risiko trägt und in welchem Land er sitzt. Fällt dieser Versicherer aus, endet der Vertrag in aller Regel einen Monat nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens. Offene Schäden werden zu Forderungen im Verfahren, und für Haftpflicht und Kasko brauchen Sie sofort neue Deckung. Im Schadenfall zählt deshalb nicht nur, was in der Polizze steht, sondern auch, wer dahintersteht.

Eine fertige Antwort habe ich nicht. Aber diese Fragen gehören auf den Tisch und nicht nur an die Telefone der Vermittler. Liebe BaFin, finden Sie das eigentlich richtig?

Quellen: Meldungen der BaFin vom 3. März 2025 und vom 27. Juli 2026, Angaben der BaFin zu ihrer Finanzierung und zu den Sicherungseinrichtungen, Versicherungswirtschaft heute vom 28. Juli 2026, t-online zum geplanten Sicherungsfonds.

Norman Nammert Geschrieben von Norman Nammert Inhaber, NAMMERT Assekuradeur und Makler · Profil auf LinkedIn

Zum Abhaken

In der Polizze nachsehen, welcher Versicherer das Risiko trägt und in welchem Land er sitzt Den Bericht über Solvabilität und Finanzlage dieses Versicherers lesen: Eigenmittel in Euro, Quote, Rückversicherung Prüfen, ob der Versicherer nur eine Sparte zeichnet oder viele Bei einer Insolvenz sofort neue Haftpflicht und Kasko abschließen, der alte Vertrag endet nach einem Monat Offene Schäden mit allen Belegen beim Insolvenzverwalter anmelden und die Unterlagen aufbewahren

Häufige Fragen

Bekommen die Geschädigten von ELEMENT ihr Geld?

Offen. Über 25.000 Schadenfälle sind angemeldet, ausgezahlt wurde bis heute nichts. Laut BaFin vom 27. Juli 2026 ist heuer keine Auszahlung mehr zu erwarten.

Gibt es einen Sicherungsfonds, wenn ein Bootsversicherer ausfällt?

In Deutschland, wo ELEMENT saß, gibt es heute keinen für Sachversicherer. Ein Fonds ist geplant und soll von den Versicherern bezahlt werden, also über die Prämien.

Woran erkenne ich, wer mein Risiko trägt?

An der Polizze und den Informationen vor Vertragsabschluss. Dort stehen der Versicherer und sein Sitz. Steht dort nur eine Marke oder ein Makler, fragen Sie nach.

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Ein altes Telefon mit Spiralkabel und ein Stapel grauer Akten auf dem Schreibtisch eines Hafenbüros, im Fenster unscharf die Masten von Segelyachten

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